Alter schützt vor Leistung nicht – im Fall des Steirers Helmut Linzbichler ist die Leistung vor allem mit Höhen- und Laufmetern verbunden. Vor Kurzem hat sich der 68-Jährige in die exklusive Liste der "Seven-Summit-Sieger" eingetragen. Und damit gleich drei "Weltrekorde" aufgestellt: "Ich bin der älteste Mensch, der auf den höchsten Bergen aller Kontinente gestanden ist, ich bin auch der Älteste, der einen Gipfelsieg auf dem 4.897 Meter hohen antarktischen Mount Vinson zu Buche stehen hat – und ich bin derjenige, der für die sieben Gipfel am längsten gebraucht hat", sagt der nimmermüde Aktiv-Pensionist.
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Letzteres macht den Kapfenberger Ex-Lehrer noch zusätzlich zum "Seven-Summit-Dinosaurier". Als er am 26. Dezember 1969 auf dem 5.895 Meter hohen Kilimandscharo stand, hatte es diese Herausforderung noch gar nicht gegeben. Erst 1985 wurde die Kontinental-Gipfelsammlung "offiziell". Der Amerikaner Dick Bass scheint seit damals als erster "Seven-Summiter" in den Annalen auf.
Linzbichler ist der erst fünfte Österreicher in dieser exklusiven Schar, der insgesamt nur etwa 160 Bergsteiger angehören. "Als ich am 3. Dezember 2009 auf dem Gipfel des Mount Vinson stand, hätte ich vielleicht vor Freude ein paar Tränen vergossen, aber es war zu kalt dazu", schmunzelt der knorrige Extremissimo. "Wenn man die Berge und das Extreme so liebt wie ich, dann sind die Momente, die man auf dem letzten der sieben Kontinentalgipfel verbringen darf, unvergesslich. Man ist nach so vielen Jahrzehnten am Ziel angelangt! Zugleich ist es aber auch das Ende eines langen Weges. Und das ist irgendwie sogar traurig. Muss man nun aufhören, sich endgültig in den Ruhestand begeben? Steigerung gibt es ja keine mehr. Oder soll man sich neue Ziele setzen? Und: Schafft man sie noch?"
Sie waren schon in seinem Kopf, als er die letzten Schritte auf den Antarktis-Gipfel tat: "Ich will als Erster auf den höchsten Gipfeln aller 47 europäischen Nationen stehen!" Das hat zwar wenig mit bergsteigerischer Extremleistung zu tun, ein Ziel ist es aber allemal. "Der höchste Berg Hollands zum Beispiel ist der Vaalserberg mit 322 Metern, der höchste Gipfel Luxemburgs heißt Wemperhardt und liegt 559 Meter über dem Meeresspiegel. Den allerniedrigsten Landesgipfel findet man im Vatikan – es ist der sogenannte Vatikan High Point in den päpstlichen Gärten, der liegt 75 Meter über dem Meeresspiegel."
Von L.A. nach New York im Laufschritt
Auch in einem anderen Extrembereich ist der Steirer Weltspitze. Er hat bei 220 Marathons das Ziel erreicht. Darunter findet man fast alle Klassiker, aber auch "Exoten" wie Arusha (Tansania), Reykjavik (Island) oder den Eismarathon in der Antarktis. Außerdem war er bei 52 "Ultras" am Start und hat dabei unter anderem die 4.265,7 Kilometer zwischen Los Angeles und New York in 528 Stunden 46 Minuten und 13 Sekunden im Laufschritt bewältigt. Für das Himalaya-Stage-Race in Indien (160 Kilometer in extremer Höhe) hat er 23 Stunden 45 Minuten gebraucht.
"Jetzt fehlt mir nur noch der Rio- Marathon in Südamerika, dann bin ich diese Strecke auf allen Kontinenten gelaufen," sagt der Lauf-Oldie. Die Erfüllung des letzten Marathon-Traums soll noch heuer stattfinden.
von Werner Kopacka, "Steirerkrone"
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