09.12.2019 07:00 |

„Krone“-Interview

Mayhem: Zwischen Satan, Kreativität und Chaos

Sind sie die wildeste, furchteinflößendste Band der Welt, oder steckt hinter dem düsteren, satanischen Mummenschanz doch weniger dahinter, als man glaubt. Fakt ist, die norwegischen Black-Metal-Pioniere Mayhem haben die Welt der Musik vor mehr als 30 Jahren für alle Zeiten verändert und befinden sich gerade in einem „dritten kreativen Frühling“. Gitarrist und Songwriter Teloch ließ uns etwas hinter die Kulissen blicken und erzählt im Gespräch von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kult-Band.

Einst war die Geschichte der Black-Metal-Band Mayhem nur Szene-Aficionados bekannt, doch spätestens seit dem weltweiten Überraschungserfolgs des Spielfilms „Lords Of Chaos“ haben auch Menschen außerhalb des Genres Berührungspunkte zu den Norwegern gewonnen. Was anfangs in Oslo als provokante musikalische Spielwiese unter Freunden begann, entwickelte sich mit Skandalen bis hin zum Mord zu einer der schillerndsten Geschichten der Musik-Historie. Wer alle Details dazu erfahren möchte, hat zwei Möglichkeiten: googeln, wenn es die ganze Geschichte in allen Facetten sein soll. Einfach den Spielfilm anschauen, wenn man sich einen groben Überblick verschaffen möchte.

25 Jahre nach dem prägenden Album „De Mysteriis Dom Sathanas“ hat das Quintett rund um Gründungsmitglied und Bassist Necrobutcher unlängst mit „Daemon“ ein fulminantes Album veröffentlicht und in der Wiener Simm City ein famoses Konzert nachgelegt. Songwriter ist aber keiner der umstrittenen Legenden, sondern der erst 2011 ins Bandcamp gestoßene Gitarrst Teloch. Er hält das Schiff abseits aller bewussten und unbewussten PR-Strategien künstlerisch auf Kurs und erzählt im „Krone“-Interview auch bereitwillig, wie es bandintern zugeht und warum man sich ohnehin nicht darum schert, was die Öffentlichkeit von einem denkt.

„Krone“:Teloch, seit du 2011 bei Mayhem eingestiegen bist, bist du nicht nur der Hauptsongwriter der Band, sondern auch für all die Social-Media-Kanäle zuständig. So mancher wundert sich vielleicht, dass eine derart „böse“ Band auf Instagram und Co. so aktiv ist…
Teloch: Ja, dagegen kann ich nichts machen. In erster Linie ist es viel Arbeit und ich bin eigentlich nicht Musiker geworden, um so viel um die Ohren zu haben. (lacht) Wenn man diese Kanäle betreut, dann hat man immer was zu tun. Wichtig ist aber, musikalisch fokussiert zu bleiben.

Gibt es bei Mayhem heute eigentlich eine klare Rollenaufteilung? Wer wofür zuständig ist?
Nicht so wirklich. Die meiste Arbeit bleibt an mir hängen und die anderen Jungs sind seit ihrer Kindheit Rockstars und nutzen das auch gut aus. Mittlerweile haben wir aber einen Manager, der sich um viel kümmert und der mir rundum sehr viel Arbeit abnimmt.

Hast du die Jungs in der Band eigentlich schon gut gekannt, als du vor acht Jahren eingestiegen bist?
Ich kannte sie aus dem Jahr 2005, denn da hat meine Hauptband Nidingr für eine Mayhem-Show den Support gemacht. Seit damals war ich immer in Kontakt mit ihnen und als sie mich 2009 das erste Mal fragten, einzusteigen, war ich noch bei Gorgoroth im Dienst. Ich musste also absagen, aber zwei Jahre später hat es dann gepasst, weil Gorgoroth komplett auseinandergebrochen sind und die Arbeit dort nur mehr anstrengend war.

Wie hat sich die Beziehung zwischen dir und den etablierten Musikern in der Band über all die Jahre entwickelt?
Ich kenne ihre Grenzen mittlerweile sehr gut und weiß, was in dieser Band funktioniert und was nicht. Wir sind aber nicht wirklich miteinander befreundet und es geht hier nur um das Business.

