07.10.2019 10:07 |

Marienkronen geklaut

Sammler ordern schon Diebstähle aus Kirchen

Diebe machen auch vor den heimischen Kirchen nicht halt: Die gestohlene Ware mutet dabei oft kurios an. So kam aus der Franziskanerkirche in Salzburg die vergoldete Krone einer Marienstatue abhanden. In der Stadtpfarrkirche in Kufstein wurde nun ebenfalls einer Marienstatue die Krone abgenommen.

Zufall oder Bestellung? In den 220 Pfarren der Erzdiözese Salzburg – dazu gehören auch die Kirchen im Tiroler Unterland – kommt es immer wieder zu Diebstählen. „Am häufigsten werden Opferstöcke aufgebrochen und das darin befindliche Geld gestohlen. Da gab es ja erst vor eineinhalb Jahren eine größere Serie“, schildert der Sprecher der Erzdiözese, Kurt Sonneck. Die Täter, eine Rumänenbande, wurden bereits geschnappt und verurteilt.

Aber nicht nur Opferstöcke sind seit jeher ein Ziel. Auch religiöse Kunstgegenstände werden öfter als man vermutet einfach eingesteckt. Engel, Leuchter und Kerzenstände sind offenbar am beliebtesten. Aber auch Kelche, Monstranzen oder gar Bilder kommen weg. „Bei uns sind im Jahr vier bis fünf Pfarren betroffen“, so Sonneck. Man suche dann öfter auch in Auktionskatalogen nach den abhanden gekommen Gegenständen. Dabei gab es bereits einmal einen Erfolg, obwohl die Auktionshäuser sehr genau darauf achten, dass sie kein Diebesgut annehmen.

Sammler geben Aufträge für Diebstähle

Der Wert der vergoldeten Marienkrone aus Salzburg beläuft sich laut den Franziskanern auf knapp 500 Euro. Jene aus Kufstein, die mit bunten Steinen und Glas besetzt ist, dürfte schon knapp 5000 Euro wert sein.

Beim Bundeskriminalamt ortet man hinter einigen Diebstählen einen Auftrag. „Man kann vermuten, dass es Sammler gibt. Die geben einfach in Auftrag, was sie brauchen“, erklärt Bundeskriminalamtssprecher Vincent Kriegs-Au.

Solche Sammler stellen sich die Engel und diverse Reliquien privat ins Wohnzimmer. Sehr begehrt sind auch so genannte Putten, Engelsfiguren-Paare. Für derartige Kirchenkunst werden auch schon einmal bis zu 10.000 Euro bezahlt.

Um die 200 Kulturgutdiebstähle aus Kirchen werden jährlich in Österreich angezeigt. Beim BKA rät man den einzelnen Pfarren das Kircheninventar regelmäßig zu fotografieren, zu katalogisieren und zu beschreiben. „Damit kann man beim Diebstahl leichter nach dem Objekt fahnden.“

Bei Diebstählen wie der beiden vergoldeten Kronen ist die Höhe des Schadens größer als der Wert der Kronen. Kein Wunder, wenn die Objekte nicht wieder auftauchen, müssen die Figuren aufwendig restauriert Diebstähle aus Kirchen sind übrigens keine Modeerscheinung: Schon seit Jahrzehnten kommt immer wieder etwas aus Gotteshäusern weg.

Manuela Kappes
Manuela Kappes
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