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Studien: Mortalität bei H1N1 gering, Tamiflu wirkt kaum

11.12.2009, 11:36
Studien: Mortalität bei H1N1 gering, Tamiflu wirkt kaum (Bild: dpa)
Foto: dpa
Zum ersten Mal seit Beginn der Neue- Grippe- Hysterie belegen auch wissenschaftliche Daten die Vermutungen vieler Österreicher: Die Sterberate bei H1N1- Erkrankungen ist im Vergleich zur vielzitierten Spanischen Grippe weit geringer als verkündet. Laut dem "British Medical Journal" liegt sie bei 0,026 Prozent. Zum Vergleich: 1918 betrug die Mortalität bis zu drei Prozent, bei einer Grippe- Pandemie in den Sechzigern 0,2 Prozent. Die britischen Mediziner lassen übrigens auch am "Wundermittel" Tamiflu kein gutes Haar.

Die im "British Medical Journal" publizierte Studie zur Mortalität bei der Neuen Grippe berücksichtigt die insgesamt 138 Todesfälle in Großbritannien bis zum 8. November, bei denen die Grippe als Ursache bestätigt wurde. Der am Donnerstag veröffentlichte Bericht des britischen Gesundheitsministeriums zeigt, dass "nur" 0,026 Prozent der Erkrankten an H1N1 starben.

Trotz der geringen Aggressivität des H1N1- Virus sei aber die Impfkampagne gerechtfertigt, betonen die Forscher um den britischen Chief Medical Officer Sir Liam Donaldson. Zwei Drittel der Todesopfer gehörten zu Risikogruppen wie etwa chronisch kranke Menschen oder Senioren, denen zur Impfung geraten wurde. Dies zeige, wie wichtig es sei, gefährdete Menschen zu impfen. Die Wirksamkeit der Vakzine wird von den Medizinern nicht angezweifelt.

201.565 Impfungen in Österreich

Nur 201.565 Personen haben sich in Österreich bisher gegen die Neue Grippe impfen lassen. Seit Anfang Dezember dürfen sich einzelne Betriebe zu Impfzentren erklären lassen und ihre Mitarbeiter immunisieren. Voraussetzungen dafür ist eine Ernennung nach einem Ersuchen an die öffentliche Hand sowie die Einhaltung der Transport- und Lagerbedingungen. Die Zahl der Neuerkrankungen war letzte Woche leicht im Sinken: 30.000 bis 45.000 haben sich laut einer Hochrechnung in der vergangenen Woche mit der Influenza A(H1N1) angesteckt. Zum Vergleich: In den sieben Tagen davor ging man von 35.000 bis 47.000 Betroffenen aus.

Mediziner lassen kein gutes Haar an Tamiflu

Das "British Medical Journal" räumt in seiner kommenden Ausgabe auch mit einem weiteren Mythos der Neuen Grippe auf: dem Grippemittel Tamiflu. Angesichts drohender Grippeepidemien haben Regierungen weltweit für Milliardenbeträge Vorräte des Grippemittels angelegt. Nach einer Auswertung der Studien zu dessen Wirkstoff Oseltamivir halten die Experten aus dem Vereinigten Königreich den Nutzen aber für fraglich. Das Mittel könne die Symptome einer Influenza nur um etwa einen Tag verkürzen, stellen die Mediziner fest. Auch sei nicht belegt, dass das Medikament Grippepatienten vor Komplikationen wie etwa einer Lungenentzündung schütze.

Daher solle das Mittel nicht routinemäßig zur Kontrolle der saisonalen Grippe verwendet werden, betonen die Mediziner um Chris Del Mar von der australischen Bond- Universität im "British Medical Journal". Die Forscher werteten insgesamt 20 Studien aus und kritisieren den Mangel an guten Daten. Acht Untersuchungen wurden von der Analyse ausgeschlossen, weil die darin enthaltenen Daten nicht unabhängig überprüft werden konnten.

Wirkung des Medikaments "nicht beurteilbar"

Tamiflu- Hersteller Roche betont dagegen, er glaube fest an die Zuverlässigkeit der publizierten Resultate, die den Zulassungsbehörden vorlägen. Roche schätzt den Umsatz mit Tamiflu allein im Jahr 2009 auf rund 1,8 Milliarden Euro.

Mike Clarke vom britischen Cochrane- Zentrum betont, die Studie ziehe nicht nur die Effektivität von Oseltamivir in Frage sondern auch das gesamte Zulassungssystem von Medikamenten. Die Herausgeber des "British Medical Journal" fordern eine Verpflichtung für die Hersteller, die Daten von Studien öffentlich zugänglich zu machen. "Weltweit haben Regierungen Milliarden für ein Medikament ausgegeben, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft nun nicht beurteilen kann", betont die BMJ- Chefredakteurin, Fiona Godlee.

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