16.06.2019 12:45 |

72-jährig verstorben

Karlheinz Miklin: Große Trauer um Jazz-Legende

Der österreichische Saxofonist, Komponist und Jazzpädagoge, Karlheinz Miklin, ist tot. Der aus Kärnten gebürtige und seit Jahrzehnten in Graz lebende Jazzmusiker ist am Samstag im Alter von 72 Jahren verstorben. Miklin leitete von 1983 bis 2000 die Jazzabteilung der Grazer Kunstuniversität.

Der Ruf von Graz als Jazzstadt ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. „Karlheinz Miklin war dem Land ein konsequentes musikalisches Vorbild, ein Avantgardist im besten Sinne“, sagt auch Kulturlandesrat Christopher Drexler in einer ersten Reaktion auf Miklins überraschendes Ableben. Und weiter: „Er war einer, der vorausgegangen ist und stets Neues versucht hat. Er beschränkte sich nicht auf die theoretische Wissensvermittlung als Lehrender an der Kunstuniversität Graz, sondern war Zeit seines Wirkens praktizierendes Vorbild und inspirierender Ideengeber auf den Bühnen weit über Österreich hinaus.  Damit hatte er große Vorbildwirkung auf Generationen von Jazzmusikern.

Als Student nach Graz gekommen
Miklin wurde am 3. November 1946 in Klagenfurt geboren, wuchs in Bleiburg in einem musikalischen Umfeld auf und besuchte das Konservatorium in Klagenfurt. Vor seinem eigentlichen Musikstudium (Saxofon-Jazz) an der heutigen Kunstuniversität Graz studierte Miklin Geschichte und Germanistik an der Universität Graz. Dem Abschluss mit Auszeichnung im Jahr 1975 folgte unmittelbar der Würdigungspreis des Wissenschaftsministeriums. Seine Dissertation in Geschichte brach er ab, um mit einer argentinischen Jazzgruppe auf Tour zu gehen. Daneben lehrte er als Gast u.a. in Boston, Seattle, Santiago de Chile und London. In Solokonzerten sowie als Gastmusiker trat er mit der ORF Big Band und der KUG Big Band auf.

Jazzabteilung der Kunstuni Graz geprägt
Im Jahr 1975 erhielt Miklin den ersten Lehrauftrag an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte. Von 1983 bis 2000 leitete er dort die Jazzabteilung. 1978 gründete er das legendäre Karlheinz Miklin Trio. 1984 startete er die erste von zahlreichen Touren mit dem - später fallweise zu einem Quarteto bzw. Quinteto erweiterten - Trio Argentina, das bei zahlreichen Jazzfestivals auf der ganzen Welt Konzertauftritte hatte. Er erarbeitete sich einen stark von der lateinamerikanischen Musik beeinflussten persönlichen Spielstil, der Latin-Elemente mit Bebop- und Avantgarde-Einflüssen, aber auch mit Einflüssen europäischer volksmusikalischer Tradition vermengt.

International gefeiert
1993 holte Miklin den Weltgipfel der International Association of Schools of Jazz (IASJ) nach Graz, einer Vereinigung, zu deren Präsidenten er 2004 gewählt wurde. Unter seinen Auszeichnungen ist neben dem Großen Josef Krainer Preis und dem Großen Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark vor allem der Karl-Böhm-Interpretationspreis zu erwähnen, den Karlheinz Miklin 2009 als erster Jazzmusiker erhielt. Am Grazer Jazzinstitut unterrichtete er auch nach seinem Rückzug aus der Leitungsfunktion bis ins Jahr 2015. Im selben Jahr wurde der Saxofonist vom deutschen Journal „jazzthing“ in die Liste der „European Jazz Legends“ aufgenommen und porträtiert.

Musikalische Pläne jäh beendet
Erst vor wenigen Monaten hatte Miklin mit „Medio Azul“ ein neues Album präsentiert. Im Herbst wollte er eigentlich mit seiner zweiten neuen Band mit dem Posaunisten Luis Bonilla debütieren. Am Samstagmittag verstarb er nun aber völlig überraschend an seinem zweiten Schlaganfall. Auch der Kärntner Kulturreferent und Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ), drückte Miklins Angehörigen und Wegbegleitern seine tiefe Anteilnahme aus. Kärnten habe einen die Menschen begeisternden Kulturbotschafter verloren", sagte er in einer Reaktion.

 krone.at
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