Casting in der Klassik

Shootingstar oder Maestro für Bruckner Orchester?

Oberösterreich
27.06.2025 17:00

Junger Shootingstar oder erfahrener Maestro? Das Bruckner Orchester Linz sucht einen neuen Chefdirigenten oder eine Chefdirigentin, die den Takt vorgeben. Gerüchte brodeln. Nun beginnt die nächste Etappe im dramatischen Casting in der Klassikwelt: Die Hearings beginnen. Heinz Haunold, enger Kenner des Orchesters, übt Kritik am Vorgehen.

Im Jahr 2027 wird Chefdirigent Markus Poschner das Bruckner Orchester verlassen. Die Suche nach einem neuen Chef oder einer neuen Chefin am Dirigierpult gleicht einem hochdramatischen Casting der Klassikwelt. Die Kreis möglicher Nachfolger hat sich bereits von 140 Bewerbern auf sieben Personen verdichtet, wir haben darüber berichtet.

Namen kursieren, Gerüchte brodeln, und die Erwartungen sind hoch. Denn das Bruckner Orchester ist nicht irgendein Klangkörper – es ist ein kulturelles Aushängeschild von Oberösterreich.

Es läuft auf eine Altersgruppe hinaus
Nach einem Jahrzehnt voller klanglicher Glanzleistungen, preisgekrönter Bruckner-Interpretationen und internationaler Anerkennung sollte dieser Weg aber unbedingt fortgesetzt werden – wenn es nach Heinz Haunold geht.

Der Linzer war 34 Jahre lang erster Konzertmeister im Spitzenorchester, seit der Pensionierung 2017 ist er enger Beobachter: „Aus der führenden Kollegenschaft hört man, dass es jetzt auf jüngere Dirigenten hinausläuft, die zweifellos viel Erfahrung und Exzellenz mitbringen“, sagt er zur „Krone“.

Also eher Shootingstar statt Maestro?
„Meiner Meinung nach drängt sich aber keiner der Kandidaten wirklich auf“, meint er offen. Namen will er keine nennen, das würde dem Auswahlprozess nur schaden. Aber: Er erwartet sich eine „Weiterentwicklung des Orchesters in die eingeschlagene Richtung“. Das könne keiner der Kandidaten garantieren, die sich bei Konzerten des Bruckner Orchesters in den letzten Monaten präsentiert hätten.

Wer wird das musikalische Zepter im Bruckner Orchester übernehmen? Das beschäftigt nicht nur ...
Wer wird das musikalische Zepter im Bruckner Orchester übernehmen? Das beschäftigt nicht nur Heinz Haunold (Bild), sondern alle Klassikfans in Oberösterreich.(Bild: Reinhard Winkler)
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Ich erwarte mir eine Weiterentwicklung des Orchesters – momentan drängt sich kein Name unter den Kandidaten wirklich auf.

Heinz Haunold

Harsche Kritik an der Findungskommission
Haunold selbst war Mitglied von drei Findungskommissionen, die sich einst für Martin Sieghart, Dennis Russell Davies und in der Folge Markus Poschner entschieden haben. Er kritisiert die Zusammenstellung der aktuellen Kommission:  „Jetzt ist weder ein Konzertmeister, noch ein führender Orchestermusiker in der Kommission!“

Wirkliche Kaliber für Linz gewinnen
Zudem gehe alles viel zu schnell: „Warum gibt man sich nicht ein, zwei Jahre Aufschub, um den richtigen Dirigenten zu finden? Man könnte die Zeit leicht mit Gastdirigaten überbrücken und das Fenster nutzen, um auf wirklich große Kaliber zuzugehen, die man bisher noch gar nicht erreicht hat.“ So hätte man schließlich auch Sieghart, Davies und Poschner gefunden.

Aus dem Büro des Landeshauptmanns heißt es auf „Krone“-Anfrage: „Derzeit laufen die Hearings, bis zum frühen Herbst soll dann feststehen, wer neuer Chefdirigent des Bruckner Orchesters werden wird.“

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