Gründungsmitglied und Bassist Necrobutcher hat öfters betont, dass er mit seinen Bandkollegen nichts gemein hat. Ist das auf absurde Art und Weise ein Baustein eures Erfolgs?
Eigentlich hassen wir uns sogar. Diese Beziehung zwischen uns macht die Musik aber auch so speziell. Es gibt keinen Bullshit zwischen uns, der verschwiegen wird, um gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Es herrschen immer ausreichend Hass und Abneigung und damit hält keiner hinterm Haus. Das hat etwas Magisches an sich.

Schon bei Gorgoroth herrschte keine angenehme Atmosphäre. Gibt es bei Mayhem hier eine andere Art von Hass?
Durchaus. Bei Gorgoroth war alles etwas böser und ernsthafter. Die Leute werden entspannter, wenn sie älter werden. Das ist auch hier so, aber die gegenseitige Abneigung ist eine etwas andere. Ich kann das aber nicht so ganz festmachen.

Beide Bands bestehen aus sehr starken Charakteren, die wohl wenig Kompromissbereitschaft zeigen. Bei Gorgoroth gibt es Infernus, bei Mayhem eben Necrobutcher und Sänger Attila Csihar. Muss man lernen, mit solchen Typen umzugehen?
Durchaus. Wenn du die Sache gut machen willst, musst du die Leute auch unterschiedlich behandeln und annehmen. Manchmal agiert der eine oder andere wie ein fünfjähriges Kind, aber das ist ein Teil des Geschäfts und man lernt damit umzugehen. (lacht)

Hat es diese internen Spannungen auch beim Songwriting-Prozess zum tollen neuen Album „Daemon“ gegeben?
Es war ein langer Prozess, denn wie du vielleicht ahnen kannst, stimmen wir nur äußerst selten überein. Auch musikalisch ist es kaum möglich, etwas wirklich gemeinschaftlich zu machen. Es ist bei jedem neuen Projekt ein unheimlicher Krampf, aber am Ende auch eine schöne Belohnung, wenn du das Ergebnis siehst und hörst.

Entstand „Daemon“ eigentlich etwas demokratischer als der Vorgänger „Esoteric Warfare“, der im Prinzip fast ausschließlich auf deinen Ideen fußte?
Das letzte Album habe ich wirklich alleine geschrieben, aber dieses Mal haben wir übereingestimmt, dass jeder einen Teil zum Projekt beitragen sollte. Es war das erste Mal seit 24 Jahren oder sogar mehr, wo tatsächlich mit dem Input von allen gearbeitet wurde. Es gab eine Zusammenarbeit und deshalb klingt es auch so dynamisch und divers.

Es gibt auch kaum jemanden, der das Werk nicht gut findet, was wohl auch an der stilistischen Mischung liegt. Vor allem das Kultalbum „De Mysteriis Dom Sathanas“ sticht deutlich heraus, aber ihr habt auch andere Phasen eurer Vergangenheit rekapituliert und mit neuen Ideen vermischt.
Es liegt in unseren Venen, dass wir uns immer wieder selbst erfinden wollen. Wir denken nicht bewusst darüber nach. Ich bin ja erst seit zwei Alben dabei und kann nicht für die Vergangenheit sprechen, aber jedes Mal, wenn wir neu starten, wird das Ergebnis ganz anders als das Grundkonzept am Anfang vermuten lassen würde. Irgendwann explodiert immer alles. (lacht)

Wie ging es bei „Daemon“ los? Wo habt ihr angefangen?
Ich habe an ein paar Riffs gebastelt und dann versucht etwas zu finden, was jeder mag oder zumindest akzeptiert. Die generelle Idee war, die Dinge sehr simpel zu halten. Anfangs war es dann zu simpel, was uns als Musiker wieder langweilte. Also haben wir die Schrauben ein bisschen angezogen und das Ganze würziger gestaltet. Im Proberaum haben wir dann die Richtung gefunden, aus der schlussendlich „Daemon“ hervorging.

War es eigentlich irgendwo ein bewusster Schritt, die Karriere der Band in diesen Songs aufzurollen und vor allem zu den Kultsongs der 90er-Jahre zurückzublicken?
Die Antwort darauf ist einfacher als du glaubst. Wir hatten bereits die Europatour für den Herbst 2019 gebucht, aber zu dem Zeitpunkt noch keine neuen Songs. Wir mussten also Gas geben und haben deshalb versucht, alles möglichst simpel zu gestalten. Dass diese Simplizität dann so kompliziert werden würde, haben wir anfangs noch nicht geahnt. Vor allem wir Gitarristen sind es gewohnt, technischer und komplexer vorzugehen und taten uns irrsinnig schwer. Es war eine Herausforderung, etwas Einfaches spannend zu gestalten. Ich bin jetzt schon gespannt, wie wir beim nächsten Album ans Werk gehen werden, denn „Daemon“ ist eine gute Unterlage dafür.

