Sa, 15. Dezember 2018

Androsch über Kern

19.09.2018 12:55

„Der Doppelschlag kann SPÖ aus Depression helfen“

Die aktuelle Erschütterung der österreichischen Sozialdemokratie mit dem Rückzug auf Raten des Parteivorsitzenden Christian Kern (siehe auch Video oben) sieht ein früherer SPÖ-Finanzminister, Vizekanzler und absoluter Kenner der SPÖ auch als Chance - so sagte Hannes Androsch im Interview mit der „Krone“: „Vielleicht hilft dieser befreiende Doppelschlag der SPÖ aus der Depression.“ Der Abgang von Christian Kern Richtung EU sei „sehr ehrenvoll“, und der Unternehmer meint: „Vermutlich liegt Kern die EU-Politik mehr als die österreichische Innenpolitik.“

„Nein, das ist alles keinesfalls so negativ“, bewertet der Industrielle, der aktuell in Shanghai tätig ist, die momentane Situation der SPÖ. Im Telefonat mit der „Krone“ analysiert Androsch die Lage: „Das ist doch ein ehrenvoller Abgang für den Parteivorsitzenden. Und die SPÖ in die EU-Wahl zu führen, ist eine große und wichtige Aufgabe. Jetzt hat die Partei dafür einen bekannten und guten Spitzenkandidaten, Christian Kern kann damit viel gewinnen.“

Für Kerns mögliche Nachfolger an der Parteispitze werde es aber „sicher keine leichte Aufgabe“, die Partei zu übernehmen, sagt Androsch: „Damals sagte Bruno Kreisky, er werde zwar nicht mehr Bundeskanzler sein, aber den Parteivorsitz noch behalten. Mir war klar: Kanzler zu sein, das hätte ich schon geschafft. Aber dann irgendwann auch die Partei zu übernehmen - nein, das hat mir Angst gemacht.“

„Es muss wirklich kein 28-jähriger Kandidat sein“
Und deshalb meint der frühere Minister auch: „Gut wäre, wenn jemand alle Schmähs in der Partei kennt.“ Allerdings hält Androsch auch viel vom immer wieder als möglichen Kandidaten für SPÖ-Spitzenposten genannten Gerhard Zeiler: „Natürlich ist er etwas älter. Aber wir werden doch alle immer älter. Und es muss auch wirklich kein 28-jähriger Kandidat oder eine 28-jährige Kandidatin sein. Das muss nicht immer funktionieren.“

Für die mögliche Nachfolge kämen auch für ihn lediglich die bisher genannten Personen infrage: „Hans Peter Doskozil fände ich gut, auch wenn er in der Partei polarisiert. Aber gut möglich, dass er und Peter Kaiser noch länger in ihren Bundesländern in Deckung bleiben.“

Ob das Politik-Business damals in den 1970er- und 1980er-Jahren noch menschlicher und etwas weniger brutal war? Androsch: „Das war schon immer ein brutales Geschäft. Aber ja: Vielleicht ist es jetzt noch härter geworden.“

Richard Schmitt
Richard Schmitt

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