Di, 16. Oktober 2018

Zweckentfremdet

22.07.2018 12:55

Militärflugzeuge bringen Briten in den Urlaub

Mit der Militärmaschine nach Mallorca: Weil sie nicht für den Kriegseinsatz benötigt werden, fliegen für Milliarden britische Pfund angemietete Flugzeuge der Royal Air Force (siehe Video oben) stattdessen Tausende Touristen auf die spanische Urlauberinsel und an andere Destinationen. Während das Verteidigungsministerium darin ein Mittel zur Kostensenkung sieht, sprechen Kritiker von Steuergeldvernichtung und einem schlechten Geschäft, das Soldatenleben kostet.

Insgesamt 10,5 Milliarden Pfund kostete die aus 14 Airbus A330 bestehende Miet-Flotte den britischen Steuerzahler. Eigentlich sollen die Flugzeuge Bomber betanken und britische Truppen in Kriegsgebiete bringen, der umstrittener Leasing-Deal aus dem Jahr 2008 mit dem Charter-Unternehmen AirTanker - einem Unternehmenskonsortium, dem unter anderem Airbus und Rolls Royce angehören - erlaubt dem Verteidigungsministerium jedoch auch die kommerzielle Nutzung der Maschinen.

Neun der Zweistrahler sind permanent für die britische Luftwaffe im Einsatz, die anderen fünf stehen als Reservemaschinen sowohl für die Royal Air Force als auch für zivile Charterkunden zur Verfügung. So sollen laut „Daily Mail“ zuletzt drei der Maschinen im Auftrag der Fluggesellschaften Thomas Cook und Jet2 Tausende Touristen nach Mallorca, Teneriffa, New York und Florida befördert haben.

„Schlechte Deals wie diese kosten Leben“
Dem Bericht nach sollen die intern „Voyager“ genannten Flugzeuge noch nie für militärische Operationen verwendet worden sein, was ihre Anschaffung umso mehr infrage stellt. „Schlechte Deals wie diese quetschen den Verteidigungshaushalt aus“, zitiert die Zeitung einen Insider aus dem Verteidigungsministerium. Die Voyager-Maschinen seien einer der Gründe, „warum wir für mehr Mittel kämpfen müssen, um verheerende Kürzungen anderswo zu vermeiden.“

Noch drastischer formuliert es der ehemalige Heeresminister John Spellar gegenüber dem Blatt: “Das Endergebnis ist, dass schlechte Geschäfte wie diese Leben kosten. Voyager hat dem Verteidigungsministerium so wenig Geld gelassen, dass die Truppen ohne erstklassige Ausrüstung auskommen mussten. Sie wurden auch weniger bezahlt und mussten in unzureichenden Unterkünften leben. Milliarden Pfund wurden verschwendet und ein privates Konsortium konnte enorme Gewinne einstreichen.“

Verteidigungsministerium weist Vorwürfe zurück
Das britische Verteidigungsministerium weist die Vorwürfe indes zurück: Die Voyager-Flugzeuge spielten „
eine Schlüsselrolle beim Schutz des britischen Luftraums und im Kampf gegen den Islamischen Staat. Und während unsere Kernflotte die Arbeit macht, die wir brauchen, können wir die zusätzlichen Flugzeuge kurzfristig anfordern, wenn wir sie brauchen. Wenn wir sie nicht verwenden, ist es sinnvoll, dass sie andere Aufgaben übernehmen, da dies unsere Kosten senkt und sie schneller einsatzbereit sind, als wenn sie eigelagert werden würden.“

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.