Do, 17. Jänner 2019

Standpunkt

04.01.2019 09:53

Eine Orgie der Verbitterung

Zu Österreichs EU-Vorsitz ist eigentlich alles gesagt. Weil aber immer noch nicht von jedem, meldet sich nun auch Johannes Voggenhuber zu Wort. Nach dreimonatiger Grübelei lässt der ehemalige Salzburger Stadtrat und frühere grüne Europa-Abgeordnete über die „Zeit“ ausrichten, dass der EU-Gipfel am 19. September 2018 in der Felsenreitschule eine miese Show war.

Das ist natürlich eine recht saloppe Verkürzung seines langen Aufsatzes im Hamburger Intelligenzblatt. Ein Mann mit der kultivierten Brillanz eines Johannes Voggenhuber würde den Salzburgern sein vernichtendes Urteil über das europäische Ratstreffen nie in dermaßen schlichter Einfalt zumuten.

Für einen Großkritiker wie Voggenhuber kann kein Vergleich zu pompös, kein Wort zu pathetisch, kein Gedanke zu diabolisch sein.

So glaubt Voggenhuber in den europaweit bestaunten und bewunderten Bildern des prächtigen EU-Gipfelbanketts in der Salzburger Felsenreitschule jetzt den „Ungeist der österreichischen Ratspräsidentschaft als Herold der politischen Rechten“ erkannt zu haben.

Voggenhuber fühlt sich durch das Salzburger Essen der 28 Staats- und Regierungschefs gar an die „Macht der Fürsten“ erinnert - eine majestätische Inszenierung, in der keine demokratische Macht mehr die Tafelrunde von Bösewichten in die Schranken weisen kann.

Mit einiger Gelassenheit ließe sich Voggenhubers Orgie der Verbitterung beiseitelegen. Ein bedauernswerter, an Politik und seiner Partei gescheiterter Mann schreibt sich grimmig seine Frustration von der Seele. Die Österreich-Abteilung des hanseatischen Wochenblatts hat dem traurigen Ritter vorübergehend Asyl gewährt. Eine noble Geste, wie man vorschnell meinen könnte.

So einfach ist es allerdings nicht, steht Voggenhubers Abrechnung in der „Zeit“ doch für mehr: Mit Begeisterung klauben publizistische Altwarensammler auf, was dem Ansehen der Regierung schaden könnte. Das ist zwar Europas ohnehin brüchiger Partnerschaft alles andere als förderlich, gehört aber zur gängigen Praxis hier ansässiger Filialleiter deutscher Blätter. Und in Leuten vom Schlage eines Herrn Voggenhuber finden sich eilfertige Opfer ihrer Eitelkeit für eine miese Show zum Nachteil Österreichs.

Claus Pandi
Claus Pandi

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