Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
21.07.2017 - 11:48
Es tut uns leid, Ihr Browser ist veraltet.
Aktualisieren Sie Ihren Browser, um das Video zu sehen.
Foto: Klemens Groh, facebook.com / Video: krone.at

Ermittler: "Räuber sind meist keine Österreicher"

05.02.2017, 20:40

Prügelvideos, Massenschlägereien, betrunkene Flüchtlinge: Jugendbanden sorgen bei der Bevölkerung für Unbehagen. Obwohl die Kriminalitätsrate sinkt. Im Interview mit krone.at spricht Oberstleutnant Robert Klug, Ermittler beim Landeskriminalamt Wien mit Schwerpunkt Jugendkriminalität, über vermeintliche Banden, bedingte Urteile, Massenschlägereien und Hotspots.

Kurz vor zehn Uhr: Im Polizeigebäude auf der Rossauer Lände haben Oberstleutnant Robert Klug und sein Ermittlerteam ihr Büro. Nach einem Kaffee mit Blick auf die Donau die erste Frage: Herrscht in Österreichs Großstädten wirklich ein Bandenproblem? Banden: nein. Problem: ja. Sagt Oberstleutnant Robert Klug. Der Ermittler verfolgt eine Vielfalt von Straftaten, ob Massenschlägereien oder Handydiebstähle. Beim Großteil der Täter könne von Banden aber nicht die Rede sein, betont Klug, die Delikte ergäben sich meist ohne Vorsatz: "Das sind Gruppierungen, die sich in der Freizeit an öffentlichen Orten treffen, und dann begehen sie zusammen manchmal strafbare Handlungen, wie eben Raubüberfälle."

Oberstleutnant Robert Klug
Foto: krone.at

Territoriale und kulturelle Streitpunkte

Die aktuellen Schlagzeilen vermitteln ein anderes Bild: Ein junges Mädchen wird von Jugendlichen brutal geschlagen, die Peiniger zeichnen ihre Tat auf Video auf und verbreiten es in den sozialen Medien. Junge Männer brechen einem Bratschisten den Finger, weil er sie auf das Rauchverbot in der Wiener U- Bahn- Station Karlsplatz aufmerksam gemacht hat. Sogenannte Sittenwächter sorgen in Einkaufszentren für "Ordnung". Schlägereien zwischen Afghanen und Tschetschenen. Klug: "Gerade im Straßenraubsektor - der aber im Moment auf sehr geringem Niveau ist - verzeichnen wir tatsächlich Überfälle, die von Jugendlichen begangen werden, deren Staatsbürgerschaft in den meisten Fällen nicht die österreichische ist."

Massenschlägereien lassen sich laut dem Fahnder leicht erklären. Sie seien ein Beispiel für territoriale und kulturelle Streitpunkte unter den Jugendlichen: "Früher haben mitunter junge Russen Gebiete für sich beansprucht. Nun sind viele afghanische Jugendliche in Österreich. Und sie beanspruchen dieselben Gebiete. Daher ergeben sich natürlich Konflikte und Spannungen, die sich dann im Extremfall so entwickeln, dass es dann zu täglichen Auseinandersetzungen kommt wie am Westbahnhof kurz vor Weihnachten."

Foto: krone.at

Afghanen und Massenschlägereien

Jugendliche aus Afghanistan treten auffälliger als andere in Erscheinung, einfach deshalb, weil sie sich an stark frequentierten und bewachten Plätzen treffen: "Es mag vielleicht den Anschein haben, dass Afghanen geneigter sind, strafbare Handlungen zu begehen als österreichische Jugendliche. Das wird sicherlich stimmen, Untersuchungen dazu sind mir nicht bekannt, ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen. Aber man darf nicht vergessen, es sind ganz einfach mehr afghanische Jugendliche in Ballungszentren und werden dort kontrolliert."

Und was ist mit den Massenschlägereien? Hier sollen Zaungäste oft die Polizei bei ihren Einsätzen behindern. "Oft wird von der außenstehenden Bevölkerung eine Gruppe von 50 Personen wahrgenommen, und tatsächlich sind an einem solchen Fall fünf bis sieben Personen beteiligt und der Rest sind Zuseher. Die Ermittlungen erschwert es insofern, als durch diese häufig den Tätern die Gelegenheit geboten wird, in der Menge zu verschwinden. Die Auskunftsfreudigkeit der Zuseher hält sich leider sehr in Grenzen, und wenn es auch offensichtlich ist, dass die dort anwesenden Personen die Täter kennen, sei es auch nur mit dem Vornamen, stoßen wir oft auf eine Mauer des Schweigens."

Foto: krone.at

Bedingte Urteile

Ein weiteres Problem: lediglich Urteile mit bedingten Strafen für die mutmaßlichen Täter und in der Folge Unmut in der Bevölkerung. Auf die Frage, ob sie vorbestraft seien, antworten viele der Jugendlichen in den Einvernahmen mit einem selbstbewussten "Nein". Das Strafregister entlarvt sie schlussendlich: "Ich gebe ihnen Recht, dass die derzeitige Form der Pönalisierung vielleicht nicht unbedingt die richtige ist. Dass ein Jugendlicher, der eine bedingte Haftstrafe bekommt, sich der Tragweite dieser Maßnahme gar nicht bewusst ist, halte ich sehr wohl für möglich. Ich gebe aber zu bedenken, dass eine Haftstrafe und ein Eintrag ins Strafregister sicherlich nicht förderlich sind, den Jugendlichen zu integrieren."

Erhöhtes Risiko an Hotspots

Stark besuchte Plätze stellen nach Aussage des Kriminalbeamten ein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar: "Wenn ich als Jugendlicher alleine am Praterstern bin oder durch die Venediger Au gehe, dann muss mir natürlich gewärtig sein, dass ich von einer Gruppe umringt werde, und da könnte es auch sein, dass ich Opfer eines Raubüberfalls werde. Gewisse Situationen sind einfach gefahrengeneigter als andere."

Foto: APA/Robert Jäger

Wien trotzdem eine der sichersten Städte

Oberstleutnant Klug bleibt dabei, dass Wien trotz vieler Probleme eine der sichersten Städte Europas ist: "Auch wenn ich kein Polizist wäre - würde ich durch jeden Park in Wien gehen, ohne mich davor zu fürchten, Opfer eines Verbrechens zu werden."

Redakteur
Alexander Bischofberger-Mahr
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2017 krone.at | Impressum