Mi, 14. November 2018

Neues Album & Konzerte

05.11.2018 07:00

Nino aus Wien: Lieber Buschenschänke als Hallen

Auf seinem zehnten Album „Der Nino aus Wien“ verbindet ebenjener so geschickt wie nie zuvor alle Phasen seiner aufstrebenden Karriere. Der 31-Jährige ist längst Anführer einer jungen Generation neuer Liedermacher und beweist mit textlicher und instrumentaler Souveränität, dass er mit dem Druck von außen locker umgehen kann. Denn: „Es muss nicht jedes Lied das beste werden.“

Wenn in den Musikjournalen wieder einmal davon die Rede ist, warum Band X nach so vielen Jahren des Bestehens nur mehr Schund aufnimmt, sich langweilig selbst reproduziert oder aber eine klangliche Kehrtwende macht, die vielleicht mutig klingt, aber dämlich endet, wird einem verschmitzten Hirschstettner ein unfreiwilliger Schmunzler über die Lippen rutschen. Während sich der Gros der Künstler tatsächlich dabei schwertut, Elan, Esprit und Kreativität ihrer Anfangstage mit Fortdauer der Karriere zu bestätigen, gibt der Zahn der Zeit dem Nino aus Wien Flügel, anstatt an ihm zu nagen. Sein unlängst erschienenes neues Album ist das zehnte in ebensovielen Jahren, wobei selbst treue „Nino-Archivare“ und lebenslange Verfolger seines Schaffens nicht umhinkommen, es als Karrieremeisterwerk zu bezeichnen.

Kreis geschlossen
Dass der vielzitierte „Bob Dylan vom Praterstern“ mittlerweile in Simmering residiert, tut seiner Heimatliebe keinen Abbruch. Das hört man nicht zuletzt dem malerischen „Hirschstettner Lebensart“ an, eine Liebeserklärung an die Donaustadt, wie sie nur von einem herzhaften Transdanubier kommen kann. Dass das Album den schlichten Titel „Der Nino aus Wien“ trägt und das Cover nur ein goldener Schriftzug auf schwarzem Hintergrund ziert, ist ein bewusstes Spiel mit dem geliebten Understatement. „Es ist quasi mein Jubiläumsalbum - genau zehn Jahre nach meinem ersten. Es ist so ziemlich alles drauf, was ich bislang gemacht habe und damit stilistisch sehr bunt. Es gibt keinen bestimmten Sound, der sich da durchzieht, aber das macht auch gar nix.“ Die Ideen auf dem Werk sind auch bis zu zehn Jahre alt - für Nino Mandl war das nostalgische Zurückgreifen notwendig, um den Kreis zwischen Karrierestart und Gegenwart mit Jubiläum zu schließen.

Wenn Nino einmal in Erzähllaune kommt, dann hört man unweigerlich zu. Viele der althergebrachten Liedermacher-Freunde wollen es ja nicht zugeben oder sich eingestehen, aber zu einem Danzer oder Hirsch fehlen dem Mandl oft nur mehr Nuancen. Das ist keine Gotteslästerung an Österreichs instrumentale Wortpoeten, sondern eher der positive Hinweis darauf, dass es auch ein Leben nach den großen Alten gibt. Dass es bei uns gut weitergeht und man sich keine Sorgen machen muss. So wenig Sorgen, wie sich der Nino über seine SK Rapid („Unentschieden gegen Ried“) oder seinen Alkoholkonsum („Wer ist der Ärgste“) macht. In Sorge leben ist schließlich halb gestorben. Der Nino aus Wien schafft es so vorzüglich wie nie zuvor, dem typisch Wienerischen einen gehörigen Schuss Lebensfreude anzugedeihen. Das Glas kann schließlich halb voll und halb leer sein. Oder in den Worten von Nino zu seinem neuen Album: "Es ist eine Stimmungsschwankung von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt.

