Große Sorge um Afrika

Riedl: „... dann werden sie sterben wie Fliegen“

Alfred Riedl hat während seiner abenteuerlichen Fußball-Spieler- und vor allem -Trainerkarriere viel erlebt. Die Coronavirus-Pandemie, die die Welt in Atem hält, stimmt auch den 70-Jährigen sehr nachdenklich, kommt für ihn aber nicht von ungefähr. „Die ganzen Viren- oder anderen gefährlichen Geschichten, die es da gibt, dürfen einen nicht wundern“, betonte Riedl, der sich große Sorgen um Afrika macht.

Während sich die Situation in China etwas gebessert hat, hat sich das COVID-19-Epizentrum nach Europa verlagert. Neben Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich oder Deutschland gibt es auch in Österreich täglich Todesfälle. „Es hat so etwas in unserer Generation noch nicht gegeben. Es kann diesmal ganz heftig sein, speziell in Afrika. Die sind ja überhaupt nicht darauf vorbereitet. Wenn da etwas passiert, dann werden sie sterben wie die Fliegen. Das fürchte ich“, erläuterte Riedl. Er erinnerte in dem Zusammenhang an die spanische Grippe, die bis 1920 deutlich mehr Todesopfer gefordert hatte als der 1. Weltkrieg.

„Darf einen nicht wundern“
Riedl blickt auf seine Erlebnisse etwa in Vietnam, Indonesien oder Laos zurück. „Wenn man sieht, was sich dort auf den Märkten abspielt, was die Leute dort mit den Tieren aufführen und wie die zusammengewürfelt sind, dann darf es einen nicht wundern, dass da vielleicht einmal etwas von einem Tier auf den Menschen übertragen wird“, sagte Riedl. Die Hygienemaßnahmen seien dort bei weitem nicht auf unserem Niveau. Als Ursprungsort der Erkrankung gilt ein Markt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, wo neben Fleisch aus herkömmlicher Landwirtschaft, lebenden Tieren und Fischen auch Wildtiere verkauft wurden.

Abgehärtet wurde Riedl während seiner Trainerjahre im Ausland, abseits des Platzes erlebte er viel mit. „Vor 20 Jahren in Vietnam habe ich viele von den Agent-Orange-Opfern miterlebt, zum Teil habe ich darüber in den Zeitungen gelesen, manchmal die verkrüppelten Menschen auf den Straßen gesehen. Das war ja viel schlimmer, aber ich will mich da jetzt nicht hochziehen an dem Leid der Anderen“, schilderte Riedl.

Verlässt Haus nicht: „Risiko viel zu groß“
Das Virus hat auch das Leben des Ex-Weltenbummlers auf den Kopf gestellt. Sein Haus in Pottendorf verlässt er dieser Tage nicht, zählt er doch nicht nur aufgrund des Alters, sondern auch wegen zahlreicher Vorerkrankungen zur Risikogruppe. „Selber gehe ich nicht raus, das ist es ein viel zu großes Risiko für mich“, sagte der Niederösterreicher. Seine „um etliches jüngere“ Gattin erledigt die Einkäufe, manchmal bringt auch sein Sohn Sachen vorbei.

Nur zu Hause zu sein, ist eine Umstellung. „Weil wir freiheitsliebende Menschen sind und Bewegung brauchen, trifft es uns hart. Es ist eine Situation wie im Gefängnis, nur halt ein bisschen angenehmer unter Anführungszeichen“, meinte Riedl. Der Tag beginnt für den „Frühaufsteher“ zeitig, er liest viel, vertreibt sich auch via WhatsApp die Zeit und hält sich mittels TV über die aktuelle Situation am Laufenden. Die am Montag verschärften Maßnahmen der Regierung findet er positiv. „Es ist gut, was sie in den Supermärkten machen. Es geht ja nicht nur um dich, du sollst ja andere nicht gefährden, und wenn jeder eine Maske hat, wird das Virus eingedämmt werden“, hofft der Ex-ÖFB-Teamchef.

Er appellierte allgemein an die Vernunft der Bürger. „Wenn wir nicht alle zusammenhalten, wird es schwierig aus der Geschichte wieder rauszukommen“, betonte Riedl. Leute, die Regierungsvorgaben ignorieren, seien für ihn „einfach unverständlich“. Disziplin war in seinem Leben immer ein wichtiger Faktor. „Deshalb fällt es mir jetzt auch nicht schwer, diszipliniert zu sein“, so Riedl.

Als Spieler war er abseits der Heimat auch in Belgien und Frankreich tätig, als Coach kamen zehn weitere Länder dazu. Seine Lorbeeren musste sich Riedl dabei unter teils sehr schwierigen Bedingungen erkämpfen, besonders gelang ihm dies in Vietnam, wo er auch als „Messias von Vietnam“ bezeichnet wurde. Seine Karriere nahm Ende 2016 als Teamchef von Indonesien ein Ende. „Die Leute dort sind ganz verrückt, wenn du Erfolg hast. Wenn ich heute in Vietnam gehen würde, würden mich die Leute nach wie vor erkennen. Die schreien dir nach, auch in Indonesien ist das so, da kann man nicht normal auf die Straße gehen“, berichtete Riedl.

Kein Trainer-Comeback
Der Kontakt zu beiden Ländern ist nicht abgerissen. In Vietnam steht er vor allem mit jener Person in Kontakt, die ihm im März 2007 eine Niere gespendet hat. 13 Jahre später ist Riedls Gesundheitszustand „nicht so gut“. Auch deshalb ist ein Trainer-Comeback kein Thema. „Ich bin nicht der Ehrgeizler, der sagt, er will mit 75 noch auf der Bank sitzen. Das würde mir auch gar keinen Spaß machen. Da gehe ich lieber Golf spielen, wenn es mir wieder gut geht, und genieße das Leben, solange es geht“, gab Riedl Einblick. Die Arbeit als TV-Experte während des Asien Cups blieb ein einmaliges Erlebnis. „Das war nicht meins“, so Riedl.

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Montag, 25. Mai 2020
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