19.01.2020 06:01 |

20 Gäste bei Begräbnis

Steirerin täuscht ganze Familie mit „Phantombaby“

Unglaublich klingt diese Geschichte, die sich in der Obersteiermark abgespielt hat: In einem beschaulichen Ort täuschte eine junge Frau ihre Schwangerschaft vor, Monate später sogar die Entbindung des Babys, das laut ihren Angaben kurz darauf gestorben sei. Das Lügenkonstrukt gipfelte in einer perfekt inszenierten, tränenreichen Urnenbeisetzung. Erst ein Jahr später flog der Schwindel auf.

Große Freude herrschte im April 2018 bei einer obersteirischen Familie, als eine junge Frau ihre Schwangerschaft bekannt gab. Was nur sie alleine wusste: dass sie nie guter Hoffnung war! Auch ihren damaligen Freund führte sie perfekt hinters Licht. Selbst ihr Bäuchlein wuchs über die Monate - durch Völlerei!

Urkunden gekonnt gefälscht
Ende Oktober war „Geburtstermin“, natürlich ohne Angehörige oder ihren Freund. Ein existierendes Kind vorzutäuschen gelang aber selbst ihr nicht mehr. Deswegen erzählte sie, das Kind sei 45 Minuten nach der Geburt in einem Spital verstorben. Dafür fälschte die Frau gekonnt Geburts- und Sterbedokumente, lud sich dementsprechende Urkunden aus dem Internet herunter und verwendete ihre eigenen Dokumente dafür.

Um den Tod des „Phantombabys“ noch besser zu inszenieren, vereinbarte sie mit ihrem tief traurigen Partner einen Termin beim Pfarrer im Ort und bat um eine Urnenbeisetzung. Voller Mitleid willigte der Geistliche ein, verlangte keine Urkunden und vertraute darauf, dass eine Bestattung im Hintergrund alles abwickeln würde.

20 Trauergäste bei Beerdigung
Einige Tage später fand die tränenreiche Trauerfeier am ortsansässigen Friedhof statt, 20 Menschen nahmen teil. Rührende Reden wurden gehalten, ein schöner Grabstein für das verstorbene Kind eingerichtet, liebevoll gestaltete Partezettel an die Trauergäste verteilt.

Mail an Diözese brachte Fall ins Rollen
Erst ein Jahr später - die Familie dürfte zu diesem Zeitpunkt bereits Bescheid gewusst haben - flog das Lügengerüst auf, und das auf kuriose Weise. Der vermeintliche Kindesvater (23) erhielt ein Mail der Diözese Graz-Seckau, in dem ihm ein Kirchenbeitrag in der Höhe von mehreren Hundert Euro vorgeschrieben wurde. Die Antwort verfasste - ohne sein Wissen - sein Vater: Darin beschwerte sich dieser über die Höhe des Beitrags und unterstellte dem Pfarrer, er habe von dem Schwindel gewusst.

Dokumente trugen Schilling-Marken
Der Priester fiel aus allen Wolken. Er forderte die Urkunden an - und erkannte die Fälschung: Die Dokumente waren mit einer Schilling-Marke unterfertigt! Außerdem hatte die „Mutter“ die Urkunden für zwei Krankenhäuser ausgefertigt. Der zutiefst betroffene Gottesmann erstattete daraufhin Anzeige und brachte den Fall ins Rollen.

Aber auch der Kindesvater war erstaunt, als gegen ihn Anklage wegen versuchter Erpressung erhoben wurde. Denn die Kirchenbeitragsstelle fühlte sich durch die Worte „Für die Öffentlichkeit ist das aber sicher ein Stoff, wobei man glaubt, es kommt nur in Filmen vor“ unter Druck gesetzt.

Frau verurteilt
Wie das Gericht in Leoben bestätigt, wurde die Frau mittlerweile wegen der Fälschung besonders geschützter Urkunden zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt; eine psychische Beeinträchtigung konnte vom Gutachter nicht festgestellt werden. Ihr Motiv bleibt weiter im Dunkeln. Ihr Ex-Freund wurde mittlerweile dank seines Anwalts Marc Simbürger vom Verdacht der versuchten Erpressung freigesprochen - und das leere Grab klarerweise aufgelöst.

Monika Krisper
Monika Krisper
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