Es klingt so, als würden du und Ghul als die neuen Mitglieder eigentlich die ganze Arbeit verrichten, und die drei altgedienten Musiker lieber den Rockstar markieren.
Diese Annahme ist durchaus korrekt. Wir alle sind aber okay damit und sie vertrauen uns. Außerdem können zu viele Köche den Brei verderben. (lacht) Es passt auf jeden Fall so, wie es derzeit ist.

Wie schwierig ist es eigentlich ein Album für eine Band zu schreiben, die in einem gewissen Genre eine derart allumfassende und prägende Geschichte aufweist? Hast du da keine Angst, an diesem Druck zu zerbrechen?
Es geht schon. Selbst bei „Esoteric Warfare“ habe ich mit den Ideen changiert und experimentiert. Es ist jetzt kein Problem für mich, mit dieser Vergangenheit umzugehen, aber ich denke natürlich viel darüber nach. Es gibt gewisse Parameter, die für Mayhem gelten und die muss man einhalten.

Die beliebtesten Songs sind die Klassiker, die bis ungefähr 1994 geschrieben wurden. Wie fühlt sich das für dich an, wenn Songs stärker bejubelt werden, die gar nicht von dir selbst stammen?
Ich mag das eigentlich, weil ich selbst ein Fan dieser Songs bin. Ich hoffe nur, dass ich sie würdig performe. Manchmal kann man einen Song Note für Note nachspielen, aber das Gefühl ist trotzdem ein anderes, als wenn der Erfinder diese Musik spielt. Es steckt einfach mehr dahinter, als die bloße Technik.

Mayhem ist nicht zuletzt dank des Films „Lords Of Chaos“ so populär wie nie zuvor. Dadurch haben Menschen die Band kennengelernt, die mit Black Metal nichts am Hut hatten. Es ist bekannt, dass ihr nicht glücklich mit dem Film seid, aber die PR dazu ist für euch wohl unbezahlbar?
Natürlich hat das viele Vorteile für uns, da will ich mich auch gar nicht beschweren. Da ich für die Social-Media-Belange zuständig bin, habe ich auch genau beobachten können, wie zur Veröffentlichung des Films wirklich alle Zahlen in die Höhe rutschten. (lacht) Das hat sich bis zum Release von „Daemon“ ganz gut gehalten, aber ob wir wirklich aktiv von diesem Film profitieren, das weiß ich nicht. Wenn es so ist, ist es cool. Wenn nicht, dann eben nicht.

Glaubst du, dass „Daemon“ als Album so einen Einfluss hat, dass die Leute vielleicht wieder ein bisschen vom Film abkommen und sich verstärkt auf euch und eure Kernkompetenz konzentrieren?
Wir versuchen immer aus der Vergangenheit auszubrechen. Die Leute kennen die Geschichte von Mayhem mittlerweile wirklich genau und es wird viel zu oft über die alten Zeiten geredet. Lasst uns auf das Jetzt konzentrieren und auf die Musik. Das ist viel interessanter für uns und auch andere. Wir haben Mayhem 2019 und nicht Mayhem 1993.

Aber als Fan, der erst später in die Band einstieg - hat dich die Historie der Band nicht auch interessiert? Warst du nicht selbst erpicht darauf, Geschichten aus erster Hand zu erfahren?
Als ich zu Mayhem kam, habe ich all die Geschichten schon ungefähr zehnmal pro Tag gehört. Ich habe den Film nie gesehen und auch das Buch „Lords Of Chaos“ nie gelesen. Natürlich sind die Geschichten für die Band Mayhem wichtig und prägend, aber ich bin der Diskussion über die alten Tage wirklich müde. Die Geschichte wurde zu Tode geredet und irgendwann sollte man es auch sein lassen.

Wie fühlt es sich an, wenn du die starken neuen Songs vor einem Publikum spielst, das oft ohnehin nur das ganz alte Zeug hören will?
Dazu muss man aber auch sagen, dass das neue Material so neu ist, dass die Leute noch nicht einmal die Zeit hatten, sich einen Lieblingssong herauszupicken. Es ist immer toll zu sehen, wie die Leute auf die neuen Songs reagieren, denn das ist fast immer positiv. Natürlich reagieren sie ganz anders, wenn wir „Freezing Moon“ anspielen, aber als Musiker bleibt dir immer die Hoffnung und das Ziel, dass irgendwann auch die aktuellen Songs so geschätzt werden.

