Schock in Frankreich

Islamist ermordet und verbrennt in Paris Jüdin

Ausland
27.03.2018 12:33

Ein mutmaßlich antisemitisch motivierter Mord an einer 85-jährigen Jüdin schockt ganz Frankreich. Die mit Messerstichen übersäte und teilweise verbrannte Leiche der Frau war am Freitag in deren Wohnung in einem Sozialbau in Paris entdeckt worden, nachdem eine Nachbarin wegen des Brandes die Feuerwehr gerufen hatte. Der Täter – ein Nachbar der Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll – und ein Komplize wurden am Wochenende verhaftet und am Dienstag in U-Haft genommen.

Nach Angaben ihres Sohnes kannte die Rentnerin ihren Mörder, einen 1989 geborenen Franko-Maghrebiner, bereits seit dessen Kindheitstagen, die Familien waren sogar befreundet gewesen. Der Mann, der laut Polizei wegen Vergewaltigung vorbestraft war, hatte die Frau öfter besucht. Als er der alten Dame aber drohte, sie zu „verbrennen“, meldete die 85-Jährige das der Polizei – offenbar ihr Todesurteil.

In diesem Sozialbau im Süden von Paris wurde die Holocaust-Überlebende ermordet und verbrannt. (Bild: APA/AFP/Thomas Samson, facebook.com, krone.at-Grafik)
In diesem Sozialbau im Süden von Paris wurde die Holocaust-Überlebende ermordet und verbrannt.

Zwei Verdächtige in U-Haft
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Paris wurden die zwei verhafteten Männer am Dienstag in Untersuchungshaft genommen. Sie geht davon aus, dass die Frau, die nach Angaben ihres Sohnes anno 1942 nur knapp der Deportation entkommen war, wegen ihres jüdischen Glaubens Opfer der Gewalttat wurde.

Jüdische Gemeinde geschockt
Vertreter der jüdischen Gemeinde reagierten schockiert. Großrabbiner Haim Korsia sprach auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter vom „Horror des Verbrechens“ und der „Gewalt der Peiniger“.

Der jüdische Dachverband Crif forderte von den Behörden „vollständige Transparenz“ bei den Ermittlungen und rief für Mittwoch zu einem Gedenkmarsch auf.

Macron verurteilt „entsetzliches Verbrechen“
Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte am Montag am Rande seines Besuches in Jerusalem, ein judenfeindliches Motiv erscheine „plausibel“. Der Fall zeige auch, wie wichtig der Kampf gegen den Antisemitismus sei. Präsident Emmanuel Macron äußerte sich am Dienstag bestürzt über das „entsetzliche Verbrechen“ und bekräftigte seine „absolute Entschlossenheit“, gegen Antisemitismus vorzugehen.

Emmanuel Macron (Bild: AFP)
Emmanuel Macron

Bestärkt wird die Empörung in Frankreich durch die Tatsache, dass sich der Mord rund ein Jahr nach der Ermordung einer 65-jährigen orthodoxen Jüdin in Paris zugetragen hat - eine Bluttat, die erst vor Kurzem als mutmaßlich judenfeindlich motiviert eingestuft wurde.

Mordopfer entkam 1942 nur knapp den Nazis
Knoll war im Alter von zehn Jahren vor einer Großrazzia gegen mehr als 13.000 Juden in Paris mit ihrer Mutter nach Portugal geflohen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie in die französische Hauptstadt zurückgekehrt und hatte einen Holocaust-Überlebenden geheiratet.

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