12.11.2019 10:26 |

Mit viel Geschick

Politstratege lehrt Erdogan und Co. das Fürchten

Politische Strategien sind die Berufung von Necati Özkan. Mit seinen Heldengeschichten hat der Türke schon die oppositionellen Bürgermeister von Istanbul und Budapest zum Erfolg geführt. Im Gespräch mit der „Krone“ erzählt er seine Beweggründe und vieles mehr.

„Krone“: Herr Özkan, Sie haben mit Bürgermeister Ekrem Imamoglu auch indirekt Präsident Recep Tayyip Erdogan in Istanbul besiegt, wie fühlt sich dieser Erfolg für Sie an?
Necati Özkan: Der Sieg in einer Wahl ist immer eine glückliche Sache. Unsere Kampagne war ohne Fehler. Es war zwar eine „Mission Impossible“, aber wir haben sie trotzdem gemeistert. Mit guten Ideen und viel Geschick.

Wie haben Sie die Wahl gewonnen, und was waren die Schlüsselmomente?
Wir entschieden uns zuerst für eine gute Geschichte. Die Reise unseres Helden Ekrem Imamoglu. Damit sprachen wir den Kopf und das Herz unserer Bürger an. Man kann ja keine Wahl ohne passende Story gewinnen. Wir haben uns weiters dafür entschieden, Präsident Erdogan und alle anderen politischen Gegner zu ignorieren. Wir antworteten einfach nicht auf ihre Fake News und Attacken. Sie mussten uns somit thematisch folgen und nicht umgekehrt. In jedem Wahlkampf sollte man natürlich die Stärken und Schwächen der Gegner genau kennen und diese auch aufzeigen. Mit Tür-zu-Tür-Aktionen und unseren Social-Media-Kanälen haben wir diese Nachrichten, auch ohne die gesteuerte Medienlandschaft, übermittelt.

Glauben Sie, dass Ihr Sieg in Istanbul ein Wendepunkt für die Zukunft der Türkei ist?
Natürlich! Bis zum Ende des ersten Wahlgangs war die Wahl in Istanbul nur eine regionale Sache. Erst als die AKP unseren Sieg nicht akzeptierte und Imamoglu das Amt aberkannte, wurde es zu einer nationalen Angelegenheit. Nach seiner Rede am Abend der Entscheidung war klar, dass sich jetzt eine laute Stimme für Demokratie und Freiheit erhoben hatte.

Erdogan droht der EU mit dem Durchlassen von Flüchtlingen, wie schätzen Sie die Lage ein?
Die Türkei hat rund vier Millionen Immigranten aufgenommen, rund fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Es ist schwer, diesen Umstand zu managen. Ich denke, dass die EU und unsere Regierung zusammenarbeiten müssen, um somit auch endlich den Syrien-Krieg beenden zu können. Ansonsten wird es, glauben Sie mir, mit oder ohne die Sperre eine Fluchtbewegung nach Europa geben. Immigration fördert Hass in jeder Gesellschaft. Das stärkt wiederum Populismus, auch in der Türkei.

Türken in Österreich sind oftmals konservativer als beispielsweise ihre Landsleute in Istanbul. Wie kommt das?
Zuerst müssen wir feststellen, dass Angst nur weitere Angst und Hass nur noch mehr Hass erzeugt. Minderheiten reflektieren auf die Normalbevölkerung. Türken in Europa unterstützen dort zwar die moderaten Parteien, in der Türkei wählen sie aber meist die Konservativen von Erdogan. Weil die AKP sie auch unterstützt.

Was würde sich ändern, wenn Ihre sozialdemokratische CHP an die Macht kommen würde?
Es würde sich einiges ändern. Als Erdogan an die Macht kam, waren die europäischen Länder auch noch glückliche Partner. Erst später nutzte er die Spaltung der Gesellschaft für seine Zwecke. Die Türkei war hundert Jahre lang eine parlamentarische Staatsform, wir werden das wiederherstellen.

Josef Poyer, Kronen Zeitung

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