Foto: EPA, krone.at-Grafik

Im Namen der Ringe wird Natur gnadenlos zerstört

15.01.2014, 16:55
Angetreten war Russland, in Sotschi umweltfreundliche Olympische Winterspiele auszutragen – mittlerweile weiß die Welt, dass das Gegenteil der Fall ist. Im Namen der Ringe wurde die Natur erbarmungslos zerstört. 20.000 Hektar Wald und das Ökosystem eines Flusses mussten dran glauben, 80 Prozent der Sportstätten und der Infrastruktur entstanden in einem früheren Naturpark.

Für die Umweltschützer war der Bau der neuen Eisenbahnlinie und der Autobahn von der Stadt Adler am Schwarzen Meer hinauf zum Skigebiet in Krasnaja Poljana "das skandalöseste Projekt" dieser Spiele. Für 7,4 Milliarden Euro wurden die Trassen erbarmungslos entlang der Mzymta über 59 Kilometer in die Hänge gesprengt, seltene Baumarten (die unter Naturschutz stehen) wurden abgeholzt. Das Ökosystem der Mzymta wurde zerstört, der Fluss verlor seine Funktion fürs Trinkwasser und für die Fischerei.

"Eine Katastrophe!"

Brutale Eingriffe in die Natur gab es leider auch in den beiden Olympia- Zentren in Krasnaja Poljana (Schneeregion) und Adler (Eisbewerbe). Internationale Umweltschutzorganisationen liefen gegen diesen Frevel Sturm – an der Spitze der WWF und Greenpeace. Beide Organisationen resignierten aber mehr und mehr. Ein Greenpeace- Sprecher: "Alle unsere Entscheidungen und Wünsche sind gebrochen worden oder werden ignoriert." Vorschläge, das olympische Dorf im Schneegebiet oder die Bobbahn zu verlegen, wurden abgelehnt.

In Russland kämpft die "Umweltwache Nordkaukasus" für die Natur. Dmitrij Kapzow zum "Spiegel": "Die Spiele sind eine ökologische Katastrophe, 20.000 Hektar Wald werden abgeholzt, eine einzigartige Quellenlandschaft wird zerstört, Bären und Steinböcke werden vertrieben."

Nachdem Sotschi 2007 den Zuschlag für Olympia erhalten hatte, mussten alle Wettkampfstätten aus dem Boden gestampft werden. Auf 537 Hektar entstand ein alpines Skigebiet mit 14 Seilbahnen, 55 Kilometern Piste (acht für Olympia) - unberührte Wälder mit Fichten, Kastanien und Buchen mussten den Skisprungschanzen weichen.

Aktivisten vor Gericht

In Krasnaja Poljana und Rosa Chutor (dem Ausgangspunkt zu den Alpinen) wurden entlang der Mzymta Hotels und Restaurants gebaut. Die Umwelt wurde meist ignoriert. Proteste gegen die Zerstörung der Umwelt verpufften meist schnell. Einmal, am 10. August 2009, stoppten Aktivisten den Bau der Straße nach Krasnaja Poljana, sie wurden vor ein Gericht gestellt, kamen glimpflich davon. Der WWF berichtete noch von weiteren zwei Aktionen, bei denen Umweltaktivisten festgenommen wurden – weil sie ohne Passierschein in dem Grenzgebiet unterwegs waren.

Für Olympia wurden 1.500 Häuser dem Erdboden gleichgemacht – auch die nur 200 Seelen große Gemeinde Aschschtyr, nur zehn Kilometer vom Olympiapark entfernt, leidet extrem unter Olympia. Von einem dortigen Steinbruch wurden rund um die Uhr Steine abgetragen, mit 250 Lkws pro Tag. In dem Ort, einst in einem idyllischen Naturpark gelegen, trocknen inzwischen schon die Brunnen aus.

Beton an der Küste

In Adler, wo der Olympiapark entstanden ist, sei, kritisiert Wladimir Kimajew von der "Umweltwache Nordkaukasus", "eine umstrittene Küstenbefestigung aus Beton entstanden". Er fasst die Probleme zusammen: "Die einzigartige Natur wurde zerstört."


15.01.2014, 16:55
Olaf Brockmann, Kronen Zeitung
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