26.01.2020 11:15 |

Ältester Sakralbau

Steirisches Stift wurde vor 1000 Jahren gegründet

Im Jahr 1020 stellt Kaiser Heinrich II. die Gründungsurkunde mit goldenem Siegel für das Stift Göss in Leoben aus. Im Kloster lebten bis zur Aufhebung im Jahr 1782 stets 60 hochadelige Benediktinerinnen. „Krone History“ begab sich auf eine Reise in die Vergangenheit.

Fulda, 1. Mai 1020: Kaiser Heinrich II. drückt seinen Siegelstempel auf ein glänzendes goldenes Plättchen und lässt die so geprägte Goldbulle mit einer roten Schnur an ein Pergament hängen. Die Kostbarkeit des Siegels lässt bereits die hohe Bedeutung dieser Rechtshandlung erahnen: Mit dieser wertvollen Urkunde bestätigt der Herrscher über das Heilige Römische Reich die auf Aribo III. zurückgehende Gründung eines Nonnenklosters in Göss.

Heuer blickt man in der obersteirischen Montanstadt mit großem Stolz auf den Entstehungsakt des ältesten Klosters der Steiermark zurück - und feiert 1000 Jahre Stift Göss. Die geistlichen Frauen, die in Göss wirkten, stammten durchwegs aus adeligen Häusern des Landes und waren hochgebildet. Ihnen zur Seite standen Laienschwestern, die den Nonnen als Dienerinnen zur Hand gingen.

Äbtissinnen trugen Titel einer Reichsfürstin
Durchschnittlich waren 60 Benediktinerinnen im Kloster tätig, die auch Großartiges im Bereich des Kunsthandwerks schufen - wie etwa der „Gösser Ornat“, ein wundervolles, aus Seide gesticktes kirchliches Gewand aus dem 13. Jahrhundert. „Stets arbeiteten rund 1500 Untertanen für das Stift, 500 direkt im Kloster“, erklärt Kirchenführerin Lotte Reiter, die uns Einblick hinter die dicken Klostermauern gibt.

Die erste Äbtissin war Kunigunde, die von 1020 bis 1027 dem Glaubens- und Bildungszentrum in Göss vorstand. Sie trug den Titel einer Reichsfürstin und hatte Sitz und Stimme im steirischen Landtag. Als letzte Klostervorsteherin fungierte Maria Gabriela von Schaffmann, die 1782 in die Hauschronik schreiben ließ: „1782 sünd wir aufgehoben worden“. Mit dieser letzten, kurzen Buchnotiz endet die lange, rund 800-jährige Geschichte des Klosters, das Reformkaiser Joseph II. gemeinsam mit vielen anderen in der Steiermark schloss.

1786 wird das ehemalige Kloster zum Bischofssitz
1786 errichtete Joseph II. die Diözese Leoben. Zum Bischof stieg Alexander Franz Engel zu Wagrain auf, das Nonnenstift Göss wurde zum Bischofssitz. Nach seinem Tod im Jahr 1800 allerdings verzichtete man auf einen Nachfolger: Die Diözese wurde von der Diözese Graz-Seckau mitbetreut und 1859 mit ihr vereinigt.

Wie begeht man heuer das runde Gründungsjubiläum von Göss? „Am 1. Mai wird der Salzburger Erzbischof Franz Lackner ein Pontifikalhochamt mit anschließendem Fest zelebrieren“, berichtet Markus Plöbst, Stadtpfarrer von Leoben. Zum Abschluss unseres Rundganges führt er uns in die Krypta, wo die Nonnen bestattet wurden: „Wir befinden uns nun im ältesten Sakralbau der Steiermark, der vor 1000 Jahren gebaut wurde.“ Wir spüren den Hauch der Geschichte...

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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