Sa, 18. August 2018

Starker Herausforderer

26.05.2018 09:00

Xiaomi Mi Mix 2: Preistiger aus China am Prüfstand

In China schon lang eine große Nummer, betritt der fernöstliche Smartphone-Hersteller Xiaomi derzeit die europäische Bühne. Er eröffnete jüngst seinen ersten Store in der Shopping City Süd in Vösendorf. Fans loben durchdachtes Design, flottes Interface, saubere Verarbeitung, sprechen gar vom chinesischen Apple der erschwinglichen Preise. Aber ist da wirklich ein neuer Elektronik-Heiland über uns gekommen? Wir haben uns das am Beispiel Xiaomi Mi Mix 2 - erhältlich beim Mobilfunker Drei und im Handel - genauer angeschaut.
Hier geht‘s zum Produkt. 

Für unter 400 Euro im Handel und gratis zum 40-Euro-Mobilfunkvertrag, bietet das Xiaomi-Smartphone einiges auf. Ein fast randloses Display à la iPhone X ist ins sauber verarbeitete Alu-Keramik-Chassis gebettet, an der Rückseite gibt es Fingerscanner und Kamera mit optischer Bildstabilisierung. Vieles davon fand man bis vor Kurzem nur in der weit teureren Oberklasse.

Werfen wir einen Detailblick auf die Hardware:

Xiaomi Mi Mix 2

CPU

Qualcomm Snapdragon 835: 4 x 2,45 + 4 x 1,9 GHz

RAM

6 GB

Display

5,99 Zoll (IPS, 2160 x 1080)

Speicher

64 - 128 GB

Kamera

12 Megapixel (F/2.0): Phase-Detection-Autofokus; Optische Bildstabilisierung; Dual-LED-Blitz

Frontkamera

5 Megapixel

Akku

3400 mAh (lädt via USB-C)

Varianten

64 GB: Ab ca. 390 Euro
128 GB: Ab ca. 700 Euro

Konnektivität

LTE, Gigabit-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC, GPS, GLONASS, BeiDou

Gehäuse

151,8 x 75,5 x 7,7 Millimeter, 185 Gramm

Extras

Fingerscanner (Rückseite)
Metall-Keramik-Chassis
Dual-SIM

Software

Android 8.0 (via Update)

Die 128-Gigabyte-Version ist unverhältnismäßig teuer. Wohl eine Folge der Knappheit, weil der chinesische Hersteller noch keine allzu riesigen Stückzahlen nach Europa exportiert. Und schmerzlich, weil keine microSD-Karten unterstützt werden. Der zweite SIM-Slot nimmt ausschließlich SIM-Karten an.

Kamera kann nicht mit Huawei und Samsung mithalten
Was noch auffällt: Die Kamera kann es nicht ganz mit den Huawei P20s und Samsung S9s dieser Welt aufnehmen - aber die spielen auch in einer ganz anderen Preisklasse. Für halb so viel Geld ist die Xiaomi-Kamera aber auch keine halbe Portion, sie liefert gerade bei Tages- oder hellem Kunstlicht mit einer bisweilen etwas längeren Fokussierphase sehr brauchbare Ergebnisse.

Im Zwielicht neigt sie deutlich schneller als die Konkurrenz zu Bildrauschen, zum Glück ist ein durchaus potenter Blitz an Bord. Insgesamt also noch immer guter Durchschnitt, aber keine Top-Kamera - trotz aufgeräumter Software.

Apropos: Nicht nur in der Kamera-App hat man sich designtechnisch recht nah am Rivalen aus Cupertino orientiert. Standardmäßig gibt es keinen App-Launcher, alles landet am Homescreen, helle Farben dominieren. Es ist aber vieles anpassbar.

