19.05.2019 19:50 |

Spielzeug in Kammern

Für manche Kindheitsträume ist es nie zu spät

„Der Mensch [...] ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Das hat schon Friedrich Schiller vor 226 Jahren gewusst. Dass das Spielen nie aufhört, weiß wiederum Herbert Graf sehr genau. Der 72-jährige Kapfenberger hat in seiner zweiten Heimat Kammern eine Ausstellung mit kostbarstem altem Spielzeug eröffnet.

„Wir haben schon gewusst, dass es Spielzeug gibt. Das war aber nur für gutbürgerliche Kinder“, erinnert sich Herbert Graf an die Nachkriegszeit, in der er als Arbeiterkind in Kapfenberg aufwuchs. „Wir waren damals im Hof und im Wald unterwegs. Wenn ich in der Auslage ein Spielzeug gesehen hab’, hat meine Mutter mich immer vertröstet und gesagt, das gibt’s morgen.“

Doch Graf, als technischer Angestellter mittlerweile in Pension, hegt keinen Groll – im Gegenteil: Er holt als Erwachsener nach, was ihm als Kind nicht vergönnt war. „Ich hab’ in den Sechzigern mit dem Sammeln angefangen. Man hat damals schon gewusst, dass das einmal etwas wert ist.“

Faszination des Technischen
Vieles hat der Bastler selber restauriert. Besonders faszinierte ihn immer alles Mechanische – Spielzeug, das aufgezogen oder mit eigener Kraft bewegt werden kann. Jetzt hat er im Museumshof seiner „Wochenend-Heimat“ Kammern eine Ausstellung mit den schönsten Stücken gestaltet.

Darunter etwa ein trommelnder Teddybär oder ein Donald Duck auf dem Dreirad, Blechspielzeug aus den 1920ern, Autos, Schiffe, Flieger. Aber auch besonders kostbare Puppen und Puppenhäuser.

Erleichternd: Jene Horror-Puppe aus Michael Endes Buch „Momo“, die immerfort sagt „Ich will noch mehr Sachen haben“, ist nicht dabei. Dafür etwas, das sich Graf selbst als Kind wünschte: ein Tretauto aus Holz. Es parkt in der neuen Ausstellung neben einem knallroten Luxusflitzer von Alfa Romeo.

Keine Exponate aus der Plastik-Ära
Herbert Graf liebt die Qualität seiner Exponate: „Das meiste besteht aus Porzellan, Keramik, Blech oder Holz. Es ist alles aus der Zeit, bevor die Plastik-Ära angefangen hat.“

Eine neue Ära hat zum Leidwesen des Steirers auch bei der Sammelkultur begonnen. „Ich hab’ vor zehn Jahren aufgehört, weil es schöne Sachen nur mehr auf Auktionen gibt. So viel will ich aber nicht ausgeben, weil ich ja nur sammle und nichts weiterverkaufe. Dafür hänge ich viel zu sehr an den Dingen.“

Die Ausstellung ist bis zum 8. September 2019 jeweils donnerstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr im Museumshof Kammern zu sehen.

Matthias Wagner
Matthias Wagner
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