Entschädigung fraglich

Schleifer-Skandal: Soldat (23) schwer verletzt

Opfer von zwei Bundesheer-Schleifern wurde ein 23-jähriger Soldat in Oberösterreich. Weil er die Schuhe schlecht geputzt hatte, ordneten sie eine „erzieherische Maßnahme“ an. Was bedeutete: strammstehen mit einem 15-Kilogramm-Rucksack und dem Sturmgewehr. Dabei wurde der Rekrut schwer verletzt. Ob er eine Entschädigung erhält, ist fraglich.

Der Soldat war im Jänner 2018 bei einer Schuhputzkontrolle in der Zehner-Kaserne in Ried im Innkreis aufgefallen. Er wurde vor die Alternative gestellt: Meldung an den Kommandanten oder „erzieherische Maßnahme“. Er willigte in die Strafe ein, da er um Versetzung gebeten hatte und diese nicht gefährden wollte.

Bewusstlos zusammengebrochen
Was aber auf den Soldaten zukam, ahnte er nicht: Er sollte mit einem 15 Kilo schweren Rucksack, in den man das Kettenglied eines Panzers gepackt hatte, auf unbestimmte Zeit strammstehen. Nach zwei Stunden versagten die Kräfte des jungen Mannes. Er brach bewusstlos zusammen, erwachte aber mit einem Aufschrei schnell wieder.

„Sag, du bist von einem Panzer gefallen“
Denn er hatte sich beim Sturz mit dem schweren Rucksack eine Schulterluxation samt Bänderriss zugezogen. Auf dem Weg ins Spital, wo das Opfer operiert wurde, versuchten ihn die Vorgesetzten sogar noch zu überreden, den wahren Grund der Verletzung zu vertuschen: „Sag, du bist von einem Panzer gefallen.“ Was der Rekrut nicht machte.

Dienstgeber haftet nur für vorsätzliche Taten
Er bat den Wiener Anwalt Andreas Schweitzer um Durchsetzung seiner Forderungen. Doch das wird schwierig. Die beiden schuldigen Vorgesetzten sollen je 2600 Euro Geldbuße zahlen. Der Verteidiger fordert aber auch etwa 8000 Euro Entschädigung. Hier könnte es Probleme geben. Da es sich um einen Arbeitsunfall handelt, könnte eine skurrile rechtliche Hürde gelten: dass ein Dienstgeber nur für vorsätzliche Taten haftet. Das wird schwer zu beweisen sein. Aber vielleicht gibt es eine Kulanzlösung.

Peter Grotter, Kronen Zeitung

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