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Foto: GEPA / Video: ÖSV

Warum der ORF auf Drohnen verzichtet

23.12.2015, 12:07

Majestätisch, bisweilen gespenstisch schwebt sie durch die Nacht: Das Bild jenes Drohnen- Typs, der beim Madonna- Slalom fast auf Marcel Hirschers Kopf geknallt wäre (siehe Video oben), ist einprägsam. Dass derartige Geräte abstürzen, ist durchaus nicht unüblich. Bei vom ORF produzierten Ski- Rennen (in Österreich) wäre ein derartiger Vorfall dennoch unmöglich. Kamera- Drohnen werden schlicht nicht eingesetzt. Auch weil die FIS sich an sich klar gegen den Gebrauch derartiger Gerätschaften ausspricht...

Lorenzo Conci, Chef des Organisationskomitees für den Madonna- Slalom, zeigte sich nach dem Rennen geknickt. Und hatte den Schuldigen schnell parat: TV- Rechteinhaber infront, die Firma, die das Rennen produzierte. infront verschanzt sich vorerst hinter einem knappen Statement auf der Homepage. Sinngemäß bedauert man dort den Vorfall, ist aber gleichzeitig erleichtert, dass niemand zu Schaden kam, und kündigt an, den Vorfall genau zu untersuchen.

Gleiche Funkfrequenz wie Handys

Detaillierte Berichte werden mit Spannung erwartet. Vermutlich gesellten sich bei dem Drama in Madonna aber zu menschlichem Übermut auch die üblichen technischen Tücken. "Die Geräte haben eine relativ kurze Akku- Haltedauer von etwa 15 Minuten", erklärt ORF- Sport- Chefregisseur Michael Kögler im Gespräch mit sportkrone.at. Womöglich stürzte die Drohne also ab, weil der Akku leer war. Gerade bei einem Großevent mindestens ebenso problematisch und riskant: Die Dinger funken auf der gleichen Frequenz wie Handys. "Das ist bei einem Event der Größenordnung des Madonna- Slaloms natürlich eine Gefahr", sagt Kögler. Gemunkelt wird sogar, dass der Pilot in Madonna bei seinem Fluggerät eine Art Not- Crash eingeleitet hat, weil er aufgrund einer Frequenz- Überschneidung keinen Zugriff mehr auf die Drohne hatte. Die FIS hält sich vorerst bedeckt, verweist auf die zu erwartende Presseerklärung von infront.

Wie Wasserkübel aus dem fünften Stock

Beim Madonna- Slalom kam vermutlich ein "klassischer Octocopter" zum Einsatz, wie Kögler es nennt, inklusive Kamera etwa sieben Kilogramm schwer. Flughöhe: 15 bis 20 Meter. "Wenn dieses Ding zu Boden stürzt, hat es in etwa die Wirkung eines Wasserskübels, der aus dem fünften Stock eines Wohnhauses zu Boden fällt", sagt Physiker und "Krone"- Kolumnist Werner Gruber .

Risiko zu groß

Die Gründe dafür, Drohnen überhaupt einzusetzen, liegen auf der Hand: "Die Bilder sind durchaus spektakulär und die Produktion ist relativ kostengünstig", sagt Kögler. Bei Extremsportarten ist der Einsatz von Drohnen etwa Usus. "Wir haben uns vor der Ski- WM in Schladming ebenfalls mit dem Thema beschäftigt, uns aber aus voller Überzeugung dagegen entschieden", sagt Kögler. Aus einem einfachen Grund: "Das Sicherheitsrisiko ist zu groß." Der ORF setzt bei selbst produzierten Rennen lieber auf das kostenintensive Prinzip des Seilzugs.

Abgesehen davon benötigt man für jeden Drohneneinsatz eine durchaus aufwendig zu ergatternde Genehmigung der AustroControl, der österreichischen Luftfahrtbehörde. Basierend darauf, wäre es - etwa beim Nightrace in Schladming - ohnehin verboten, die Drohne etwa über Zuschaueransammlungen oder gar die Piste schweben zu lassen.

"Das hat Konsequenzen"

Passieren hätte das freilich auch in Madonna nicht sollen. "Das hat sicher Konsequenzen", kündigte FIS- Herren- Renndirektor Markus Waldner erbost an. Im Gegensatz zu Österreich oder Deutschland ist es in Italien erlaubt, bei derartigen Veranstaltungen eine Drohne einzusetzen. "Es war aber ausgemacht, dass der Pilot nicht über die Strecke fliegt, sondern nur über den Korridor. Doch im zweiten Lauf ist der dann immer weiter reingeflogen. Ein Wahnsinn, was da passiert ist." Wurde der Pilot also schlicht übermütig und hielt sich nicht an die Abmachungen?

ORF- Regisseur Kögler verwundert, dass die Drohne überhaupt zum Einsatz kam. "Bei jüngsten Sitzungen hat die FIS nämlich klipp und klar gesagt, dass sie Drohnen bei Skirennen nicht will." Warum es trotzdem dazu kam, wird sich hoffentlich bald klären.

23.12.2015, 12:07
Michael Fally
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