Kolumne

Ich wünsche mir keine Soldaten!

06.02.2014, 08:51
Ich freue mich, dass ich euch ab heute während Olympia begleiten kann - und verrate, warum ich wirklich nicht zu den Spielen nach Sotschi reise und was mir Sorgen bereitet:

Grüß euch! Ich freue mich, euch während der Winterspiele zum ersten Mal auf diese Weise hier in der "Krone" zu begleiten. Dabei werde ich die Veranstaltung im Fernsehen verfolgen - wie ihr und übrigens auch die meisten Zuschauer in Sotschi...

Es ist ja hinlänglich bekannt, dass ich nicht nach Russland reisen werde. Dazu nur noch eine kurze Erläuterung, die mir aber sehr am Herzen liegt: Beim Damen- Slalom in Flachau hat mich Ernst Hausleitner im ORF- Interview gefragt, ob ich zu den Spielen fahre. Möglichkeiten dazu hätte es genug gegeben, aber ich habe mich entschlossen, zu Hause zu bleiben.

Von einem Boykott war freilich nie die Rede, das steht mir ebenso wenig zu wie eine Systemkritik. Was ich zum Ausdruck gebracht habe, ist mein persönliches Unbehagen mit gewissen Zuständen in der Olympia- Region. Meine eindeutige und unmissverständliche Haltung zum Thema Politik und Menschenrechte hat einiges ausgelöst. Es war jedenfalls spannend und teilweise erschreckend zu verfolgen, was in meine Worte hineininterpretiert wurde.

Da sieht man, welche Aufmerksamkeit ein Großereignis in so einem Krisengebiet einfach hervorruft. Auf die Verunsicherung und die Nervosität, die dadurch zusätzlich entstehen, kann man als Sportler gerne verzichten.

Das IOC muss sich meiner Meinung nach schon die Frage gefallen lassen, warum die Wahl ausgerechnet auf einen Unruheherd gefallen ist. Ausbaden müssen das jetzt die Sportler. Bestätigt fühle ich mich durch den Drohbrief ans ÖOC, der noch dazu im Handumdrehen an die Öffentlichkeit gelangte. Was ich für absolut unverantwortlich halte.

Ich bleibe dabei: Salzburg hätte für diese Winterspiele die viel besseren Voraussetzungen geboten. Mittlerweile leider ein müßiger Gedanke.

Jetzt bin ich jedenfalls überzeugt, dass in Sotschi alles für die Sicherheit der Sportler unternommen wird - was für sie auch ziemlich mühsam ist. Ich erinnere mich noch gut an die Spiele in Turin, als es einem Spießrutenlauf glich, wenn man mit Sack und Pack durch die ganzen Sicherheitsschleusen ins Olympische Dorf in Sestriere wollte. In Russland ist das jetzt, wie man hört, natürlich noch um einiges schlimmer.

Für die Athleten kommt es darauf an, das Drumherum so gut wie möglich auszublenden, sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. Schwerbewaffnete Soldaten sind nicht unbedingt jenes Publikum, welches man sich für ein Skirennen wünscht. Wem es am besten gelingt, das aus dem Kopf zu kriegen und sich allein auf seine Fähigkeiten zu besinnen, der ist schon klar im Vorteil.

Da sind wir auch schon bei dem Thema, das bei Olympia eigentlich den Mittelpunkt bilden sollte. Aus meiner Sicht steht der Höhepunkt der Spiele unmittelbar bevor: die Eröffnung! Nein, ich meine selbstverständlich die Herrenabfahrt am Sonntag. Damit werde ich mich in den kommenden Tagen eingehender befassen.

06.02.2014, 08:51
Hermann Maier, Kronen Zeitung
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