So, 22. Juli 2018

Höchste Warnstufe 5!

22.01.2018 15:24

Angst vor Todeslawine: Ausnahmezustand in Alpen

Am Montagvormittag ist nach heftigsten Schneefällen in Tirol und Vorarlberg die höchste Lawinenwarnstufe 5 ausgerufen worden. Nun fürchten die Menschen eine mögliche Todeslawine wie jene, die im Jahr 1999 in Galtür abgegangen war. Meteorologen und Lawinenwarndienst geben keine Entwarnung, im Gegenteil: Eine Warmfront überquert Österreich und lässt die Lawinengefahr weiter ansteigen. Zudem soll noch mindestens ein halber Meter Neuschnee dazukommen. Zahlreiche Ortschaften sind von der Außenwelt abgeschnitten.

Gewaltige Neuschneemengen sind auf den Bergen zusammengekommen, und es ist weiterhin kein Ende in Sicht: Ab Montag überquert uns eine Warmfront, die Schneefallgrenze steigt auf rund 1000 bis 1500 Meter Seehöhe an. Laut Neuschneeprognose des Lawinenwarndienstes ist ein weiterer halber Meter Neuschnee auf den Bergen zu erwarten, zudem steigen die Temperaturen an. Die allgemeine Warnstufe für Tirol und Vorarlberg ist nun gebietsweise mit 5 die höchstmögliche - zuletzt war dies im Jahr 1999 der Fall. Fast überall sonst ist sie mit 4 als "groß" eingestuft.

Ein Hubschrauber wurde in die Landecker Pontlatzkaserne verlegt, drei weitere Transporthubschrauber des Bundesheeres wurden zur Stationierung in Landeck angefordert. Das Land Tirol riet, in allen Gebieten mit Lawinenwarnstufe 5 ab sofort keine Outdoor-Veranstaltungen mehr durchzuführen sowie nicht notwendige Autofahrten und den Aufenthalt im Freien zu vermeiden.

Vor allem in Vorarlberg und Nordtirol sollen in der Nacht nochmals 50 bis 80 Zentimeter Neuschnee dazukommen, besonders oberhalb von etwa 1500 Metern Seehöhe. In den tiefen Lagen Westösterreichs dürfte der Schneefall am Montag allmählich in Regen übergehen. In Salzburg, im Bergland von Ober- und Niederösterreich sowie im Norden der Obersteiermark kommen bis Dienstagfrüh noch zehn bis 30 Zentimeter Schnee dazu. Auch hier wird es in tiefen Lagen vermehrt regnen. Im übrigen Österreich schneit oder regnet es nur wenig, im Süden scheint zeitweise die Sonne. Erst am Dienstag sollte sich die Lage langsam wieder entspannen.

Lawinen-Selbstauslösungen befürchtet
Besonders gefährlich ist die Lage oberhalb von 1800 Metern Seehöhe. Der Lawinenwarndienst sprach von einer "kritischen" Lawinensituation. Sowohl Neu- als auch Triebschnee seien sehr störanfällig. Im Tagesverlauf sei zunehmend mit Selbstauslösungen von Lawinen zu rechnen. Ausgelöste Schneebretter können zum Teil auch bis in tiefere Schichten durchbrechen und dann große Ausmaße annehmen. Dadurch könnten auch exponierte Verkehrswege und Siedlungen gefährdet sein.

Mehr als vier Meter Schnee
Die Stationsmesswerte zeigen gewaltige Schneemassen an - auf der Seegrube bei Innsbruck beispielsweise 3,20 Meter, bei Serfaus Masner 3,26 Meter, am Pitztaler Gletscher 3,30 Meter. Spitzenreiter ist bislang die Ulmerhütte im Gebiet Arlberg/Außerfern mit 4,12 Metern Schnee.

