20.09.2019 15:55 |

Mysteriöser Fall

In Salzburg wurde offenbar Wahlkarte gestohlen

Christiane Steidl (33) staunte, als sie ihre Wahlkarte in der Postfiliale im Salzburger Europark abholen wollte: Das Kuvert sei ihr bereits ausgehändigt worden, hieß es. Ihre angeblich eigene Unterschrift wollte man ihr nicht zeigen - Datenschutz. Die Betroffene ist zufällig die Nichte von Salzburgs SPÖ-Chef.

„Irgendjemand kann jetzt zweimal wählen und ich gar nicht“, schüttelt die Verkäuferin den Kopf. Und sie versichert: Niemand aus ihrem näheren Umfeld habe die Wahlkarte entgegengenommen. „Ich habe ja auch noch den Abholschein.“ Dieser lag am Donnerstag der Vorwoche in ihrem Briefkasten in Taxham. Am Montag wollte Steidl dann die Wahlkarte abholen. „Die Mitarbeiter waren eh sehr freundlich, konnten mir aber in der Filiale nicht helfen.“

Post entschuldigt sich und hofft auf Einzelfall
Eine sogenannte Nachschau für Briefsendungen blieb ergebnislos. „Dafür entschuldigen wir uns. Wir denken, dass dies für Sie ein Einzelfall bleiben wird, und sind immer gern und zuverlässig für Sie da“, heißt es in einer E-Mail an Steidl.

Fest steht: Irgendwer hatte mit ihrem Namen unterzeichnet. „Ich durfte die Unterschrift nicht sehen. Aus Datenschutzgründen kann nur der Absender Einsicht nehmen, wurde mir erklärt.“ Ein Mitarbeiter im Kundencenter in Wien habe ihr jedoch verraten, dass die Unterschrift leserlich sei. „Ich unterschreibe aber immer unleserlich.“

Betroffene wandte sich auch an Polizei
Christiane Steidl erstattete Anzeige bei der Polizei. Es geht um den Verdacht des Diebstahls und der Urkundenfälschung. Ihr Kreuz kann sie am 29. September jedenfalls nicht machen. Denn das Gesetz verbietet die Ausstellung einer zweiten Wahlkarte. Ihr Onkel, Salzburgs SPÖ-Chef Walter Steidl, betont, er habe „größtes Interesse an der Aufklärung“. Einen politischen Hintergrund sehe er nicht. „Diese Verdächtigung würde ins Leere gehen.“

In Salzburg dürfte dieser Fall einzigartig sein. Vor der Wahl 2017 wurde aber im Burgenland einem Briefträger ein Bündel mit Post gestohlen - darunter auch eine Wahlkarte. Ein Eisenstädter durfte daraufhin nicht wählen.

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
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