23.10.2019 10:00 |

Nach Massenschlägerei

„Happy End“ für 23 prügelnde Fußballfans

Der Vorwurf: Schwere gemeinschaftliche Gewalt. Die Angeklagten: Satte 23 an der Zahl. In Innsbruck ging am Dienstag der Prozess rund um die Massenschlägerei gegnerischer Fußballfans aus dem Vorjahr in die zweite und letzte Runde. Ein juristisch komplexer Fall - letztlich mit einem „Happy End“ für die Fußballfans.

Zwei Stuhlreihen, 20 von 23 Angeklagten, sechs Verteidiger, fünf Zeugen, etliche Videos - und eine Schlägerei, die alle Beteiligten gestern ans Innsbrucker Landesgericht führte.

Massenschlägerei in Innenstadt
Rückblick: Es ist der 27. Oktober 2018, ein Samstag. Etliche Menschen bummeln durch die Innsbrucker Innenstadt, es ist früher Nachmittag. Plötzlich eine Menschenmenge in der Maria-Theresien-Straße: Männer, manche vermummt, treffen aufeinander - gegeneinander. Stühle, Aschenbecher und Fäuste fliegen durch die Lüfte. Eine Massenschlägerei. Besorgte Anrainer rufen die Polizei, filmen die Szenen, die selbst ein Jahr danach beklemmend wirken. Grobe Verletzungen blieben jedoch wie durch ein Wunder aus.

Wissentlich oder nicht?
Die Männer, die sich da mitten in der Innenstadt prügeln, sind Fußballfans, Wacker Innsbruck gegen Austria Wien. „Gemma Wiener jagen“ soll es im Vorfeld in einem Chat geheißen haben. Und darum drehte sich auch gestern der Prozess. War die Schlägerei vereinbart oder ein zufälliges Aufeinandertreffen der gegnerischen Fans? 

Erster Prozesstermin
Bereits im September versuchte man diese Frage in einem ersten Prozess zu beantworten, damals fehlten Zeugen - es wurde vertagt. Gestern wurden eine Kellnerin und mehrere „szenenkundige“ Polizisten befragt, die Videoaufnahmen wurden vorgespielt.

Komplexe Geschichte
Rund um die angeklagte „schwere gemeinschaftliche Gewalt“ hatten Staatsanwalt sowie die Verteidiger jeweils verschiedene juristische Meinungen - um den Tatbestand zu erfüllen, brauche es eine wissentliche Zusammenkunft von mehr als 30 Personen, die mit vereinten Kräften eine Straftat begehen, betonte der Staatsanwalt und sah dies als gegeben. Die Verteidiger waren freilich anderer Meinung und erklärten dies jeweils mit komplexen Ausflügen in die Juristerei. „Gemma Wiener jagen“ sei zwar dämlich, aber davon könne man nicht ableiten, dass es eine ausgemachte Schlägerei gewesen sei, so etwa einer der Rechtsanwälte.

Freisprüche
Letztlich schien er Recht zu behalten. Der Schöffensenat rund um Andreas Fleckl sprach alle 23 Angeklagten frei - eine wissentliche Verabredung konnte nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, zudem wären 30 Personen pro Seite nötig gewesen, um den Tatbestand der schweren gemeinschaftlichen Gewalt zu erfüllen. ah

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