Mo, 17. Dezember 2018

Identitären-Prozess:

24.07.2018 17:10

Rektor sprach von „martialischer Aktion“

Erneut drehte sich am Dienstag im Prozess gegen 17 Mitglieder der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) alles um die Steinigungsaktion auf der Universität Klagenfurt. Diesmal stand Rektor Oliver Vitouch Rede und Antwort: Eine „martialische“ Aktion sei das alles gewesen, außerdem habe ihm einer der Beteiligten einen Bauchschlag versetzt, als er ihn festhalten wollte.

„Oliver, komm schnell, das sind Identitäre!“, warnte eine Kollegin den Uni-Rektor per Telefon, nachdem sie zuvor „eine Gruppe Sonderbarer“ auf dem Weg zum Hörsaal C wahrgenommen hatte. Mitglieder der Identitären stürmten - wie berichtete - die Ringvorlesung eines Inklusions-Lehrgangs und stellten die Steinigung eines in Tracht Gekleideten durch Niquab-Träger nach. Schnell machte sich Vitouch auf den Weg zum Ort des Geschehens: „Es war tumultartig, daher habe ich die Polizei gerufen und einen festgehalten“, schildert er dem Richter die Situation. Der konnte sich aber losreißen, also ergriff er den nächsten. „Ich forderte ihn auf, seinen Namen zu sagen und sich auszuweisen. Er hat aber die geballte Faust gehoben und gelächelt. Dann hat er mir in den Bauch geschlagen und ist mit der Gruppe johlend davon.“ Eine Woche lang hatte Vitouch Schmerzen, von einer Anzeige will er aber Abstand nehmen.

Mit sinnvollem Diskurs habe die Aktion seiner Meinung nach nichts zu tun gehabt: „Das war ein Hörsaalsturm, eine martialische Aktion, eine pauschalisierende Gleichsetzung von Islam und islamischem Terror.“ Der „Gesteinigte“ in Tracht hätte ausgesehen wie Andreas Gabalier.

„Eine vernichtende, hasserfüllte Aktion“
Ebenfalls im Zeugenstand war der Leiter des Lehrganges. „Anstatt normal mitzudiskutieren, was jedem zugestanden wäre, setzten sie eine vernichtende, hasserfüllte Aktion.“ Warum er keine kritischen Stimmen, wie Politiker, zur Podiumsdiskussion geladen hatte, wollte der IBÖ-Verteidiger wissen. „Es sollte keine politische Veranstaltung sein“, meinte der Befragte.

Mit einem Urteil kann vermutlich noch diese Woche - also früher als ursprünglich angenommen - gerechnet werden.

 krone.at
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