22.05.2019 11:55 |

Vor der EU-Wahl

Steirische Bauern kämpfen gegen Bürokratie-Wahn

Vor der EU-Wahl am Sonntag wird die Forderung wieder ganz laut: endlich weg von überbordender Bürokratie! Vor allem steirische Bauern wenden Dutzende Stunden im Monat für den Amtsschimmel auf und wollen sich nicht mehr „überregulieren“ lassen; die Lebensmittelkennzeichnung wird gar als Schikane gesehen.

Tatsächlich sind die Beispiele, die Landwirtschaftskammerpräsident Franz Titschenbacher kennt, skurril. So muss beim Fettgehalt das Wort „mindestens“ abgekürzt werden, also „min. 3,5 Prozent Fett“. Beim Mindesthaltbarkeitsdatum wiederum muss „mindestens“ ausgeschrieben werden.

Oder: Früher hieß es Konservierungsstoff. Jetzt Konservierungsmittel. Noch eines: Jahrzehntelang steckte die Frankfurter im Schafs-, die Krainer im Schweinsdarm. Titschenbacher: „Weil jemand auf die Idee gekommen ist, dass der Darm ja auch eine Zutat ist, muss jetzt die Haut ganz genau angegeben werden.“

Es drohen Strafen bis zu 500 Euro
Wer die Vorgaben nicht einhält, also Banalitäten wie „mindestens“ oder „mind.“ nicht beachtet, dem drohen Strafen fürs „verfälschte Lebensmittel“ - je nach Gutdünken des Kontrollors immerhin bis zu 500 Euro.

„Wir machen alles doppelt und dreifach“
Und daher weht der Wind, meinen viele! „Das System ist so angelegt, dass man unweigerlich Fehler macht und abkassiert wird“, kritisiert Herbert Kammerhofer, bekannter Milchbauer aus der Obersteiermark, der selbst zur normalen Arbeit in der Landwirtschaft „sicher 16 Stunden im Monat nur für Bürokratiearbeit“ aufwenden muss. Und mindestens die Hälfte davon sieht er als verzichtbar: „Wir machen alles doppelt und dreifach.“

Auch bei Tiergesundheit geht es, sagt er, „bei Kontrollen oft nicht ums Tier. Sondern darum, ob die Zettel richtig eingeheftet sind.“ Es besteht also Handlungsbedarf - nicht nur vor der Wahl.

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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