Grüne Spitze

Werner Kogler wird zweiter Vize von Glawischnig

Österreich
09.10.2009 13:11
Bundessprecherin Eva Glawischnig hat sich am Freitag den politerfahrenen Steirer Werner Kogler als zweiten Vizeparteichef an ihre Seite geholt. Der 47-Jährige ist ein grünes Urgestein und war in den 80ern Gründungsmitglied der Alternativen Liste Steiermark und Österreich. Kogler ist langjähriger Parlamentarier und Leiter des Rechnungshofausschusses sowie auch Glawischnigs Stellvertreter im Parlamentsklub. Glawischnig sieht sich damit "gut aufgestellt" für das Wahljahr 2010.

Der frühere Geschäftsordnungsexperte der Grünen gilt als pragmatischer Realo und ist bemüht, Aufdecker zu sein, etwa in den diversen Skandalen rund um Grasser - auch in der aktuellen BUWOG-Affäre. Öffentlich präsent war der studierte Volkswirt im Parlament mit seiner Funktion als Leiter des Rechnungshofausschusses sowie als Mitglied des Eurofighter- und Bankenausschusses. Mehr Aufmerksamkeit war ihm dabei vor allem im Bankenausschuss gewährt, bei den Jets stand er im Schatten von Peter Pilz.

Glawischnig: "Gut aufgestellt"
Glawischnig sieht mit der Erweiterung der Parteispitze durch Werner Kogler, den sie als "pragmatisch und zielorientiert" beschrieb, ihr grünes Team für "das wichtige Wahljahr 2010 gut aufgestellt". Kogler sei ein profilierter Kontrollpolitiker und eine gute Ergänzung. Der neue Vizechef gab "Macht durch Kontrolle und Macht durch Regierungsbeteiligung" als Motto für die kommenden Jahre aus. Bei Wirtschafts- und Steuerfragen setzt der 47-Jährige auf die Entwicklung grüner Jobs - "grüne Arbeitsplätze statt rot-schwarzer Schrottprämie" - und eine Verschiebung der Steuerbelastung nach oben.

Mit der enormen Budgetbelastung durch die Krise zwinge sich die Frage nach der Finanzierung und damit Grundfragen der Gerechtigkeit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts auf, so Kogler. Es gehe darum, ob wieder die Masse, "die es eh schon erwischt hat", belastet werde oder auch Konzerne und Superreiche einen Beitrag leisten müssen.

Kogler will Vermögensbesteuerung
Konkret schweben Kogler vermögensbezogene Steuern im Bereich der Stiftungen, Spekulationen und großen Erbschaften vor. "Österreich ist ein Steuerparadies für Superreiche." Die 3.000 Reichsten seien dazu eingeladen worden, ihr Vermögen in Stiftungen zu verstecken, kritisierte er die Steuerprivilegien. Würde man nur die Hälfte dieser Privilegien streichen, käme eine "ansehnliche Summe" zusammen. Kogler sprach von einem Betrag im Bereich von einer Milliarde.

Die übliche Debatte um die Besteuerung von Häuselbauern in Zusammenhang mit der mittlerweile abgeschafften Erbschafts- und Schenkungssteuer will er sich dabei nicht aufzwingen lassen, denn es gehe den Grünen nur um den Spitzenbereich. Grundsätzlich ist für Kogler eine Debatte, wie man das fehlende Geld eintreibt, unausweichlich, die anderen Parteien geben das nur nicht zu. Aber "mit dem Unfug ist jetzt Schluss", er freue sich schon auf die Diskussionen mit SPÖ und ÖVP, so Kogler.

Glawischnig, Kogler und Vassilakou riefen bei der gemeinsamen Pressekonferenz nach der Wahl Koglers einmal mehr das "Duell zwischen Grün und Rechts" aus. Vassilakou kündigte im Vorfeld der Wien-Wahl eine Jugendinitiative an. Sie wolle die jungen Wähler vor die Frage stellen, ob sie mit der FPÖ von Heinz-Christian Strache den "Weg der Isolation, Hetze und Spaltung der Gesellschaft" oder den "grünen, europäischen und weltoffenen Weg" gehen wollen.

Vielredner, Wirtschafts- und Finanzexperte
Für die Position an der Parteispitze empfahl sich der stets loyale Kogler während Glawischnigs Babypause als guter Verhandler in Sachen Bankgeheimnis. Gemeinsam mit dem BZÖ rang er der Regierung mehrere Zugeständnisse ab. Als Gegenleistung gab es die Stimmen für die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Der Unternehmersohn gilt ohnehin als Wirtschaftsexperte der Ökopartei und ist auch Budget- und Finanzsprecher. Im Parlament meldet sich Kogler, der seinen oststeirischen Akzent auch in Wien behalten hat, gerne zu Wort. Er war mehrere Male Nummer Eins der jährlich erstellten Rednerliste im Nationalrat.

Geboren wurde der SK-Sturm-Fan am 20. November 1961 als Sohn eines Getreidehändlers in Hartberg. Nach der Matura mit Auszeichnung am Bundesrealgymnasium in Gleisdorf studierte er Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften. 1981 war er bei der Gründung der Alternativen Liste Graz und 1982 bei jener der Alternativen Liste Steiermark und Österreich mit dabei. Von 1985 bis 1988 war der 47-Jährige Gemeinderat in Graz. Seit 1999 ist er Nationalratsabgeordneter und spielte zeitweise im Mittelfeld des FC Nationalrat. Kogler ist ledig und hat keine Kinder.

2005 wurde Kogler nach parteiinternen Querelen zum Landessprecher der Grünen in der Steiermark gewählt. Ausüben wollte er die Funktion eigentlich nur etwa ein Jahr: "Ich bin ja kein Sanierungsmanager." Offenbar doch, denn den Posten hat Kogler noch immer.

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