Di, 20. November 2018

Kunstverein:

17.10.2018 07:11

Grenzgang zwischen den Fronten

Ashley Hans Scheirl kehrt mit Obszönitäten zurück in ihre Heimat, und ein Direktor auf Abwegen

Nach ihrer Teilnahme an der documenta 14 in Athen und Kassel stellt die Salzburger Transgender-Künstlerin Ashley Hans Scheirl nun erstmals in ihrer Heimat aus. Der Kunstverein bietet der Grenzgängerin, die nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch den Kunstgenres (Film, Performance, Malerei) switcht, bis Ende November eine Bühne.

„Ich freue mich sehr darüber, zudem ich hier in den 70ern bei einer Ausstellung von Maria Lassnig, die mich in meinem Schaffen sehr geprägt hat, so eine Art Schlüsselerlebnis hatte. Für mich ist die Ausstellung in gewisser Weise auch ein ,Homecoming’“, betont Scheirl, die es nach ihrem Studium an der Kunstakademie in Wien zunächst nach New York und dann nach London zog, wo sie auch die transgender Identität „Hans“ annahm.

„Ich hab mir zu meinem 40er eine Testosteron-Spritze gewünscht. Ab diesem Zeitpunkt war meine Stimmlage etwas tiefer und meine Gangart maskuliner. Mittlerweile habe ich aber wieder eine weibliche Identität, als Ashley, angenommen.“

Dieses Wechselspiel mit den Identitäten spiegelt auch ihre Kunst wider. In ihren Filmen, wie z.B. „Dandy Dust“ oder ihrer poppig bis fotorealistischen Malerei beleuchtet sie, gemäß der Dreiheit „Transgender, Transgenre, Transmedia“ Verbindungslinien zwischen dem Intimsten und dem Sozialen, zwischen Sexualität und Politik.

In ihrer aktuellen Schau „Ob_Scenery“ reflektiert und parodiert sie unsere von Konsum und Geltungsdrang getriebene Gesellschaft, und somit die Obszönität des Neoliberalismus, und verschränkt diese mit Symboliken des Sexuellen und Analen. Mit einem Exkrementhaufen, der überdimensionale Goldmünzen produziert, macht sie sich etwa über die Utensilien des Reichtums und den Spätkapitalismus lustig. Die Braun eingefärbten Wände erinnern an ihr Aufwachsen in einer konservativen Gesellschaft, geprägt von Vereinskultur und den Nachwirkungen des Faschismus. Außerdem spiegelt sie in ihren Selbstporträts, die aus einer nebeligen Dunkelheit heraustreten, die wiederholende historische Tragik und Ungerechtigkeit (die Grausamkeit der Menschen gegen sich selbst), aber auch ihr persönliches „Kampf“ zwischen den Geschlechtern, und die damit verbundene Ausgrenzung wider.

Der Kunstverein ist aber nicht nur Schauplatz für Scheirls Obszönitäten, vielmehr präsentierte Direktor Séamus Kealy unlängst auch den „Sobey Art Award“. „Dabei handelt es sich um einen mit 240.000$ dotierten Preis, der jährlich an kanadische Künstler unter 40 Jahren vergeben wird“, so Kealy, der Teil der internationalen Jury ist, und nun dafür gemeinsam mit Josée Drouin-Brisebois von der National Gallery of Canada auch in Salzburg die Werbetrommel rührt und gleichzeitig zum Kulturaustausch anregt.

„Wir hoffen natürlich, dass die fünf Künstler, die aus hunderten Bewerbern ausgewählt wurden, als Artists in Residence nach Österreich bzw. Salzburg eingeladen werden“, so Drouin-Brisebois. Mit Sicherheit interessant, zumal sich die Arbeiten nicht nur mit der Vielfalt der einzelnen Regionen Kanadas, sondern auch mit den unterschiedlichsten Genres befassen.

Tina Laske
Tina Laske

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