Für den Song „Falsified And Hated“ habt ihr sogar das erste offizielle Video in der Bandgeschichte gedreht. War das deine Idee?
Nein, gar nicht. Wir haben mit Century Media Records ein neues Label und die hielten das für eine gute Idee. Ich fand es auch interessant und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Aufgrund der Historie der Band erwarten sich die Leute förmlich extreme Skandale von euch. Ist das auch eine gewisse Form von Druck? Dass man auch im gesetzteren Alter immer schockieren und provozieren muss?
Manchmal müssen wir sogar darauf schauen, uns nicht zu extrem aufzuführen, denn ansonsten würden wir wohl bald festgenommen werden. (lacht) Wir haben so viele verrückte Ideen, die wir lieber im Keim ersticken, weil das oft zu heftig wäre. Wir müssen uns dazu zwingen, halbwegs normal zu agieren.

Wer ist bei euch eigentlich der Verrückteste und wer ist derjenige, der den Laden halbwegs in der Spur hält?
Das ist schwer zu sagen. Wir sind alle verschiedene Persönlichkeiten, die unterschiedliche Dämonen in sich tragen. Es gibt keinen normalen Typen in der Band und da rede ich jetzt keinen Bullshit. Jeder ist auf seine eigene Art extrem und anders. Anders, als man sich das in der normalen Welt vorstellt.

Könnte man eine so extreme Musik überhaupt machen, wenn man der gesellschaftlichen Norm entspräche?
Wahrscheinlich nicht. Du musst im Kopf schräg drauf sein, wenn du solche Musik erschaffst und solche Liveshows spielst. Es gibt auch keine Unterschiede zwischen Privatleben und Band. Es gibt keine Pausen. Mayhem ist ein Lifestyle, den wir 24 Stunden am Tag leben.

Haben dich die letzten acht Jahre als Mitglied von Mayhem persönlich verändert?
Ich war davor eigentlich schlimmer drauf als jetzt. Bei Mayhem habe ich auf einmal so viele Verantwortungen umgebunden bekommen, dass mich das eher auf den richtigen Pfad gebracht hat, weil ich oft konzentriert sein muss. (lacht)

Spielt der Albumtitel „Daemon“ in gewisser Weise auch auf die von dir vorher gesagten inneren Dämonen von euch an? Ist das ein Teil des gesamten Konzepts?
In erster Linie haben wir darüber geredet, dass wir eben kein Konzeptalbum machen wollten, weil uns das schon langweilte. Aber als wir die Texte schrieben und das Artwork entstand, merkten wir, dass es überall um Dämonen ging. Im Endeffekt wurde dann doch ein loses Konzeptalbum daraus und im Nachhinein ist es wirklich interessant, wie sich eine völlig andere Grundidee entwickelte. Das ist die Magie der Kunst und der Kreativität.

Die gesamte Black-Metal-Szene ist sehr vital und viele junge Bands schicken sich an, den etablierten die Hölle heiß zu machen. Spürst du dieses Nachkommen und siehst du das sportlich als Wettbewerb?
Eigentlich gar nicht, aber ich höre auch kaum Black Metal und noch weniger neue Bands. Wir alle hängen bei unseren Hörgewohnheiten in diesem Genre in den 90ern fest und niemand hat wirklich eine Ahnung, was da draußen gerade vor sich geht. (lacht)

Immer direkt mit der Black-Metal-Szene konnotiert zu werden, gefällt vor allem Necrobutcher nicht so sehr. Andererseits seid ihr aber eine Black-Metal-Band. Im Klang und im Verhalten. Ist es überhaupt notwendig, aus dieser Nische auszubrechen?
Es würde mich interessieren, anderes zu experimentieren, aber Mayhem sind Mayhem und trotz aller Änderungen über die Jahre gibt es ein musikalisches Grundkorsett und wir achten darauf, dies beizubehalten. Wir würden wohl auch viele Fans vor den Kopf stoßen, würden wir uns radikal ändern. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt?

