15.07.2010 11:09 |

Gelungener Abend

Hitzige Premiere der "Zauberflöte" in St. Margarethen

Wolkenlos ist der Himmel bei der hitzigen Premiere von Mozarts "Zauberflöte" im Römersteinbruch in St. Margarethen gewesen - noch heißere Temperaturen, bei der Anfahrt zeigte das Thermometer 35 Grad Celsius an, herrschten auf der Bühne. Zahlreiche Explosionen, feuerspeiende Drachen, ein Vulkanausbruch und die weiten Wege auf der opulenten Bühne ließen die Sänger in ihren schweren Kostümen ordentlich ins Schwitzen kommen. Anzeichen von Erschöpfung zeigten diese allerdings kaum.

Besonders Paul Armin Edelmann legte als Papageno weite Strecken zurück, überzeugte allerdings trotz der Strapazen am meisten: Mit charmantem Wiener Dialekt spielte er sich in übertriebener, aber notwendiger Macho-Art als Teilzeit-Angsthase in den Vordergrund der Inszenierung.

Märchenhafte Inszenierung von Manfred Waba
Schon beim Betreten des Steinbruchs hörte man vielerorts "Aaahs" und "Ooohs" zum heurigen Bühnenbild, das sich erneut wunderbar in die Gegebenheiten der Naturkulisse fügte und einen den Eindruck gewinnen ließ, dass es hier immer so aussehe. Einzig das Schloss der drei Knaben hoch oben auf einem Felsen wurde mit kitschigen Wölkchen verziert, die so gar nicht zum Rest passen wollten und eher an ein Dorftheater-Bühnenbild erinnerten. Doch mit gewohnten Lichtspielen fügte sich auch das in eine märchenhafte Inszenierung, die die Handschrift von Bühnenbildner Manfred Waba trug.

Seinen wiedererkennbaren Stempel hat Waba heuer auch den Kostümen aufgedrückt - diese erinnern an einen Mix aus griechischem Epos und Star Wars. Papageno und Monostatos hat der Regisseur punkige Stehfrisuren auf das Haupt zaubern lassen. Die drei Knaben erscheinen zuerst als die drei - hübschen - Damen, die laut Papageno aber auch "oide hässliche Schabracken" sein könnten. Ein "Partyschiff" wird vom Schloss der Knaben etwa 40 Meter tief abgeseilt, an Bord drei kleine "Wolferl", offensichtlich eine kostümtechnische Hommage an den Komponisten des Stücks.

Martina Masarykova springt für Ekatarina Bakanova ein
Der Auftritt von Vorjahresentdeckung Ekatarina Bakanova - 2009 spielte sie die Gilda in Verdis "Rigoletto" - als Königin der Nacht blieb krankheitsbedingt aus. Statt ihr versuchte sich die Sopranistin Martina Masarykova, mal mehr und mal weniger gut, in den tonalen Höhen. Das Erscheinen der Rachsüchtigen in über 20 Metern Höhe absolvierte ein Stunt-Double - das fiel zunächst nicht auf und führte zu Staunen in den Publikumsreihen. Erst als die Königin in der einen Sekunde in schwindelerregender Höhe sang, in der nächsten aber hinter Papageno auf der Bühne stand, flog der "Schwindel" auf.

Nichtsdestotrotz war der Auftritt der Königin der Nacht ein absoluter Augenschmaus. Der Löwenkopf, auf dem sie sang, erstrahlte durch viele kleine Lichter und zauberte einen Sternenhimmel in den Steinbruch. Besonders putzig die Inszenierung von Papagenos und Papagenas Treffen: Als die beiden sich nun endlich fanden, tauchten links und rechts zwei überdimensionale Eier auf, aus denen schon bald die kleinen Papagenas und Papagenos schlüpften.

Koen Schoots gedenkt seines verstorbenen Vorgängers
Musikalisch gab es am Premierenabend keine Besonderheiten. Koen Schoots, Musikalischer Leiter der Opernfestspiele, rührte mit seinen Worten zu seinem Vorgänger Ernst Märzendorfer - er verstarb im vergangenen Jahr - bei der Begrüßung des Publikums mehr, als mit der Darbietung des Orchesters: "Ich hoffe, dass wir im Sinne vom Professor musizieren werden", so der Musikalische Direktor der Vereinigten Bühnen Wien zu Beginn der Vorstellung.

Ebenfalls zu Beginn wurde bereits fleißig gegen die Gelsen gesprüht und geschmiert. Die Viecher waren diesmal aber - weil auch kaum vorhanden - gar nicht störend. Störend hingegen war für viele die Dauer des Opernabends: Statt der angekündigten dreieinhalb Stunden - inklusive 40-minütiger Pause - dauerte das Spektakel ganze 60 Minuten länger. Eine kürzere Pause, eine pünktliche Ansprache und weniger Zeitschinderei beim Bühnenumbau hätte das Publikum vielleicht davon abgehalten, noch lange vor dem Happy End den Steinbruch fluchtartig zu lassen.

Wunderschönes Feuerwerk zum Abschluss
Zum Schluss gab es Blumen, tosenden Applaus und vereinzelte Bravo-Rufe für die Künstlergarde und die eingespielte Mannschaft von Intendant Wolfgang Werner. Den krönenden Abschluss brachte dann ein wunderschönes Feuerwerk, das sich die Geflüchteten nur noch im Rückspiegel anschauen konnten.

von Kathrin Spaltl/APA

 
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