18.11.2018 22:00 |

„Gutes Ergebnis“

Metaller: Einigung auf Lohnplus von 3,46 Prozent

Nach 64 Stunden in sieben Verhandlungsrunden hat es am Sonntagabend die ersehnte Einigung beim Metaller-KV für die Metalltechnische Industrie mit rund 126.000 Beschäftigten gegeben. Damit wurden weitere von der Gewerkschaft angedrohte Streiks abgewendet. Die Löhne und Gehälter steigen um durchschnittlich 3,46 Prozent. Die Gewerkschaft sieht ein „ordentliches und gutes Ergebnis“. Der Abschluss gilt grundsätzlich für alle Lohnrunden - und speziell für rund 67.000 weitere Metaller in anderen Teilbereichen - als richtungsweisend.

Neben umfangreichen Zugeständnissen im Rahmenrecht als Ausgleich für die neuen Arbeitszeitregeln, die den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche erleichtern, erhalten die Mitarbeiter doch recht ordentliche Erhöhungen der Löhne bzw. Gehälter. Der Lohn-/Gehaltsanstieg ist gestaffelt: Es gibt ein Plus von drei bis 4,3 Prozent, im Durchschnitt sind das 3,46 Prozent. Ab 1. Juli 2019 gibt es Zuschläge von 100 Prozent für die elfte und zwölfte Arbeitsstunde bzw. ab der 51. Wochenstunde. Auch Lehrlinge bekommen künftig mehr Geld.

Bereits vor Beginn der siebenten Verhandlungsrunde hatten am Sonntag sowohl die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerseite eine Einigung für möglich gehalten - sofern sich das jeweilige Gegenüber noch etwas bewege. Die Arbeitnehmer, vertreten durch die Chefverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp), hatten bekanntlich ein Plus von fünf Prozent als Ziel, was von Arbeitgeber-Chefverhandler Christian Knill, Obmann des Fachverbands der Metalltechnischen Industrie, von Beginn an als überzogen bezeichnet worden war. Knill hatte ein Plus von 2,7 Prozent angeboten.

„Ordentliches und gutes Ergebnis“
Nach der Einigung erklärte Wimmer, gehe es nach den Gewerkschaften, sollen die Abschlüsse in den weiteren Metaller-Bereichen gleich ausfallen. Er sieht ein „ordentliches und gutes Ergebnis“. „Wir haben für die Arbeitszeit einfach etwas gebraucht“, sagte Wimmer zu den Zugeständnissen im Rahmenrecht. „Die Bundesregierung hat es möglich gemacht, dass zwölf Stunden angeschafft werden können, ohne dass sich die Arbeitnehmer wehren können.“ Die elfte und zwölfte Stunde bekämen nun einen 100-prozentigen Zuschlag. „Das heißt, wir haben sie verteuert.“ Es gibt auch eine bezahlte Pause von zehn Minuten, wenn jemand die elfte und zwölfte Stunde bzw. die 51. Stunde in der Woche arbeiten muss. „Das ist ein wesentliches Element bei unseren Verhandlungen gewesen.“

„Auch großer Schritt für Lehrlinge“
Sein Mitverhandler Dürtscher freute sich, dass für Gleitzeitmitarbeiter sechs bezahlte Gleittage im Jahr (drei pro Halbjahr) fixiert wurden. Und Wimmer fügte hinzu: „Für die Lehrlinge ist auch ein großer Schritt gelungen. Die Lehrlingsentschädigungen steigen im Durchschnitt um zehn Prozent. Das ist eine tolle Geschichte.“ Auch bei der Nachtarbeit gibt es Änderungen, die Zulagen steigen jährlich über vier Jahre um jeweils gut sieben Prozent. „Das ist auch ein gewaltiger Schritt“, so der PRO-GE-Chef. Die Mindestlöhne steigen um 4,3 Prozent oder mindestens 80 Euro pro Monat.

Arbeitgeber: „Anerkennung für Arbeitnehmer“
Arbeitgeber-Chefverhandler Knill sprach von einem Abschluss, der „letztendlich doch deutlich unter dem Forderungspaket der Gewerkschaften“ ausfiel, aber trotzdem genug koste. Das Paket sei eine „klare Anerkennung für unsere Arbeitnehmer“. Die Entgelterhöhung liege deutlich über der Inflation. Sein Verhandler-Kollege Veit Schmid-Schmidsfelden (Fertinger) hob die „signifikante Erhöhung der Lehrlingsentgelte“ hervor. „Auch bei den Nachtzulagen in der Schichtarbeit kommt es in den kommenden Jahren zu einer überproportionalen Erhöhung.“ Zudem gehe das Flexibilitätsmodell in der Metalltechnischen Industrie - das Zeitkontenmodell -, das schon vor Jahren eingeführt wurde, „nun unbefristet in den Kollektivvertrag ein“.

Sein Mitverhandler Stefan Ehrlich-Adam (EVVA-Geschäftsführer) nahm die Bundesregierung in die Pflicht: „Es liegt auch an der Regierung, ihren Anteil zu leisten, dass die Arbeitskosten in unserem Land nicht weiter steigen. Wir brauchen eine Reduktion der Lohnnebenkosten.“ Dass sich die Lohnspirale über die Kalte Progression nach oben dreht, müsse beendet werden. „Vom heutigen Abschluss profitiert auch der Finanzminister sehr stark.“ Es müsse künftig „mehr Netto vom Brutto übrigbleiben“.

Mit Warnstreiks Druck erhöht
In der vergangenen Woche hatten die Gewerkschaften den Druck mit kurzen Warnstreiks verstärkt und am Freitag nach der sechsten erfolglosen Verhandlungsrunde damit gedroht, ab Montag ganze Arbeitsschichten ausfallen zu lassen, sollte die Arbeitgeberseite am Sonntag erneut nicht nachgeben.

Richtungsweisender Abschluss
Beim Metaller-KV geht es streng genommen um sechs verschiedene Kollektivverträge für insgesamt rund 192.000 Beschäftigte. Der Abschluss in der Metalltechnischen Industrie mit alleine gut 126.000 Mitarbeitern gilt als richtungsweisend und ist praktisch stets Vorlage für die fünf weiteren KV gewesen, seit diese vor einigen Jahren getrennt wurden.

Neben der Metalltechnischen Industrie gibt es noch die KV-Bereiche Fahrzeugindustrie mit 34.000 Mitarbeitern, Bergbau-Stahl mit 17.000 Beschäftigten, Gießereiindustrie mit 7400 Leuten, Nichteisen-Metallindustrie mit 6400 Arbeitern und Angestellten sowie Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen mit 2000 Mitarbeitern.

Im Vorjahr wurden die Verhandlungen für einen einheitlichen Metaller-Kollektivvertrag am 17. November abgeschlossen. Die Ist-Löhne und Mindestlöhne sowie Ist-Gehälter und Mindestgrundgehälter stiegen um drei Prozent. Die Lehrlingsentschädigungen und Zulagen wurden ebenso um drei Prozent angehoben. Der Mindestlohn bzw. das Mindestgrundgehalt betrug daher seither 1848 Euro.

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