"Ich bin um mein Leben gelaufen und habe nur gewartet, bis es hinter mir kracht", sagt der Exekutor vor Gericht. Die Stimme zittert noch immer, obwohl seither vier Monate vergangen sind. Auch dem Anwalt, der ihn bei der Amtshandlung begleitet hatte, schlottern noch die Knie.
Angeklagter hielt sich für "Retter"
Ganz anders sieht's der Angeklagte, ein 42-jähriger Leibnitzer. Damals sei er der Retter in höchster Not gewesen und die anderen die Bösen. Als der Anwalt und der Exekutor in der Wohnung aufgetaucht wären um ausständige Gerichtskosten von der Lebensgefährtin einzutreiben, hätte ihn diese angerufen und um Hilfe angefleht.
"Für mich waren die beiden Einbrecher, die ihr den Schmuck stehlen wollten", sagt er. Dass es sich bei einem Eindringling um einen Advokaten gehandelt hatte, dem er schon oft begegnet war, übersah der "Retter" in der Eile. Er sei hereingestürmt, habe auf die Pistole, die aus seiner Hosentasche ragte, gedeutet und "Polizei"
geschrien.
"Dann hat er die heulende Frau in den Nebenraum geschoben - so, als wollte er sie aus der Schusslinie bringen", sagt der Exekutor. Das war jener Moment, in dem er samt Anwalt über den Balkon ins Freie flüchtete. "Er hat uns einen halben Kilometer lang verfolgt."
Urteil nicht rechtskräftig
Der Grazer Richter Martin Wolf ist überzeugt, dass der Mann wusste, wer die beiden waren: "Gerichtsvollzieher sollen nicht um ihr Leben fürchten müssen!" Urteil: Ein Jahr Haft, vier Monate davon unbedingt. Nicht rechtskräftig.
von Werner Kopacka, "Steirerkrone"
Symbolbild
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.