Fr, 14. Dezember 2018

Gletscherforschung

04.12.2018 15:54

Uni Graz dokumentiert den Zerfall der Pasterze

Forscher des Instituts für Geographie und Raumforschung der Universität Graz messen seit vielen Jahren die Veränderungen des Eises an der Pasterze, dem größten österreichischen Gletscher, um dessen langfristiges Abschmelzen zu dokumentieren.

In einer soeben im renommierten Journal „Earth Surface Processes and Landforms“ erschienenen Publikation beschreiben die Geographen der Universität Graz den rapiden Zerfall der Gletscherzunge zwischen 1998 und 2012. Messungen zeigen, dass das Eis allein in diesem Zeitraum fast 75 Meter eingesunken ist und immer stärker von Geröll bedeckt wird. „In ein paar Jahrzehnten wird von der Gletscherzunge nur mehr ein schuttbedeckter Eisrest bleiben“, sagt Andreas Kellerer-Pirklbauer, Erstautor der aktuellen Publikation.

Im Mittelpunkt der Beobachtungen standen die Entwicklung der Gletscherspalten, die Abschmelzung sowie der Einfluss des Schmelzwassers auf den Eiszerfall. „Unsere Messungen machen deutlich, dass die Neubildung von Spalten mehr mit dem Zerfall als mit der Bewegung des Gletschers zu tun hat“, berichtet Kellerer-Pirklbauer. „In den 14 Jahren des Untersuchungszeitraums ist die Gletscherzunge um 25 Prozent kleiner geworden und der See davor stark angewachsen. Gleichzeitig hat die Geschwindigkeit des Eiszuflusses von den höheren Bereichen - also auch aus den Karen unterhalb des Großglockners - rasant abgenommen.“ Dass sich die Gletscherspaltendichte zwischen 1998 und 2012 verdoppelt hat, sei ein weiteres Zeichen dafür, dass die Pasterze langsam zerfällt."

Neben dem an der Oberfläche sichtbaren Eis ist auch das sogenannte “Toteis„, das von Schutt bedeckt noch im Untergrund vorhanden, aber nicht mehr mit dem Gletscher verbunden ist, von großem Interesse. Seit September 2018 leitet Kellerer-Pirklbauer ein vom Glockner-Öko-Fonds gefördertes Forschungsprojekt mit dem Ziel, Toteisvorkommen im Gletschervorfeld zu quantifizieren und deren Entwicklung zu beobachten. “Auch das verborgene Eis nimmt rasant ab. Beschleunigt wird der Prozess durch das Einfließen von Schmelzwasser aus dem gesamten Einzugsgebiet", erklärt der Geograph. Löst sich Eis aus der Sohle des Sees, taucht es häufig in Form von Eisbergen auf - ein faszinierendes Naturereignis.

Andreas Kellerer-Pirklbauer ist Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Alpine Landschaftsdynamik (ALADYN). Er und sein Kollege Gerhard Lieb leiten auch ehrenamtlich den Gletschermessdienst des Österreichischen Alpenvereins.

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
3 Verwandte erschossen
Was trieb den Grafen von Bockfließ zu der Bluttat?
Niederösterreich
Glamouröser Auftritt
Die schönsten Kleider für die Festtage
Beauty & Pflege
Lebenserleichterung
Diese Dinge werden Eltern von Kleinkindern lieben
Spielzeug & Baby
Rührende Aktion
Freund erzählt blindem Liverpool-Fan live das Tor
Fußball International
„Verwerfliche Tat“
Prozess: Bank während Haftausgang überfallen
Niederösterreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.