02.09.2019 08:00 |

„Krone“-Check

Was das Schuljahr an Neuerungen bringt

Der Großteil der Tiroler Schulen startet in den kommenden Tagen ins neue Jahr. Einheitliche Herbstferien gibt es erst ab 2020. Doch auch heuer warten viele Neuerungen auf Kinder, Lehrer und Eltern. Von der Wiedereinführung der Ziffernnoten in Volksschulen und Leistungsstufen in elf Neuen Mittelschulen bis zu einer Pensionierungswelle bei Lehrern. Ein Überblick!

Das letzte Mal Herbstferien-Wirrwarr in Tirol. Oder doch nicht?
In den kommenden Tagen starten 459 Tiroler Schulen ins neue Jahr. Andere Bildungseinrichtungen öffnen erst in der kommenden Woche. Je nachdem, ob sich eine Schule für Herbstferien entschieden hat oder nicht. Diese Möglichkeit hat das Land den Schulen eröffnet. Ab 2020 wird es in ganz Österreich Herbstferien geben. „Einheitliche Herbstferien sind absolut zu begrüßen – vor allem im Sinne jener Eltern, die zwei oder mehrere Kinder in verschiedenen Schulen haben“, vertritt Bildungs-LR Beate Palfrader eine klare Position.

Dass auch in Tirol wieder ein homogenes Bild entsteht, ist damit nicht gesagt. Denn die Landesregelung, wonach Schulen eine Vorverlegung des Schulstarts beantragen können, bleibt vorerst. „Bei der Genehmigung wird die Bildungsdirektion aber restriktiver vorgehen“, stellt Palfrader klar.

In Volksschulen werden wieder Ziffernnoten eingeführt.
Rückschritt oder endlich wieder eine klare Bewertungsmethode? Unter Fachleuten gibt es viele Gegner der Regelung. „Systeme wie verpflichtende Ziffernnoten schaffen schon bei den Kleinsten unnötigen Leistungsdruck“, heißt es etwa bei SOS-Kinderdorf in Imst. Eine Studie der Organisation belegt, dass viele Schüler unter Stress leiden. Bei den Jugendlichen sind es laut Studie bereits 88 Prozent.

Auch die Bildungs-LR hätte lieber die alternative Leistungsbeurteilung (mündlich oder schriftlich) beibehalten: „Sie gibt Kindern und Eltern mehr Rückmeldung, wo es Entfaltungsmöglichkeiten gibt.“ Dennoch sieht Palfrader die Wiedereinführung von Ziffernnoten nicht dramatisch: „Es wird ja auch eine schriftliche Erläuterung beigelegt.“

Ab der 2. Klasse Volksschule können Kinder wieder sitzenbleiben. Bisher galt das ab der 4. Klasse.
Auch das eine umstrittene Neuerung. „Dass Kinder eine Klasse wiederholen müssen, ist nur in seltenen Fällen pädagogisch sinnvoll“, vertritt Palfrader eine andere Linie als das bisher von der ÖVP geführte Bildungsministerium. Doch sie beruhigt auch in dem Fall. Tirols Pädagogen würden über gute Möglichkeiten verfügen, Kinder rechtzeitig entsprechend zu fördern, um Sitzenbleiben möglichst zu vermeiden.

Kopftuchverbot an Volksschulen.
In Tirol sieht die Bildungs-Landesrätin hier kaum Konfliktpotenzial: „Es gab bisher nur vereinzelt Mädchen, die ein Kopftuch getragen haben. Insofern hat das Thema für uns in Tirol kaum Relevanz.“ Davon, dass Eltern deshalb Mädchen aus der Schule nehmen wollen, sei in der Bildungsdirektion nichts bekannt.

Wiedereinführung von Leistungsgruppen.
Wie früher in Hauptschulen, sollen die Kinder nun auch in den Neuen Mittelschulen wieder in Leistungsgruppen eingeteilt werden. An elf Tiroler Schulstandorten wird das heuer getestet. Den Vergleich mit den früheren Leistungsgruppen hält die Bildungs-Landesrätin nicht für zulässig: „Es wird zwei Leistungsniveaus geben, Standard und AHS-Standard. Zwischen denen können die Schüler je nach Leistung auch wechseln.

Pensionierungswelle bei den Tiroler Lehrern.
Im Pflichtschulbereich gehen mit Herbst knapp 300 Lehrer in Pension, allein in den Neuen Mittelschulen sind es 160. „Demgegenüber stehen nur 38 Abgänger der Pädagogischen Hochschule, von denen der größte Teil noch das Masterstudium absolvieren will“, bestätigt Palfrader drohende Engpässe. Sie will „im Rahmen des Dienstrechts gegensteuern“. Aber wie?

„In der Vergangenheit war man relativ großzügig bei Karenzierungen, Teilzeitbeschäftigungen oder der Genehmigung von Auszeiten. Diesbezüglich wird es nun Einschränkungen geben müssen.“ Der Unterricht an allen Tiroler Pflichtschulen sei trotz vieler Pensionierungen gesichert, bekräftigt Palfrader. Bei weiterführenden Schulen ist die Situation eine andere: Hier gibt es mehr Bewerber als offene Stellen, insbesondere für die Fächer Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch.

Der erste Schulcluster Tirols im Defereggental.
Im Defereggental wurde aus den drei Volksschulen (Hopfgarten, St. Veit, St. Jakob) und der Neuen Mittelschule in St. Jakob ein Schulcluster gebildet – der vorläufig einzige. Was bringt das? Palfrader: „Vorteile sind, dass die Administration erleichtert wird und es besser gelingt, dass Lehrpersonen zusammenarbeiten und pädagogische Konzepte erarbeiten, anstatt dies an jedem einzelnen Schulstandort zu tun. Außerdem können Kleinschulstandorte eher erhalten bleiben.“

Kampf um den Erhalt von Kleinschulen.
In vielen Regionen Tirols sind Kleinschulen vom Zusperren bedroht. Heuer traf es u.a. die Volksschulen Vent und Holdernach (Kappl). Wie viele es 2020 sind, könne man noch nicht sagen, verweist Palfrader auf die neue Regelung, wonach das Land die Schülerentwicklung über drei Jahre berechnet, bevor eine Dorfschule stillgelegt wird. Grundsätzlich gilt, dass es mehr als zehn Kinder sein müssen.

Beim Blick auf die Schülerzahlen wird klar, dass einigen Standorten der Nachwuchs ausgehen könnte. Heuer gibt es rund 7400 Tafelklassler, das sind um rund 250 Mädchen und Buben weniger als im vergangenen Jahr. Im Vergleich: Zur Jahrtausendwende gab es noch 9300 Erstklassler.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
Samuel Thurner
Samuel Thurner
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