Di, 25. September 2018

Mission WM 2010

29.10.2008 14:09

Maradona soll Argentinien nach Südafrika führen

Diego Armando Maradona ist ein Mythos. Auf dem Rasen stand er stets als begnadeter Ballartist im Mittelpunkt, aber außerhalb der Stadien dribbelte sich Argentiniens Fußball-Held oft ins Abseits. Weltmeister, Serienmeister, UEFA-Cup-Sieger, Dopingsünder, gescheiterter TV-Moderator und Kokain-Junkie in Personalunion - mit diesen Worten lässt sich sein bisheriges Leben prägnant beschreiben. Doch nun will "Dieguito" ein neues Kapitel aufschlagen und als argentinischer Teamchef beweisen, dass er auch als Trainer erfolgreich sein kann.

Bisher hat es der nur 1,68 Meter große Superstar lediglich auf zwei Kurzzeitengagements als Coach argentinischer Erstligisten gebracht, die alles andere denn glorreich verlaufen waren: Seine Tätigkeit bei Deportivo Mandiyu Corrientes endete Anfang Dezember nach nicht einmal zwei Monaten wegen chronischer Erfolglosigkeit, hatte er es doch in zwölf Pflichtspielen nur auf einen einzigen Sieg gebracht. Beim Racing Club Avellaneda hatte er wenig später nach knapp zweieinhalb Monaten das Handtuch geschmissen, nachdem es in elf Partien nur zwei Erfolge zu feiern gegeben hatte.

Kein Wunder also, dass die fußballverrückte argentinische Nation eher mit gemischten Gefühlen auf die Teamchef-Berufung von Maradona, der am Donnerstag seinen 48. Geburtstag feiert, reagierte. Bei einer Schnellumfrage der Online-Ausgabe der Zeitung "Clarin" klickten fast 75 Prozent der Teilnehmer die Option "nicht zufrieden" mit der Entscheidung an. Am liebsten wäre den Fans der "Albiceleste" ein seriöserer und vor allem erfahrenerer Kandidat wie zum Beispiel Carlos Bianchi gewesen.

Einzigartige Karriere
Maradona hat als Aufsteiger aus ärmsten Verhältnissen kaum eine Gelegenheit ausgelassen, sich das Leben zur Hölle zu machen. Schon im Alter von neun Jahren wurde der am 30. Oktober 1960 in einem Armenviertel am Rande der Millionenmetropole Buenos Aires geborene "Goldjunge" ("El pibe d'oro") für den Profi-Fußball entdeckt. Mit 16 debütierte er im Nationalteam, neun Jahre später führte er seine Heimat in Mexiko zum zweiten WM-Titel. Dabei schoss er im Viertelfinale gegen England erst das 1:0 mit "der Hand Gottes". Den zweiten Treffer erzielte er nach einem atemberaubenden Dribbling über den halben Platz. Nach 91 Länderspielen und 34 Team-Toren sagte er schließlich "adios".

"Er hält sich für einen Gott"
Genialität und Größenwahn, glänzende Siege und bittere Niederlagen etwa im WM-Finale 1990 gegen Deutschland (0:1), sportliche Höchstleistungen, Kokain- und Alkoholexzesse, vor einem Jahr von den Medien voreilig für tot erklärt, jetzt überraschend Teamchef - immer geht es mit Maradona in atemberaubendem Tempo auf und ab. "Ich glaube, er hält sich für einen Gott, und das könnte einer der Gründe für seine Probleme sein", sagte der Leiter der Klinik Guemes in Buenos Aires, Hector Pezzella, wo der Ex-Kicker 2007 wieder einmal wegen seiner aufgrund von exzessiven Drogenkonsums hervorgerufenen gesundheitlichen Probleme in Behandlung war.

Grotesker Rummel
Das extreme Pendeln zwischen himmelhoch jauchzendem Übermut und verzweifelter Niedergeschlagenheit ist auch vielen seiner Landsleute nicht fremd. Der Rummel um Maradona nimmt teilweise groteske Ausmaße an. So gibt es ein Maradona-Museum, ein Maradona-Musical und sogar eine Maradona-Kirche, in der das "Diego Unser" gebetet wird. Sein positives Image wurde jedoch schon früh durch Kokaineskapaden und undiszipliniertes Verhalten getrübt. Negativer Höhepunkt war sein WM-Ausschluss 1994 in den USA nach einem positiven Dopingtest auf Ephedrin.

Mehrmals am Tod vorbeigeschrammt
Nach dem Ende seiner Profikarriere 2001 ging es turbulent weiter. Wegen Kokainkonsums schrammte er einige Male knapp am Tode vorbei, verbrachte Monate in Krankenhäusern, machte eine Entziehungskur auf Kuba bei seinem Freund Fidel Castro, wurde so fett, dass er kaum noch sprechen konnte. 2005 ließ er sich dann in Kolumbien operativ den Magen verkleinern und speckte von 121 auf 73 Kilogramm ab. Als Moderator einer eigenen TV-Show feierte er schließlich ein umjubeltes Comeback in der Öffentlichkeit, aber nur ein paar Monate später wurde das Programm abgesetzt und Maradona zum "schlechtesten TV-Moderator 2005" in seiner Heimat gekürt.

Mit Maradona zur WM 2010
Doch all diese Skandale will Maradona nun hinter sich lassen, denn schließlich sei seine Berufung als Teamchef für ihn "so wichtig wie die Geburt meiner beiden Töchter Dalma und Giannina". Sein erstes Ziel als Trainer der Nationalmannschaft ist die erfolgreiche Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika. Nach zehn der insgesamt 18 Spiele rangieren die "Weiß-Himmelblauen" nur auf Platz drei der südamerikanischen Quali, weshalb auch der bisherige Teamchef Alfio Basile am 16. Oktober nach einer einer 0:1-Niederlage in Chile seinen Hut nahm.

Teamchef-Debüt gegen Schottland
Maradona wird sein Debüt als Nationaltrainer am 19. November bei einem Testspiel gegen Schottland geben. Manchester-United-Star Carlos Tevez freut sich auf seinen neuen Chef bereits. "Was kann es für einen Spieler eine bessere Motivation geben, als Diego zum Trainer zu haben", betonte der 24-jährige Offensivspieler. Auch Barcelona-Jungstar Lionel Messi, dem kein gutes Verhältnis zu Maradona nachgesagt wird, hat "kein Problem" mit dessen Bestellung. "Ich bewundere ihn dafür, was er dem argentinischen Fußball gegeben hat", sagte der 21-Jährige, der schon oft mit seinem legendären Landsmann verglichen worden ist.

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