Orte von der Außenwelt abgeschnitten
Der ÖAMTC listete zeitweise mehr als 30 Straßensperren auf. Aufgrund der hohen Lawinengefahr war das hintere Paznauntal im Tiroler Oberland mit den Tourismusorten Kappl, Ischgl und Galtür am Montag nicht erreichbar. Rund 10.000 Urlauber waren vorerst im Tal eingeschlossen. In Galtür war die Situation trotz des Anstiegs der Lawinengefahr auf die höchste Stufe entspannt. Erinnerungen an die verheerende Lawinenkatastrophe aus dem Jahr 1999 kommen nicht hoch, sagte Bürgermeister Anton Mattle: "Das war eine ganz andere Situation." Damals habe es drei Wochen lang intensiv geschneit, so Mattle: "Diesmal waren es drei Tage." Zahlreiche Straßen wurden gesperrt, die Westbahnstrecke zwischen Landeck und Bludenz wurde unterbrochen.

In Vorarlberg saßen am Montag geschätzte 10.000 Urlauber in den Arlberg-Orten Lech, Zürs und Stuben sowie in Gargellen im Montafon fest. Die entsprechenden Zufahrtsstraßen blieben wegen Lawinengefahr gesperrt, auch die Arlbergbahnstrecke ist zwischen Bludenz und Landeck-Zams noch bis mindestens Dienstagvormittag nicht befahrbar.

Bei der Lawinenkatastrophe von Galtür waren im Februar 1999 unter anderem das Dorf Galtür sowie die Siedlung Valzur teilweise verschüttet worden. Insgesamt waren 38 Todesopfer zu beklagen, 48 Personen wurden teils schwer verletzt. Die Sachschäden beliefen sich auf rund elf Millionen Euro. Es war eines der größten Lawinenunglücke in der Geschichte Österreichs und gleichzeitig der Auslöser der größten Evakuierungsaktion mittels Hubschraubern.

Lawinengefahr auch in anderen Landesteilen
Nach neuerlichen Schneefällen seit Sonntag bleibt die Lawinengefahr ebenso im Bundesland Salzburg in weiten Teilen groß - Warnstufe vier auf der fünfteiligen Skala. Auswirkungen des Winterwetters zeigten sich auch im Straßenverkehr: Auf vielen höheren Verbindungen bestanden Sperren oder Kettenpflicht, auch im Großraum Salzburg kam es in der Montagfrüh zu starken Behinderungen.

In Teilen Niederösterreichs herrschte am Montag ebenfalls zum Teil große Lawinengefahr. In den Ybbstaler Alpen und im Rax-Schneeberg-Gebiet oberhalb von 1200 Metern wurde das Risiko mit Stufe 4 beurteilt. Darunter und in den Türnitzer Alpen galt Stufe 3 ("erheblich"), teilte der Warndienst Niederösterreich mit.

Die Lawinensituation in Oberösterreichs Alpenraum hat sich ebenso weiter verschärft: Der Warndienst des Landes hat für Höhen ab 1400 Metern Lawinenwarnstufe 4 ausgegeben. Die Lage sei "sehr angespannt und kritisch", da sich der Neuschnee noch nicht setzen konnte. Der Pyhrnpass wurde für den Straßenverkehr gesperrt.

In Teilen der Steiermark herrschte am Montag ebenfalls große Lawinengefahr, Schneefälle und Wind hatten die Situation verschärft. Auf fast allen Bergstraßen wurde Kettenpflicht für alle Fahrzeuge verhängt, die Straße zwischen dem salzburgischen Filzmoos und der steirischen Ramsau ist wegen drohender Lawinen gesperrt. Auf den schneeglatten Fahrbahnen gab es etliche Unfälle.

Stärkste Schneefälle seit 1999 in der Schweiz
In weiten Teilen der Schweiz wurde bereits die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen. Seit 1999 habe es nichts Vergleichbares gegeben, sagte eine Sprecherin des Schweizer Wetterdienstes. Die Region Zermatt war bereits das zweite Mal innerhalb von zwei Wochen weder per Bahn noch per Straße erreichbar. Ein Hubschrauber-Shuttle konnte wegen des schlechten Wetters nur einige Gäste, die abreisen wollten, ausfliegen. Viele Bergbahnen stellten ihren Betrieb ein, sodass nur wenige Pisten offen waren.

Kronen Zeitung/krone.at

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