Mi, 17. Oktober 2018

Sicherheitsoffensive

25.04.2018 12:34

Nach Unfällen: Drastische Maßnahmen bei den ÖBB

Drastische Schritte bei den ÖBB: Nach mehreren Unfällen sowie Sicherheitsvorfällen in den letzten zwei Jahren wurde am Mittwoch ein Maßnahmenpaket präsentiert, das es durchaus in sich hat: Nicht nur Mitarbeiter, die an Zwischenfällen direkt beteiligt sind, sondern auch die verantwortlichen Führungskräfte werden künftig beurlaubt und müssen sich einer „intensiven Safety-Nachschulung“ unterziehen, hieß es. Zudem werden mehrere Pilotversuche gestartet.

Viele der Unfälle und Sicherheitsvorfälle der vergangenen zwei Jahre seien auf regionale Performance-Probleme oder auf den sogenannten Hausbrauch zurückzuführen, analysierten die ÖBB. „Schlamperei und fehlendes Qualitätsbewusstsein können nicht weiter toleriert werden und müssen von den jeweiligen Führungskräften behoben werden“, hieß es. ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä kündigte den Start eines konzernweiten Programms unter dem Namen „Sicherheit auf Schiene“ an. Dazu holt man sich zwei externe, weisungsfreie Fachleute an Bord. „Ein Experte wird von der Schweizer Bahn kommen, ein anderer aus dem Industriebereich mit dem Fokus auf Organisation und menschliches Verhalten“, berichtete Matthä, der sich erste Ergebnisse noch vor dem Sommer erwartet.

Drei Pilotversuche
Gestartet wird der Pilotversuch „Voice Recording“. In der Luftfahrt zählt die Aufzeichnung aller Sprachaktivitäten seit Langem zur Sicherheitsroutine. „Ab Sommer wollen wir auf der S-Bahn-Stammstrecke rund 70 Züge mit Geräten zur Sprachaufzeichnung ausrüsten“, kündigte Matthä an. Nach einer Evaluierung der Erkenntnisse im Dezember soll über Sinnhaftigkeit und Möglichkeiten für flächendeckende Sprachaufzeichnungen entschieden werden.

Ebenso führe man einen laufenden Pilotversuch für die Auswertung des Funkverkehrs im Verschubbereich zur Fehlerprävention fort. „Für all diese möglichen Erneuerungen haben wir bereits ein Sonderbudget von 30 Millionen Euro bereitgestellt“, so Matthä.

Ein dritter Pilotversuch soll helfen, die Triebfahrzeugführer bei ihren komplexen Arbeitsabläufen zu unterstützen. Hierbei bedient man sich eines Modells, das bereits bei der Ausbildung von Flugpiloten angewandt wird. Dabei werden laut ÖBB Prozessabläufe und Handlungen während der Zugfahrt mit Codes versehen und von den Triebfahrzeugführern eingeübt. So werde ermöglicht, dass komplexe Prozesse relativ vereinfacht im Unterbewusstsein gespeichert und dadurch automatisiert werden.

Verletzte bei Verschubunfall, „Geisterzug“
Erst am Freitag war es am Salzburger Hauptbahnhof zu einem folgenschweren Verschubunfall gekommen, bei dem insgesamt 54 Menschen verletzt wurden. Überdies machte sich am selben Tag auch noch ein Güterzug in Oberösterreich selbstständig und war über 30 Kilometer lang als „Geisterzug“ unterwegs, ehe er entgleiste.

 krone.at
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