0:3 gegen Gauchos

Wut und Scham nach Brasiliens Niederlage

Olympia
20.08.2008 13:01
"Schande, Schmach, Demontage" - nach der 0:3-Niederlage durch den Erzrivalen Argentinien prasselt auf Brasiliens Olympia-Fußballer um den entzauberten Kapitän Ronaldinho in der Heimat die heftigste Kritik seit Jahren nieder. Unter Beschuss von Experten, Anhänger und Medien ist nach der "Schande von Peking" vorallem der ohnehin umstrittene Teamchef Carlos Dunga geraten ist. Sogar der volksnahe Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva meckerte nach dem 0:3 (0:0) gegen den Olympiasieger, das er live in seinem Amtsbüro verfolgt hatte.

"Ich war in meinem Leben noch nie so wütend wie heute", übermittelten Parteikollegen die Worte des Präsidenten, der damit tausenden fassungslosen Fußball-Fans aus dem Herzen sprach.

"Die Mannschaft ist ins tiefste Dunkel gestürzt. Man darf verlieren, aber nicht so. Viele Spieler haben am Ende den Kopf verloren und wild um sich geschlagen", schimpfte Ex-Nationalspieler Falcao. Lucas (81.) und Thiago Neves (85.) sahen "Rot" nach üblen Frust-Fouls - der gedemütigte Ronaldinho jammerte kleinlaut: "Es ist ein großer Schmerz, für den ich keine Erklärung habe."

Brasilianer boten Standfußball
Dabei war der Grund für das Versagen ganz einfach: Der Rekord-Weltmeister agierte ängstlich gegen die "Gauchos", die nun am Samstag (06.00 Uhr) im Nationalstadion von Peking gegen Nigeria in einer Neuauflage des Endspiels von Atlanta 1996 um Gold kämpfen. Die Argentinier haben den Titel 2004 im Athen, die Afrikaner 1996 in Atlanta gewonnen, während Brasilien zumindest noch vier weitere Jahre auf den ersten Olympia-Coup warten muss.

Das "magische Dreieck" mit Wirbelwind Lionel Messi, dem zweifachen Torschützen Sergio Aguero sowie Kapitän und Elfmeterschütze Roman Riquelme versetzte die fast 53.000 Zuschauer in Entzücken, hingegen boten Ronaldinho, Diego und Co. armseligen Standfußball. Selbst Argentiniens Ex-Star Diego Maradona befand als Zuschauer: "Ich habe Brasilien schon lange nicht mehr so schwach und defensiv gesehen. Niemand hat Ronaldinho geholfen."

Dunga hatte das böse Echo vom Zuckerhut schon geahnt. "Natürlich wird der Druck größer werden und es wird Zweifel an mir als Trainer geben", sagte er in den Katakomben des Arbeiterstadions. Trotzig und fast schon provozierend fügte der ehemalige Profi hinzu: "Ich werde meinen Plan nicht ändern." Dungas Kollege Sergio Batista hatte leicht lachen. "Wir haben ein großes Spiel gezeigt, unser Lektion gegen Brasilien gelernt, gewartet und sind nicht blind gestürmt", resümierte Argentiniens Teamchef.

Selecao spielt gegen Belgien um Bronze
Seit drei Jahren haben die Brasilianer nicht mehr gegen Argentinien verloren - aus dem ersten Fußball-Gold im Zeichen der Ringe könnte jetzt bestenfalls Bronze werden. Am Freitag (13.00 Uhr MESZ) trifft die "Selecao" im Spiel um Platz drei in Schanghai auf Belgien und tanzt dabei nach dem Pfeiferl des Tiroler FIFA-Schiedsrichters Thomas Einwaller, der zu seinem zweiten Olympia-Einsatz kommt.

Ronaldinho versuchte, seine Mannschaft für diesen Olympia-Kehraus im "kleine Finale" aufzumuntern. "Meine Aufgabe ist es, meine Mitspieler dafür nochmals zu motivieren und stimulieren. Unser Ziel war Gold, aber es war leider nicht möglich", klagte der einst weltbeste Fußballer, der nach seiner spektakulären Flucht vom FC Barcelona zum AC Milan an einem kritischen Punkt seiner Karriere angekommen ist.

Während die Brasilianer das Weite suchten, genossen Messi und Co., den Triumph und Aufstieg in vollen Zügen. Im Team-Bus hämmerten sie mit den Fäusten gegen die Scheiben, tanzten und sangen. Auch Maradona war überwältigt: "Die Burschen haben alles gezeigt, was sie drauf haben. Aguero explodierte, Riquelme hat die Brasilianer zerstört, ebenso Messi." Im Mittelpunkt der Fiesta stand der 20-jährige Aguero, dessen Olympia-Glanztaten Freund und Feind sowie Neutrale gleichermaßen erfreuten.

Nigeria siegt im zweiten Halbfinale
Die Super-Eagles aus Nigeria setzten sich in Shanghai gegen Belgien durch Treffer von Olubayo Adefemi (17.), Chinedu Obasi (59., 72.) und Chibuzor Okonkwo (78.) mit 4:1 durch. Den Belgiern, der bisherigen Überraschungsmannschaft des olympischen Fußball-Turniers, gelang durch Laurent Ciman (88.) lediglich der Hauch einer Ergebniskorrektur.

Somit kommt es am Samstag in Peking zu einer Neuauflage des Olympia-Finales von 1996. Damals hatte Argentinien gegen Nigeria überraschend mit 2:3 das Nachsehen. Brasilien und Belgien spielen bereits am Freitag (13.00 Uhr MESZ) in Shanghai um die Bronzemedaille.

Fußball - Männer - Halbfinale:

Argentinien - Brasilien 3:0 (0:0)
Peking
Tore: Aguero (52.,58.), Riquelme (76./FE)
Rote Karten: Lucas (81./BRA)),Thiago Neves (85./BRA) 

Nigeria - Belgien 4:1 (1:0)
Shanghai, 56.312 Zuschauer
Tore: Adefemi (17.), Obasi (59., 72.), Okonkwo (78.) bzw. 4:1 Ciman (88.)

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