Kein Kopfhöreranschluss, keine Speicherkarten
Noch zwei Sachen, die auch Apple und Huawei bei ihrer Oberklasse pflegen: Es gibt keinen Kopfhöreranschluss mehr - Adapter von USB-C liegt bei - und der Speicher ist nicht erweiterbar. Das lösen andere Hersteller kundenfreundlicher.

Beim reinen Arbeitstempo gibt es indes rein gar nichts an dem Smartphone aus China zu bemängeln, der Qualcomm-Chip bietet auch für Spiele mehr als genug Power. Das hauseigene Interface - darunter lief am Testgerät Android 8 - ruckelt nicht und reagiert schnell, die deutsche Übersetzung ist weitgehend gelungen. Es gibt einige recht praktische Funktionen: Gestensteuerung, ein Second-Desktop-Feature, viele Anpassungsmöglichkeiten. Macht einen guten Eindruck!

Update behob Software-Problemchen
Bei der Installation kann es zu Komplikationen mit dem Google Play Store kommen - öfter der Fall bei Handys aus Fernost. Wir haben alle Updates aufgespielt, erst danach war unser Benchmark-Tool installierbar. Dann die erfreuliche Erkenntnis: Im AnTuTu-Test kommt das Mi Mix 2 auf 190.000 Punkte. Oberklasse und in Wahrheit mehr Power, als man im Alltag bräuchte.

Sauber verarbeitet, exzellentes Display
Die große Stärke des Mi Mix 2 ist ohne Zweifel seine Verarbeitung. Zwar nicht wasserfest, aber ansprechend im Handling und wertig in der Haptik, steht es doppelt so teuren Geräten in kaum etwas nach. Es liegt durch die schmalen Ränder kompakt und griffig in der Hand. Das gefällt!

Vor allem auch wegen des tollen Displays. An drei Seiten fast bis zum Gehäuserand reichend, erfreut es das Auge mit hoher Schärfe und Helligkeit, natürlicher Farbdarstellung, guter seitlicher Ablesbarkeit. Damit ist es auch für draußen adäquat.

Für Selfies wird das Gerät gedreht
Etwas ungewöhnlich: Für Selfies wird das Gerät gedreht, weil die Kamera unterhalb des Displays ist. Außerdem ist die Selfie-Kamera ebenso mittelprächtig wie die Hauptkamera. Für den Alltag der meisten Nutzer ausreichend, aber kein Vergleich zu den ganz teuren Modellen.

Bei der Akkulaufzeit nimmt man sich wiederum nicht viel. Dort und da werden die meisten Nutzer das Gerät täglich laden - ein zweiter Tag ist auch beim Xiaomi nur bei sparsamer Nutzung drin. Gamer zutzeln den Akku auch zweimal am Tag leer, wenn sie wollen. Der Rest wird beim täglichen Laden landen.

Deutlich mehr Stärken als Schwächen
Die Stärken überwiegen letzten Endes die Schwächen. Verarbeitung, Handling, Display, Power und vor allem Preis-Leistung sprechen für das Xiaomi. Die Software hat uns letzten Endes auch ganz gut gefallen, nur die Kamera und der Verzicht auf Audioklinke und Speicherkarte ziehen das ganze Paket ein wenig nach unten. Wer darauf nicht den größten Wert legt, hat im Mi Mix 2 aber einen sehr guten Begleiter gefunden.

Fazit: Mit dem Mi Mix 2 greift Xiaomi die Oberklasse frontal an und wird sicherlich einige Kunden gewinnen. In Europa bereits auf dem vierten Platz bei den Verkaufszahlen, könnten die Chinesen mit ihrer aggressiven Preispolitik Apple, Samsung und Huawei - bisher die großen Drei - gemeinsam mit HMD/Nokia gehörig in Bedrängnis bringen. Die Anfänge sind sehr zur Freude des Kunden gemacht: Nachdem die Preise für Top-Smartphones in den vergangenen Jahren gehörig angezogen haben, könnte das Niveau in diesem Wettbewerbsumfeld wieder sinken.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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