04.04.2020 11:56 |

Ministerin Schramböck:

Vorarlberger Firmen erzeugen bis zu 500.000 Masken

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) hat am Samstag die ersten FFP2-Schutzmasken aus heimischer Herstellung präsentiert, die im Kampf gegen SARS-CoV-2 von Ärzten, Pflegepersonal und in Krankenhäusern eingesetzt werden können. Produziert werden die Masken für den medizinischen Bereich von einem Vorarlberger Konsortium um die Grabher-Group. Derzeit werden 15.000 Stück täglich erzeugt.

Die Produktion der Schutzmasken, die zu 95 Prozent Viren filtern, soll in unmittelbarer Zukunft auf 100.000 pro Tag hochgefahren werden. Die Herstellung einer halben Million am Tag wäre möglich, wenn ausreichend Näherinnen gefunden werden. Zumindest 100 zusätzliche Facharbeiterinnen würden dafür benötigt, erklärte Schramböck in einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt.

Zahlreiche unseriöse Anbieter
Die Wirtschaftsministerin sprach von einem „wichtigen Schritt in Richtung Autarkie“, zumal es gerade bei FFP2- oder FFP3-Schutzmasken (Letztgenannte filtern 98 Prozent der Viren, Anm.) zahlreiche unseriöse Anbieter auf dem internationalen Markt gebe. In neun von zehn Fällen hätten sich die der Republik angebotenen Schutzmasken als unbrauchbar herausgestellt, weil sie nicht der vorgeschriebenen Qualität entsprachen, erklärte Schramböck: „Wir müssen uns aber darauf verlassen können, dass drin ist, was draufsteht.“ Sie wolle niemandem einem Risiko aussetzen, „der an vorderster Front steht“. Umso wichtiger sei es, dass man nun über ein österreichisches Produkt „von höchster Qualität“ verfüge, das außerdem in Österreich geprüft und zertifiziert worden sei.

Prüfstelle für Zertifizierungsverfahren installiert
Wie Schramböck in diesem Zusammenhang darlegte, wurde beim Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) binnen einer Woche eine entsprechende Prüfstelle eingerichtet, sodass die Zertifizierungsverfahren für Schutzmasken und ähnliche Utensilien nun auch in Österreich durchgeführt werden können. Die neun Zertifizierungsstellen, die es bis dahin europaweit gegeben hat, seien - speziell aus der Sicht kleinerer Länder - „eindeutig zu wenig“, stellte Schramböck fest.

Aus welchen Staaten die unseriösen Schutzmasken-Anbieter stammten, mit denen der Bund bei der Beschaffung konfrontiert war, konnte bzw. wollte die Wirtschaftsministerin nicht beantworten. Sie verwies auf „verschiedenste Länder in und außerhalb der EU“. Die aktuell hierzulande eingesetzten Schutzmasken stammen laut Schramböck hauptsächlich aus China, Indien und den USA. Den Bedarf an FFP2- und FFP3-Schutzmasken bezifferte sie auf zwölf Millionen in den kommenden vier Wochen. Neben dem Vorarlberger Konsortium - dessen Ware ist zunächst dem Roten Kreuz zugedacht und soll nach Ankurbelung der Produktion an Krankenhäuser verteilt werden - laufen laut Schramböck bei mehreren weiteren Unternehmen Bestrebungen, in Kürze Schutzmasken in Serie fertigen zu können.

Heimische Firmen arbeiten an Wiederverwertbarkeit
Darüber hinaus gibt es bereits heimische Firmen, die an der Wiederverwertbarkeit gebrauchter Masken arbeiten. Schramböck verwies konkret auf ein steirisches Unternehmen, das gerade ein Recycling-Modell auf die Beine stelle. Auf Beatmungsgeräte aus heimischer Herstellung darf laut Schramböck ebenfalls gehofft werden. Generell sprach die Ministerin, was Geräte und Materialien betrifft, die in der Corona-Krise dringend benötigt werden, von einem „Weckruf, dass wir mehr in Europa produzieren“. Man müsse „im Beschaffungswesen etwas verändern“.

Zentrallager von OP-Handschuhen wieder in Österreich
Insofern sei sie „stolz auf die österreichischen Unternehmen, dass sie das leisten können“. So habe Semperit in großem Umfang Handschuhe für medizinische Untersuchungen aus Malaysia nach Österreich gebracht, wo 90 Prozent für den Weltmarkt gefertigt würden. Lenzing arbeite wiederum mit Hochdruck an der Produktion von Schutzanzügen. Ein heimisches Konsortium stelle „in guter Verfügbarkeit“ Desinfektionsmittel zur Verfügung, skizzierte Schramböck. Zudem habe man Lehren aus der jüngsten Vergangenheit gezogen. Was OP-Handschuhe betrifft, „wurde das Zentrallager von Deutschland nach Österreich zurückgeholt“. Als infolge der Corona-Pandemie die Nachfrage nach diesen Spezialhandschuhen stieg, hatte es Einfuhrschwierigkeiten aus dem Nachbarland gegeben.

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