Mi, 18. Juli 2018

Brief aufgetaucht

24.01.2018 16:11

Überlebte Bankräuber Flucht aus Alcatraz?

Es war einer der spektakulärsten Gefängnisausbrüche, die die Welt je gesehen hat: Das Brüderpaar John und Clarence Anglin brach 1962 gemeinsam mit Frank Morris aus dem berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis auf der Insel Alcatraz in der Bucht von San Francisco aus. Es wurde angenommen, dass das Trio bei seiner Flucht in der starken Strömung ertrunken ist. Doch das FBI ist sich da nicht so sicher: Die Behörde ermittelt in dem "Cold Case" seit 2013, weil sie einen Brief von einem der Enflohenen erhalten hatte, wie nun bekannt wurde.

Die Flucht von der Gefängnisinsel war so eindrucksvoll, dass sie sogar in dem Hollywood-Streifen "Die Flucht von Alcatraz" mit Clint Eastwood verfilmt wurde. Innerhalb von zwei Jahren gruben die drei Häftlinge mit Essbesteck einen Tunnel durch die Belüftungsgitter hinter ihren Zellen. Über den Lüftungsschacht und das Dach gelangten sie ins Freie, wo sie in einem selbst gebastelten Schlauchboot aus Regenmänteln und Rettungswesten in See stachen. Die Leichen wurden nie gefunden. Die Männer saßen wegen Banküberfällen im Gefängnis.

Vermeintlicher Ausbrecher klagt über "schlechte Verfassung"
Über den Verbleib des berüchtigten Trios wurde seitdem viel spekuliert – auch das FBI begann vor wenigen Jahren Ermittlungen dazu. Anlass war ein handgeschriebener Brief eines Mannes in seinen Achtzigern, der behauptet, einer der Entflohenen zu sein. "Mein Name ist John Anglin. Ich bin aus Alcatraz 1962 mit meinem Bruder Clarence und Frank Morris geflohen. Ich bin 83 Jahre alt und in schlechter Verfassung. Ich habe Krebs. Ja, wir haben es geschafft in dieser Nacht, aber nur knapp!", erzählt der mutmaßliche Ausbrecher in dem Schriftstück.

Die US-Marshals ermitteln noch heute in dem Fall. Sie berichteten, dass das FBI den Brief auf Fingerabdrücke und DNA-Spuren untersucht hatte. Auch die Handschrift wurde geprüft - ergebnislos.

Deal vorgeschlagen: Nur ein Jahr Gefängnis und medizinische Hilfe
Der Verfasser der Zeilen im Brief schlägt einen Deal vor: "Wenn Sie im Fernsehen verkünden, dass ich nicht länger als ein Jahr ins Gefängnis muss und medizinische Hilfe bekomme, dann schreibe ich zurück und teile Ihnen mit, wo ich mich genau befinde. Das ist kein Scherz." Der angebliche Flüchtige erzählt noch mehr aus seinem bisherigen Leben: Er habe nach dem Ausbruch in Seattle gelebt, dann einige Jahre in North Dakota und er würde nun im südlichen Kalifornien wohnen. Seine Komplizen seien beide schon gestorben. Frank Morris sei seit 2008 und sein Bruder Clarence seit 2011 tot.

Auf den Kuhhandel wollten sich die US-Marshalls allerdings nicht einlassen, wie sie dem Fernsehsender KPIX 5 in einem Statement erklärten: "Es gibt keinen Grund zu glauben, dass nur einer von ihnen sein Leben verändert hätte und nach der Flucht ein gesetzestreuer Bürger geworden wäre."

Neffe: "Auf gewisse Art und Weise hat Alcatraz sie gerettet"
Doch nicht alle sehen das so. Fred Brizzi, der mit dem Brüderpaar aufwuchs, behauptete bis an sein Lebensende 1993, dass die beiden Männer ihre Flucht überlebten, und legte sogar ein Foto als Beweis vor. Der Neffe der Anglin-Brüder, Ken Widner, meint: "Ich denke, Alcatraz war eine Lebensveränderung. Dieses Gefängnis war schließlich die letzte Station für alle Gefangenen. Nachdem sie es verlassen hatten, war es eine Reise ohne Wiederkehr." Er vermutet, dass es keine Option für die Männer gewesen sei, erneut straffällig zu werden und hinter Gittern zu landen. "Auf eine gewisse Art und Weise hat Alcatraz sie gerettet und einen neuen Weg für sie geebnet", mutmaßt Widner.

Forscher rätseln, ob Flucht möglich war
Seit Jahrzehnten wird gerätselt, ob die Flucht der Männer wirklich geglückt sein könnte. Teile des selbst gebastelten Schlauchbootes, das sie für die Flucht verwendeten, wurden an Land gespült und geborgen. Aufgrund der starken Strömung und der eiskalten Wassertemperaturen waren die meisten, die einen Fluchtversuch wagten, ertrunken. Computermodellen zufolge könnte es jedoch möglich gewesen sein – auch wenn die Chance sehr gering ist. Berechnungen anhand der Gezeitenströmung zeigen, dass sie die nördliche Seite der Golden Gate Bridge erreichen hätten können – vorausgesetzt, sie wären zum richtigen Zeitpunkt losgepaddelt.

Vom Gefängnis zur Touristenattraktion
Der Betrieb des Gefängnisses wurde 1963 - nur ein Jahr nach der Flucht der Anglin-Brüder und Frank Morris' - für immer eingestellt. Die ganze Insel wurde in ein Museum umgewandelt und ist eine beliebte Touristenattraktion.

Miriam Krammer
Miriam Krammer

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