08.04.2020 11:55 |

krone.at-Kolumne

Corona-Krise: Ist die Globalisierung am Ende?

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie verletzlich unser Wirtschaftssystem ist. Wenn am internationalen Weltmarkt um simple Gesichtsmasken und um lebenswichtige Beatmungsgeräte gerauft werden muss - wer braucht dann noch die Globalisierung?

Wenn die Corona-Krise einmal überstanden ist, wird es so einiges zu diskutieren geben. Man wird über Konkretes reden müssen, wie zum Beispiel darüber, was in Tirol falsch gelaufen ist, auch über Relevantes, wie die (Nicht-)Performance der Europäischen Union in dieser schwierigen Zeit, aber auch das große Ganze wird und muss hinterfragt werden. Denn selbst der hartgesottenste Globalist wird nach dieser Krise nicht leugnen können: Dieses System hat versagt. Die Globalisierung hat nicht das gehalten, was sie uns versprochen hat.

Made in China bedeutet Abhängigkeit
Die Krux mit der Verfügbarkeit von Gesichtsmasken ist dafür ein anschauliches Beispiel: Vor wenigen Monaten hat sich kaum jemand darüber Gedanken gemacht, woher diese Dinger überhaupt kommen. Dass sie nun teilweise wie Rohdiamanten gehandelt werden, lässt auch den Unbedarftesten nachdenken und erkennen: Die weltweite Maskenproduktion ist zu einem Großteil in China beheimatet. Das ermöglicht in krisenfreien Zeiten billige Preise. Das freut den Konsumenten. In der Krise schafft es aber eine lebensgefährliche Abhängigkeit. Und das erfahren wir gerade leidlich.

Die Globalisierung frisst ihre Kinder
Deswegen kommt die Forderung einiger Politiker, wieder mehr im eigenen Land zu produzieren, nicht von ungefähr. Diese Diskussion ist gut und richtig. Dennoch darf man sich nicht der träumerischen Idee hingeben, dass damit dann wieder alles gut ist und in Zukunft heimische Taglöhner glücklich und zufrieden tagein, tagaus Masken „Made in Austria“ produzieren werden. Eine Rückabwicklung des bestehenden Systems, eine De-Globalisierung, würde auch teurere Preise bedeuten. Wollen wir das wirklich?

Können wir wirklich auf Billig-Steaks verzichten?
Die Globalisierung hat uns verwöhnt und auch bis zu einem gewissen Grad verweichlicht. Wir sind es gewohnt, alles jederzeit spottgünstig verfügbar zu haben. Die Rindersteaks vom Discounter kommen aus Brasilien, das T-Shirt um zwei Euro aus Bangladesch, das Gratis-Smartphone zur Vertragsverlängerung aus China. Wer diese Annehmlichkeiten kennt, möchte sie auf lange Sicht nicht missen. Wir haben uns an den Konsum schon zu sehr gewöhnt. Eine reine Regionalität würde deswegen nicht funktionieren.

Lehren, die man aus Corona ziehen muss
Dennoch gibt es auch für die Weltwirtschaft Lehren, die man aus dieser Krise ziehen kann. So ist es sicher sinnvoll, sich in sensiblen Bereichen - wie bei Medikamenten - unabhängiger vom Weltmarkt zu machen und zumindest einen Teil lokal zu produzieren. Das schafft nicht nur Krisenfestigkeit und Sicherheit, sondern auch Arbeitsplätze. Und auch die werden, wenn das alles einmal vorbei ist, gebraucht werden. Bestimmt.

Katia Wagner, krone.at

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