Musik verbindet
Ich habe beim letzten Album so lange über einen Titel nachgedacht, dass mich das fast verrückt gemacht hat. Dass ich mir dieses Mal keine Gedanken darüber machen würde, das wusste ich schon, bevor ich überhaupt mit den Liedern angefangen habe.“ So einfach es anhand seiner Diskografie scheinen mag, fällt dem Nino das Liederschreiben dann doch nicht. „Man muss sich schon oft dazu zwingen, aber wenn ich was mache, dann fühle ich mich einfach besser. Ich kann wirklich nicht viel mit mir anfangen, wenn ich nix tue. Es ist auch nicht mein Anspruch, dass jedes Lied das Beste sein muss. Auf ein Album gehören auch Füller, das sehe ich ganz entspannt.“ Ernst Molden, Natalie Ofenböck, Voodoo Jürgens oder Hubert Weinheimer sind nur einige der vielen Namen, mit denen er sich Bierglasl, Zigarette und Kreativität geteilt hat. Er schrieb über Träume und Bäume und wagte sich als Ur-Wiener sogar todesmutig tief in die West- und Südsteiermark. Musik verbindet auch über den Semmering hinaus.

Obwohl sich Mandl auch auf seinem neuen Album mit den Erlebnissen und Erfahrungen seines Lebens befasst, kommt ihm die Nostalgie mit 31 Jahren noch zu früh. „Das Zurückschauen hat zumindest jetzt noch keinen Sinn. Ich habe selten Momente, wo ich alte Sachen von mir höre und wenn, dann drehe ich meist schnell ab. Das spiele ich dann irgendwann meinen Enkeln vor, das ist früh genug.“ Der steigende Ruhm nagt zumindest unbewusst an den festgelegten Lebensrhythmen. Der deklarierte Nachtmensch kann heute nicht mehr frei von der Leber weg bis 6 Uhr morgens Spritzer trinken und Lieder schreiben - dafür gibt es zu viele Termine und Verpflichtungen tagsüber. All das, was ein anschwellender Bekanntheitsgrad eben an Vor- und Nachteilen mit sich bringt. „Das ist eigentlich schade, denn in der Nacht kommen mir schon die speziellsten Ideen. Wobei das Ergebnis eines Songs nicht an der Tageszeit, sondern an der Stimmung und bestimmten Gedanken liegt.“

Sehnsuchtsort
Während er sein vielgelobtes letztes Werk „Wach“ noch hauptsächlich in seiner zweiten Heimat Italien geschrieben hat, mischt sich das aktuelle Werk aus Songwritingsessions in München, Zürich, Locarno und Wien. Seine Sehnsuchtsliebe Triest soll deshalb aber nicht ins Hintertreffen geraten. „Mein größtes Hobby ist Spazierengehen und das geht in Wien und Trist wirklich gut. Auch von der Stimmung und der Architektur gibt es gewisse Parallelen zwischen den beiden Städten. Der Flix-Bus fährt mich um 25 Euro in nur sechs Stunden dorthin ans Meer. Mehr kann man sich gar nicht wünschen.“

Die Release-Show am 9. November in der Wiener Arena war so schnell ausverkauft, dass am Tag davor sogar eine Zusatzshow eingeschoben wurde. Dabei fühlt sich Nino am Wohlsten, wenn er auf der Bühne seine Ruhe hat. „Ich bin halt mehr so der Wirtshaussänger. Vor Wanda in der Stadthalle zu spielen war super, aber es liegt mir nicht so. Ich spiele lieber vor weniger Leuten, die dafür alle für uns kommen. Etwa in steirischen Buschenschänken.“ Bis dorthin gibt es aber noch größere Gigs zu absolvieren. Neben den zwei Arena-Auftritten etwa auch Shows Klagenfurt, Graz, Linz und St. Pölten. Alle Termine und Karten für die Konzerte vom Nino aus Wien gibt es unter www.derninoauswien.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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