Wenn ich an Alben wie „Grand Declaration Of War“ oder „Ordo Ad Chao“ zurückdenke, hat sich Mayhem vor deiner Zeit aber schon öfters weit aus dem Fenster gelehnt. Wie weit kann man musikalisch mit dieser Band gehen? Wo endet die Experimentierfreudigkeit und Vielseitigkeit?
Es gibt bei uns nicht wirklich Grenzen. Zumindest kenne ich sie nicht. Die Schönheit von Mayhem ist, dass in dieser Band jeder sein kann wie er will. Deshalb klingen die Alben auch alle so unterschiedlich. Es gibt hier keine Regeln, sondern nur Freiheiten.

Gibt es eigentlich eine Nummer, die du überhaupt nicht spielen möchtest?
Eindeutig „Deathcrush“. Der Song langweilt mich zu Tode. (lacht) Das ganze Album ist so einfach gespielt, dass es überhaupt keinen Reiz mitbringt. Aber gut, ich muss es spielen und denke einstweilen einfach an etwas anderes. (lacht)

Würdest du sagen, dass Wirkung und Einfluss von Mayhem heute in der norwegischen, als auch internationalen Musikszene stärker sind als vor zehn oder 20 Jahren?
Es wirkt zumindest so. „Daemon“ wurde gut angenommen, wir hatten viel Medienpräsenz und dann gab es natürlich den Film. Ich hoffe selbst, dass Mayhem in Zukunft mehr von der musikalischen Seite her wahrgenommen wird und nicht von der des Chaos und der Kriminalität. Wir gehen jedenfalls in die richtige Richtung.

Ihr habt ganz allgemein aber immer noch Probleme, in bestimmten Städten oder Venus aufzutreten. Das liegt einerseits an der Historie und dem Ruf, andererseits aber auch an einigen unglücklichen und verwerflichen Aussagen diverser Mitglieder, die ins Rassistische glitten. Auch wenn die Band davon derzeit weit weg ist - ist diese Negativ-PR im Endeffekt sogar gut für euch, wenn es darum geht, euren Kult zu pflegen?
Das Schlechte ist, dass all diese Interviews und auch Gerüchte nichts mit uns zu tun haben. Die Vergangenheit Mayhems hat nichts mehr mit Mayhem von heute zu tun. Wir alle sind Anti-Rassisten und haben schwule Freunde. Es gibt auch im ganzen Team keinen Menschen, der homophob oder rassistisch ist. Auf der letzten Tour hatten wir Gaahl als Support dabei, der offen schwul ist. Wir selbst kennen die Wahrheit und die Leute sollen reden, was sie wollen. Das ist wiederum cool, weil uns all diese Kritik nur stärkt. Es handelt sich die meiste Zeit ohnehin nur um Bullshit.

Es macht euch aber schon immer noch Spaß zu provozieren. Oder zumindest zu sehen, dass ihr leicht provozieren könnt…
Nicht bewusst. Wenn wir jemanden schockieren, dann liegt das nur an uns, weil wir uns wieder mal dumm aufgeführt haben. (lacht) Es steckt da kein Kalkül dahinter, aber offenbar können wir einfach nicht anders.

Gerade du als Social-Media-Beauftragter der Band weißt, dass die Political Correctness im Internet oft schon gefährliche Züge annimmt. Verliert dadurch der Metal an sich etwas an seiner Gefährlichkeit und natürlichen Aggression?
Das ist schwer zu sagen. Es ist jedenfalls schwieriger aus etwas rauszukommen, wenn man mal einen Blödsinn sagt. Du kannst heute nichts mehr sagen, ohne dass sich irgendwer darüber aufregen wird. Andererseits gibt es immer noch die Konzerte und da ist kein Platz für diese Verurteilungen. Wir machen auf der Bühne was wir wollen und die Fans haben Spaß dabei.

Denkst du eigentlich schon an die nächsten kreativen Schritte bei Mayhem? Möglicherweise gar an ein nächstes Album?
Auf jeden Fall. Ich bin ein sprudelnder Brunnen voller Ideen und arbeite immer an Dingen. Egal, ob für Mayhem oder meine anderen Projekte. Es läuft auf jeden Fall immer etwas und mir wird niemals fad. Ich hoffe, dass die Mayhem-Fans nicht immer fünf Jahre auf ein neues Album warten müssen. Wir haben jetzt bei „Daemon“ gemerkt, dass wir unter Druck auch schnell arbeiten können. Ich werde mein Bestes geben, aber die Jungs in der Band sind leider ziemlich faul. (lacht)

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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