17.11.2019 10:00 |

Steirische Klimaretter

Leobner setzen auf neue Stadtpflanzen

Wie der steigenden Nachfrage nach regionalem Obst und Gemüse nachkommen? Ein Forscherteam der Montanuni Leoben geht ganz neue Wege und hört den Salat der Zukunft in Kläranlagen wachsen.

Kläranlage. Ein Wort, das bei den meisten nur eine einzige Assoziation hervorruft. Nicht so bei Kristina Stocker und Markus Ellersdorfer: „Abwässer beinhalten unglaubliche Ressourcen. Darin sind etwa alle Komponenten enthalten, die für eine Pflanzen-Kultivierung nötig sind: Nährstoffe, also Dünger, CO2, Wärme und Wasser“, schwärmen die beiden Wissenschafter der Montanuniversität Leoben.

Mit ihrem Enthusiasmus haben es die Geowissenschafterin und der Verfahrenstechniker geschafft, aus unzähligen Bewerbern auserwählt zu werden und nun Teil des internationalen Forschungsprojektes „Suskult“ zu sein. In dessen Zentrum steht die Frage, wie Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft bei endlichen Phosphat-Ressourcen, hohem Energieaufwand bei der Düngemittelproduktion und der Verschmutzung von Gewässern und Böden durch Stickstoff künftig noch möglich sein werden. „Die Diskrepanz, dass es immer mehr Menschen in die Städte zieht und parallel die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln steigt, verstärkt die Dringlichkeit“, meint der 38-Jährige.

40 Tonnen Gemüse pro Jahr aus Kläranlage
Seine gleichaltrige Kollegin skizziert die Idee der Leobner: „Mit einem neuen Verfahren wurde mit Hilfe von speziellen Mineralien namens Zeolithen überschüssiger Stickstoff aus Abwässern zurückgewonnen. Nun prüfen wir, ob unser Stickstoff-Produkt auch als Dünger eingesetzt werden kann und ob Kalium und Phosphor, ebenso wichtige Pflanzennährstoffe, auf dieselbe Art und Weise gewonnen werden können.“

Eine Pilotanlage soll bis 2024 unter der Leitung des deutschen Fraunhofer Instituts als Projektinitiator entstehen. Ziel ist es, damit 40 Tonnen Gemüse pro Jahr zu produzieren. Der Standort der Kläranlagen bringt übrigens auch einen Vorteil: „Zunächst etwas außerhalb errichtet, sind sie mittlerweile, bedingt durch das Wachstum der Städte, häufig zentrumsnah verortet“, so Ellersdorfer.

Auch der Handel ist mit im Projektboot
Dass alle Partner (Rewe und Metro sind vom Handel dabei) ans Ziel kommen, daran zweifeln die Steirer keine Sekunde. Die größte Hürde sieht Ellersdorfer ganz woanders: „Das Schwierigste wird sein, bei den Kunden eine Akzeptanz dafür zu schaffen, dass Lebensmittel im Umfeld von Kläranlagen gedeihen.“

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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