Willkommen
|
Aboheader_09-2016
Facebook Twitter Google Plus
30.09.2016 - 18:58
Foto: APA/AFP/ADEM ALTAN, facebook.com, AP

Türkischer Box- Champ: "Erdogan ist Hitler 2.0"

23.08.2016, 12:19

Ein TV- Auftritt des türkischen Boxprofis Ünsal Arik im "Sat.1- Frühstücksfernsehen" Anfang August hat ein unangenehmes Nachspiel. Wie der deutsche Sender bekannt gab, erstattete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Strafanzeige, weil ihn der Sportler als "Hitler 2.0" bezeichnete. Am 25. September stellt sich der Boxer, der in Deutschland lebt, freiwillig einem Verhör in der Türkei. "Nicht hinzufliegen wäre feig. Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe. Also muss ich mich auch meinem Gegner stellen", sagte Arik, dem in der Türkei nun bis zu vier Jahre Haft drohen.

Der Boxer kam in Deutschland zur Welt und wuchs in Bayern auf, doch er nahm nie die deutsche Staatsbürgerschaft an. Anfang August protestierte der aktuelle Weltmeister im Superweltergewicht erstmals öffentlich gegen die Politik Erdogans. Vor einem Kampf trug Arik ein T- Shirt mit der Aufschrift: "Das Land gehört Atatürk und nicht Erdogan".

Zur Erinnerung: Atatürk war der Begründer der Republik Türkei und von 1923 bis 1938 erster Präsident der nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen modernen Republik.

Türkischer Boxprofi Ünsal Arik
Foto: Screenshot/Sat.1

"Bin stolzer Türke, der sein Land von einem Diktator befreien will"

Wenige Tage danach legte der Boxer bei Sat.1 nach: "Erdogan macht Polit- Diktatur, für mich ist er Hitler 2.0." Gleichzeitig stellte Arik klar, dass er ein stolzer Türke sei, der sein Land nicht schlechtmachen, sondern von einem Diktator befreien wolle. "In einem Land, wo es viel Armut gibt und wo die Bildung sehr weit zurück ist, kann man Menschen sehr leicht manipulieren. Das macht Erdogan sehr gut und er benutzt die größte Waffe, die es gibt: den Glauben."

Diese Aussagen wurden in der Türkei gehört und registriert, Erdogan stellte daraufhin Strafanzeige.

Foto: APA/AFP/ADEM ALTAN

"Himmelfahrtskommando": Rechtsexperte rät Boxer von Reise ab

Nun will Arik am 25. September freiwillig zum Verhör in die Türkei fliegen. "Ein Himmelfahrtskommando", warnte der deutsche Rechtsexperte Paul Degott in der Vorwoche im "Sat.1- Frühstücksfernsehen" den Boxprofi, türkischen Boden zu betreten. "Wenn er seine Aussage macht, wird ihm mit Sicherheit Untersuchungshaft drohen, weil die türkische Staatsanwaltschaft Fluchtgefahr feststellen und ihn nicht mehr ausreisen lassen wird. Dann könnte er in eines der überfüllten Gefängnis gesteckt werden, wo er womöglich monatelang auf einen Prozess warten wird müssen."

Rechtsexperte Paul Degott
Foto: Screenshot/Sat.1

Rechtliche Unterstützung vom deutschen Staat hat Arik keine zu erwarten, denn durch die türkische Staatsbürgerschaft untersteht er auch türkischem Recht. Doch Arik will sich nicht einschüchtern lassen: "Wenn ich mich dem Verhör nicht stellen würde, dann wäre ich nicht mehr loyal - weder zu mir noch zu den Menschen, die mich lieben und unterstützen. Ich habe etwas gestartet und das muss ich jetzt auch zu Ende bringen." Auf seiner Facebook- Fanpage schrieb er kämpferisch: "Ich kann mit Stolz sagen, dass ich der einzige türkische Sportler bin, der Erdogan und seinen Anhängern die Meinung sagt."

Türkei: Tausende Erdogan- Gegner seit Putschversuch in Haft

Seit dem Putschversuch Mitte Juli geht die türkische Regierung mit großer Härte gegen vermeintliche Erdogan- Gegner vor. Zehntausende Menschen wurden festgenommen, ihrer Posten enthoben oder versetzt - die meisten von ihnen allein wegen einer angeblichen Nähe zur Gülen- Bewegung. Nach Regierungsangaben wurden bislang 5000 Beamte entlassen und 80.000 weitere vom Dienst suspendiert, 40.000 Staatsbedienstete wurden festgenommen, von denen mehr als die Hälfte weiter hinter Gittern sind.  

Der Putschversuch in der Türkei scheiterte - im Bild sind festgenommene Soldaten zu sehen.
Foto: Facebook.com/KeremSchamberger

Die türkische Staatsanwaltschaft will weitere 146 Akademiker wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Gülen- Bewegung verhaften lassen. Die Polizei habe einen Großeinsatz in 17 Provinzen gestartet und bereits 73 Akademiker festgenommen, meldeten die türkischen Nachrichtenagenturen am vergangenen Freitag. Zudem wurden in der Vorwoche laut der Nachrichtenagentur Dogan 18 weitere Haftbefehle gegen Unternehmer in Istanbul erlassen, die die Gülen- Bewegung finanziell unterstützt haben sollen.

Erdogan- Jünger machen in Deutschland Jagd auf Gülen- Anhänger

Die Regierung in Ankara macht den islamischen Prediger Fethullah Gülen und seine Anhänger für den versuchten Militärputsch verantwortlich. Der in den USA im Exil lebende Prediger bestreitet die Vorwürfe. Erdogan wirft der Bewegung seines einstigen Mitstreiters zudem vor, in den vergangenen Jahrzehnten die Justiz, die Armee und den Bildungssektor "unterwandert" zu haben. Auch in Deutschland machen Erdogan- Anhänger Jagd auf Gülen- Anhänger. 

23.08.2016, 12:19
fho, krone.at/AG
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2016 krone.at | Impressum