Sa, 23. Juni 2018

Festival in Graz:

07.06.2018 15:39

Die Gesellschaft zur Rede stellen

Das heurige Dramatiker*innen-Festival in Graz steht ganz im Zeichen der „Rede!“. Passenderweise wurde es nach zahlreichen Festansprachen im Grazer Schauspielhaus mit einem fordernden Theatermonolog und einem Dialog zwischen Geflüchteten und Senioren eröffnet.

Starke Ansagen kamen bei der Eröffnung von zwei Frauen, die sich von Hasstiraden nicht mundtot machen lassen: Autorin Stefanie Sargnagel rechnete in ihrer humoristischen Manier mit den Gegnern aus der rechten Ecke ab, Journalistin Susanne Scholl wiederum rief zum sorgsamen Umgang mit Sprache auf. Ein Plädoyer fürs Theater zeigten Fiston Mwanza Mujila und Philipp Hauß mit „Theater der Grausamkeit“ als künstlerischer Auftakt. Mal brüllten sie, mal erzählten sie, mal auf Deutsch, mal auf Französisch, aber immer ergreifend intensiv.

„Rede!“, das bedeutet vor allem, miteinander in einen Dialog zu treten. In „Der Pakt“ von Uta Plate treffen junge Geflüchtete auf österreichische Senioren. Gegenseitig erkunden sie ihre Lebenswelten. Bei manchen Fragen muss man schmunzeln über Eigenheiten: „Warum essen Österreicher immer nur Brot?“, fragen die Geflüchteten etwa. Eine Sisi mit Kopftuch wird zum Symbol einer optimistischen Zukunft - doch die Realität besteht nicht aus filmreifer Romantik, sondern aus abgelehnten Asylanträgen.

Mission Menschlichkeit
Das Festivalmotto wurde auch im belgischen Gastspiel „Mission“ exemplarisch auf die Bühne gebracht: Zwei Stunden dauert die Ansprache von Pater André, der von den Höhen und Tiefen seiner missionarischen Arbeit im Kongo erzählt: Es ist der Monolog eines Humanisten, der von seiner Berufung an die Grenzen des Menschlichen geführt wird: Er sät Hoffnung, wo keine möglich scheint und erlebt Gewalt, für die es keine Worte gibt. Er hadert mit dem Bürokratismus des Vatikans, mit afrikanischem Aberglauben und den Oberflächlichkeiten, die er bei Heimatbesuchen erlebt.

Bruno Vanden Broecke ist mit der Figur des Paters derart verwachsen, dass er am meisten zum Ausdruck bringt, wenn er um Worte ringt, seine Sätze in der Mitte abbricht. Man spürt ohnehin, was er sagen will. Denn in „Mission“ wird die Sinnsuche eines Einzelnen zur wirkmächtigen Reflexion über das Menschsein.

Erfolge mit Gegenwartsdramatik
Der Fokus auf die Gegenwartsdramatik, den Iris Laufenberg dem Schauspielhaus verliehen hat, trägt übrigens nicht nur bei diesem Festival Früchte: Am Tag der Eröffnung wurde auch bekannt, dass ihr Haus 2019 Partnertheater der Autorentheatertage in Berlin sein wird - und in dieser Funktion das Wiener Burgtheater ablöst.

Infos zum Festival und Tickets gibt es hier

Hannah Michaeler und Christoph Hartner

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