Portrait

Der Vater der Skater und Scooter

Vorarlberg
29.03.2020 15:00

Sein Geschäft ist ein absoluter In-Treff für die sportive Jugend: Bei Carmelo Ozzimo, der sich in fünf Sprachen unterhalten kann, treffen sich normalerweise „Jumper“ und „Glider“ zum Plausch.

Obschon gebürtiger Italiener und seit 20 Jahren in Bregenz, begrüßt der quirlige Mann seine Gäste in breitestem Schwyzerdütsch. Der Grund: „Mein Vater arbeitete in der Schweiz und kam nur in den Wintermonaten nach Hause. Deshalb kamen ich und meine Geschwister allesamt im Oktober und November zur Welt,“ scherzt der aus Kalabrien stammende 46-Jährige. Obwohl seine Mutter als Schneiderin erfolgreich war („Sie gab Kurse für Menschen, die später im Team von Gianni Versace arbeiteten“), folgte die Familie dem Vater nach Zürich, als Carmelo neun Jahre alt war.

„Man schickte mich in einen Deutschkurs, aber selbst danach habe ich die anderen Kinder kaum verstanden - und sie mich nicht“, erinnert sich das Sprachentalent - er spricht neben Italienisch und Deutsch fließend Englisch, Spanisch und Französisch - an seine Kindheit. Später schien man ihn doch verstanden zu haben, denn als „Eidgenössischer Zoll-Deklarant“ wurde er zum Logistik-Spezialisten, vor allem in der ihm vertrauten Textil-Branche. Bei der Sportbekleidungsfirma „Spyder“ tauchte er erstmals in die Sport- und Jugendszene ein - und blieb dabei.Wohnzimmer der KidsWas erst ein Outlet war, wurde bald zum „Multibrand-Store“ und schließlich zu seinem aktuellen Geschäft „Pipeline“, mit dem er seiner Wahlheimat Bregenz Tribut zollt: „Der Name stammt von der Bregenzer Pipeline und nicht von einer Halfpipe - zu meinem Sortiment passt er aber sehr gut“, freut sich der Vater eines 15-jährigen Sohnes über die gelungene Namensgebung.

(Bild: www.lisamathis.at)
(Bild: www.lisamathis.at)

In der Tat: vor allem die Altersklasse seines Sprösslings geht bei Carmelo ein und aus, um sich über Skateboards, Long-Boards, Scooter und Sportswear zu informieren. „Für viele Jugendliche ist mein Geschäft wie ein Wohnzimmer; auch wenn sie nichts kaufen, treffen sie sich bei mir, um zu plaudern - miteinander, aber auch mit dem Senior“. So ist Carmelo stolz, gut 80 Prozent seiner jungen Kunden näher zu kennen. Illusionen macht er sich allerdings keine: „Die Kids sind zehn bis sechzehn Jahre alt, und alle paar Jahre kommt eine neue Generation zu mir. Nur ich werde immer älter, und irgendwann ist der Unterschied wohl zu groß“. Aber auch für diesen Fall hat Carmelo bereits eine Idee. „Auch wenn ich Bregenz liebe und hier viele Freunde gefunden habe, bin ich im Innersten meines Herzens doch immer Süditaliener geblieben. Und damit auch die Vorarlberger davon profitieren, möchte ich in absehbarer Zeit einen italienischen Tante-Emma-Laden, wie es hier noch keinen gibt, eröffnen“, erörtert er seine Zukunftspläne. Vorstellen kann ich mir „Papa Carmelo“ zwischen Pasta und Antipasti jedenfalls hervorragend...

Raimund Jäger

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