13.11.2019 11:20 |

100 Jahre Festspiele

1946 bis heute: Von Karajan zu Hinterhäuser

Die Salzburger Festspiele werden 100. Anfangs mit sechs Aufführungen eines Ersatzprogramms, sind sie zum wahrscheinlich bedeutendsten Klassikfestival der Welt avanciert. Die Festspielgeschichte von den Anfängen bis 1945 gibt es hier.

1946-1959: Oskar Fritz Schuh führt erstmals Regie; er entwirft eine Salzburger Dramaturgie, versieht den Opernspielplan mit zeitgenössischen Akzenten und inszeniert bis 1970 bei den Festspielen 30 Produktionen. Künstler wie Frank Martin, Carl Orff, Werner Egk oder Gottfried von Einem bringen die Moderne ins Spiel.

1950: Ein einzigartiges Bundesgesetz wird erlassen, in dem die Finanzierung dauerhaft geregelt wird und das bis heute gilt: Der Bund übernimmt 40 Prozent des Abgangs, Land, Stadt und Fremdenverkehrsförderungsfonds Salzburg je 20 Prozent.

1951: Ein politischer Skandal erschüttert die Festspiele: Gottfried von Einem beauftragt Bertolt Brecht, unter dem Titel „Totentanz“ ein neues Stück für die Festspiele zu schreiben, das den „Jedermann“ ablösen soll; von Einem wird aus dem Direktorium der Festspiele (seit 1948) gefeuert, das Stück wird nie fertiggestellt.

1957: Herbert von Karajan (erstes Dirigat mit „Faust“ bei den Festspielen 1933) wird künstlerischer Leiter, ab 1964 auch Mitglied des Direktoriums. Er leitet die Festspiele als Alleinherrscher bis zu seinem Tod 1989. „Perfektionist“ Karajan etabliert die romantische und italienische Oper im Programm, holt Gastorchester, die Platten- und Filmindustrie, die Weltstars der Bühnen und letztlich auch den Jetset nach Salzburg und driftet im Lauf von fast drei Jahrzehnten in künstlerische Stagnation.

1958: Erste Fernsehübertragung einer Festspielproduktion („Jedermann“).

1960: Am 26. Juli wird das nach Plänen von Clemens Holzmeister gebaute, teils aus dem Mönchsberg gesprengte Große Festspielhaus mit dem „Rosenkavalier“ eröffnet.

1963: Das „alte“ Festspielhaus wird nach dem Umbau als Kleines Festspielhaus wiederöffnet.

1989: Tod Herbert von Karajans.

1990: Die Festspiele steigen ins Zeitalter des Kultursponsorings ein, erste Geldgeber sind Nestle, ABB und Allianz.

1991: Gerard Mortier wird Intendant und Erneuerer. Mortier modernisiert das Repertoire, vermittelt mitunter auch ästhetisch provokative Sichtweisen und spricht damit jüngeres Publikum an. Künstler wie Herbert Wernicke, Ursel und Karl-Ernst Herrmann, Peter Mussbach, Hans Neuenfels, Luc Bondy, Peter Sellars, Robert Wilson und Christoph Marthaler prägen die Bühnenästhetik der Ära Mortier. Leos Janacek, Olivier Messiaen und György Ligeti, aber auch Igor Strawinsky, Arnold Schönberg, Alban Berg oder Kurt Weill finden Eingang ins Opernrepertoire.

1993: Die Perner-Insel in Hallein wird Spielstätte.

1994: Helga Rabl-Stadler wird Präsidentin.

1998: Erstmals findet zu Pfingsten ein Barockfestival statt.

2002: Peter Ruzicka wird Intendant. Er hinterlässt Spuren durch seinen Opernzyklus der Exilkomponisten Erich Wolfgang Korngold, Alexander Zemlinsky und Franz Schreker sowie durch „Mozart 22“, eine Aufführungsserie aller 22 Bühnenwerke Mozarts im Jubiläumsjahr 2006. Schauspielchef Jürgen Flimm ruft das „Young Directors Project“ ins Leben.

2006: Das Haus für Mozart wird eröffnet. Wilhelm Holzbauer hat das Kleine Festspielhaus nach umstrittenen Architektenwettbewerben neu gebaut.

2007: Jürgen Flimm wird Intendant. Sein Vertrag soll bis 2011 laufen. Flimm wird Salzburg aber auf eigenen Wunsch bereits nach dem Festspielsommer 2010 verlassen.

2011: Markus Hinterhäuser, in Flimms Intendanz bereits erfolgreicher und innovativer Konzertchef, wird interimistischer Intendant. Ihm steht weiterhin Thomas Oberender als Schauspielchef zur Seite.

2012: Alexander Pereira, Operndirektor in Zürich, übernimmt die Leitung der Festspiele. Sein Schauspielchef wird Sven-Eric Bechtolf. Er führt die Auftaktwoche „Ouverture spirituelle“ ein; seine Programmwünsche und Expansionspläne führen zum Konflikt mit dem Kuratorium, das schließlich eine Ausgabenobergrenze einzieht. Noch vor seinem zweiten Festspielsommer gibt er seinen Wechsel an die Mailänder Skala ab 2015 bekannt.

2017: Markus Hinterhäuser übernimmt die Intendanz, nachdem Präsidentin Rabl-Stadler und Sven-Eric-Bechtolf als künstlerischer Leiter zwei Interimsjahre an der Spitze gestanden sind.

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