06.11.2019 12:58 |

Abschlussbericht

52 Mio. Euro für Missbrauchsopfer in Kinderheimen

Von einem „Kapitel in der Geschichte unserer Stadt, das nie hätte geschrieben werden dürfen“, spricht der Wiener Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) in Bezug auf die traumatisierenden Erlebnisse, die Kinder in Einrichtungen der Jugendwohlfahrt über Jahrzehnte hinweg ertragen mussten. Neun Jahre lang wurden deshalb im Auftrag der Stadt die Geschehnisse aufgearbeitet. 2384 Betroffene erhielten finanzielle Hilfsleistungen, aufgewendet wurden insgesamt mehr als 52 Millionen Euro.

Das geht aus dem Abschlussbericht des Vereins für Verbrechensopferhilfe, Weißer Ring, hervor, der nun vorliegt. Aufgabe war es, Unterstützungsmaßnahmen für Menschen durchzuführen, die im Rahmen ihrer Unterbringung in Einrichtungen der Jugendwohlfahrt im Zeitraum zwischen 1945 und 1999 Opfer von Gewalt wurden.

Budget mehrmals aufgestockt
Zunächst war man von einer Gesamtdauer von knapp einem Jahr und einem Budgetbedarf von rund zwei Millionen Euro ausgegangen. Die Zahl der Meldungen sollte dann jedoch die Erwartungen um ein Vielfaches übersteigen. Statt einem Jahr sollte es schlussendlich neun Jahre dauern, das Budget wurde über mehrere Stufen auf 52,5 Millionen Euro aufgestockt und auch die Meldefrist mehrfach verlängert, zogen die Verantwortlichen Bilanz. In 71 Sitzungen bearbeitete ein Gremium 3139 Meldungen, 2384 Betroffene erhielten finanzielle Hilfeleistung. Insgesamt wurden 42,1 Millionen Euro direkt ausbezahlt, geht aus dem Bericht hervor.

Allen Betroffenen wurde auch Psychotherapie angeboten. Von rund 144.400 genehmigten Einheiten wurde knapp die Hälfte in Anspruch genommen, in Summe um 6,14 Millionen Euro. Zudem gab es die Möglichkeit, Rechtsberatung zu erhalten. Dafür wurden rund 0,09 Millionen Euro ausgegeben.

„Aus Fehlern der Vergangenheit gelernt“
Man habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, wurde betont. „Es ist für uns heute schwer zu verstehen, wie unsere Institution, die dem Kinderschutz verpflichtet ist, so vielen Kindern und Jugendlichen so unfassbares Leid zufügen konnte. Unverständlich ist, wie in der Nachkriegszeit die Aufsichtsmechanismen derart versagen konnten“, sagte Johannes Köhler, Leiter der Wiener Kinder- und Jugendhilfe.

„Pflicht als Stadt, Verantwortung wahrzunehmen“
„Die Opfer haben Unfassbares erlebt, es ist unsere Pflicht als Stadt, unsere Verantwortung wahrzunehmen, geschehenes Unrecht ohne Relativierung anzuerkennen und uns dafür aufrichtig und zutiefst zu entschuldigen“, so Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in einer Aussendung am Mittwoch.

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