Problem nur verlagert

Praterstern-Alk-Verbot: „Es ist sehr schwierig“

Wien
27.07.2018 09:11

Das seit Ende April geltende Alkoholverbot am Wiener Praterstern hat laut Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger (Grüne) das Problem nur auf andere Orte verlagert. „Es ist sehr, sehr, sehr schwierig“, kritisierte sie die „populistische Maßnahme“.

Während Berufstätige, die den Praterstern auf den Weg in die Arbeit passieren müssen, mit dieser Maßnahme zufrieden sind, werden Anrainer rund um den Verkehrsknotenpunkt vor neue Probleme gestellt. „Es ist das eingetroffen, was zu erwarten war - dass die Leute sich nicht in Luft auflösen, sondern dass sie im Umfeld des Pratersterns bleiben. Die Bezirksbewohner sind jetzt damit konfrontiert, dass diese Menschen vor ihren Wohnhäusern das Quartier aufgeschlagen haben. Es werden nicht nur Bänke benutzt, sondern auch die Straße. Ich war am Montag in der Afrikanergasse, da sind sie am Gehsteig gelegen“, schilderte die Bezirkschefin.

(Bild: Andi Schiel)

Sozialarbeiter müssen ihre Klienten rund um Praterstern suchen
Insofern werde der Druck größer, „dass wir was unternehmen. Die Sozialarbeit ist gefordert, weil sie die Leute jetzt suchen muss. Am Praterstern hatten wir auch sanitäre Anlagen. Die gibt es weder auf der Praterstraße noch in der Heinestraße. Dies führt zu einem hygienischen Problem - teilweise auch neben Schanigärten“, so Lichtenegger über die Folgen der von ihr beobachteten Verdrängung: „Der Druck und die Schreiben der Anwohner und in jüngster Zeit auch der Hausverwalter und -besitzer werden mehr. Ich verweise sie dann auch an das Büro Ludwig.“

Polizisten am Wiener Praterstern (Bild: Reinhard Holl)
Polizisten am Wiener Praterstern

„Ich könnte lediglich alle Bänke im Bezirk abmontieren lassen“
Und was sagt Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der kurz vor seiner Amtsübernahme den Alkoholbann am Praterstern - auch zur Überraschung von Teilen der SPÖ - kurzerhand verordnete, zu Lichteneggers Kritikpunkten? „Es gab bisher noch keinen Kontakt mit dem Bürgermeister in dieser Frage“, bedauerte die Vorsteherin. „Nur mit der Sucht- und Drogenkoordination sind wir in engem Kontakt. Die Maßnahmen, die die Stadt versprochen hat, müssen gesetzt werden. Es gibt aber keinerlei Information darüber, wann die kommen. Wir im Bezirk haben keine Möglichkeit, Maßnahmen zu setzen. Ich könnte lediglich alle Bänke im Bezirk abmontieren lassen - was ich aber sicher nicht tun werde.“

Uschi Lichtenegger (Bild: APA/HERBERT P. OCZERET)
Uschi Lichtenegger

Bewertungszeitraum von einem Jahr für Lichtenegger „viel zu lange“
Laut Lichtenegger braucht es etwa - neben der Einrichtung „Stern“ - ein zusätzliches Tages- und Nachtzentrum für Betroffene oder die Rückkehr der Polizeistation am Praterstern. Hier höre sie, dass Pläne schon in der Schublade lägen. Die Stadt hatte außerdem eine zielgerichtete medizinische Versorgung und eine intensivere Betreuung von Obdachlosen in Aussicht gestellt. Fix ist für die Leopoldstadt-Chefin auch, dass die geplante Evaluierung des Verbots nach einem Jahr „viel zu lange“ sei. „Jetzt, nach drei Monaten, kann man schon klar die Auswirkungen sehen.“

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