Di, 12. Dezember 2017

Die Macho-Lady

03.12.2017 06:00

Proll: "Für manche Männer bin ich ein rotes Tuch"

Nina Proll (43) heizte in den letzten Wochen die öffentliche #metoo-Diskussion so richtig an. Zurzeit ist sie im Kino als "Anna Fucking Molnar" zu sehen. Die Schauspielerin im "Krone"-Interview über Sexismus, böse Zungen und Ehrlichkeit.

"Krone": Ereignisreiche Wochen liegen hinter Ihnen. #metoo-Aufreger, neuer Film, diese Woche "Vorstadtweiber"-Premiere. Böse Zungen behaupten, das war alles nur der Promotion wegen ...
Proll: Um PR für meinen Film zu machen, wäre es wesentlich einfacher gewesen, auf den Zug aufzuspringen und irgendeine längst vergangene Episode unter dem Hashtag metoo zu veröffentlichen. Nur genau das ist meiner Meinung nach kontraproduktiv. Worum es mir ging, war, eine Diskussion auszulösen, das gebe ich zu!

Aber warum?
Weil ich das Gefühl hatte, es gibt keine ehrliche Auseinandersetzung mit diesem Thema. Und wenn man immer gefragt wird: "Na, Frau Proll! Was mussten Sie denn alles tun, um dort hinzukommen, wo Sie jetzt sind?", dann ärgert mich das irgendwann. Weil ich immer darauf geantwortet habe: Nichts! Ich habe Castings gemacht, wie jeder andere auch, und versucht, meinen Job so gut wie möglich zu machen. Das ist aber anscheinend unglaublich. Da muss ich mich schon fragen: Was ist das für eine kranke Gesellschaft?

Haben Sie die Diskussion zu dem Thema nicht schön langsam satt?
Dieses gesellschaftlich relevante Thema wird uns noch länger begleiten. Die Gleichberechtigung, die wir immer fordern, hat bei uns im Kopf noch nicht stattgefunden. Wir Frauen in Mitteleuropa sind ja die privilegiertesten auf der ganzen Welt! In manchen Belangen sind wir den Männern sogar überlegen und sitzen sehr wohl am längeren Ast. Doch im Alltag die Gleichberechtigung zu leben, uns mit Männern zu konfrontieren und zu messen, unsere Macht zu spüren und von ihr Gebrauch zu machen, diese Aufgabe wird uns niemand abnehmen. Weder ein Hashtag auf Facebook noch irgendein weiteres Gesetz!

Die Vorstadtweiber zeigen ja den Männern ganz trefflich, wo's langgeht!
Ja (lacht), das finde ich auch! Das ist die umgekehrte Form von Sexismus und mitunter auch das Erfolgsgeheimnis der "Vorstadtweiber". Eben dass diese Frauen den Spieß ganz einfach umdrehen. Genauso wie meine Hauptfigur in "Anna Fucking Molnar": der weibliche Macho, der sich erlaubt, Sex zu konsumieren wie ein Mann, ohne gleich ein Kind zu wollen.

Sind Sie denn auch eine Macho-Lady?
Ja, das bin ich sicher! Und es gibt manche Männer, denen das gefällt, wie meinem Ehemann, und dann gibt's welche, für die das ein rotes Tuch ist. Aber damit muss ich wohl leben.

Auf mich wirken Sie jetzt nicht unbedingt wie jemand, der über einen drüberfährt!
Aber nein! (lacht) Gar nicht! Macho-Lady, wenn Sie so wollen, ist eine Frau, die sich selbst und vor allem ihre Bedürfnisse ernst nimmt und nicht ständig drauf schielt, was vielleicht ein Mann von ihr wollen könnte. Solange uns Frauen immer wichtig ist, was irgendwelche Männer von uns wollen, denken oder zu uns sagen, werden wir nie in Spitzenpositionen kommen.

Ihre Kollegin Ursula Strauss bezeichnete Ihre Aussagen als kontraproduktiv, haben Sie danach mit Ihr darüber gesprochen?
Nein, weil Ursula Strauss kenn ich jetzt nicht so gut. Aber mit ein paar Kolleginnen, mit denen ich freundschaftlich verbunden bin, habe ich sehr wohl diskutiert. Unterschiedliche Meinungen müssen in einer Freundschaft, aber auch in einer Gesellschaft Platz haben.

Freut es Sie, wenn Ihnen dann z.B. Felix Baumgartner gratuliert?
Lassen Sie mich das vielleicht so beantworten: Dass mich Männer unterstützen werden, das war mir klar. Dass die aufatmen, war keine so große Überraschung für mich. Aber dass mich so viele Frauen unterstützen, das war für mich sehr schön zu sehen. Viele Frauen haben zu mir gesagt: "Danke, Frau Proll, Sie haben uns aus der Seele gesprochen!" Punkto Facebook glaube ich nur generell, man muss dosieren und sich nicht zu allen Dingen äußern. Denn das ist auch eine neue Krankheit unserer Gesellschaft, dass man zu allem eine Meinung haben muss.

Wie gehen Sie mit beruflicher Kritik um?
Kritiken treffen mich immer dann, wenn ich selber das Gefühl hab, etwas ist mir misslungen. Wenn ich so wie bei "Anna Fucking Molnar" zu 100% hinter dem Film stehe, kann ich auch mit schlechter Kritik umgehen!

Die "Krone" schrieb "selten gab sich Proll authentischer und ehrlicher" - Ihr Markenzeichen?
Das hat mich natürlich gefreut! Und ja, meine oberste Maxime ist Glaubwürdigkeit, in erster Linie geht's mir darum, dass der Zuschauer sagt: "Ja, ich nehme ihr das zu 100% ab!"

Auch Ihr Vorstadtweib Nicoletta kommt authentisch rüber. Welches der Vorstadtweiber wäre die beste Freundin der Nina Proll?
Ich glaub, die Nicoletta!

Da steckt dann offenbar auch viel Nina drin!
Ja, mir liegt die schon sehr, und die Nicoletta hätte sich vielleicht ganz anders entwickelt, wenn wer anderer sie gespielt hätte. Die Rolle geht mir leicht von der Hand.

Wie geht's in der neuen Staffel weiter?
Ich kann nur verraten, dass sie mit ihrem schlechten Gewissen leben muss, ihre beste Freundin angeschossen zu haben, und das versucht sie zu vertuschen. Sie bemüht sich, ein besserer Mensch zu werden. Es gelingt ihr aber natürlich nicht.

Was ist bei Ihnen als Nächstes geplant? Wieder ein Drehbuch?
Am 22. Jänner darf ich meine Vorstadtlieder im Wiener Akzent Theater fürs Fernsehen aufzeichnen. Und tatsächlich schreibe ich bereits wieder an einem Drehbuch!

Lassen Sie mich raten: Mit Ihnen in der Hauptrolle?
(lacht) Natürlich!

Bei Ihnen sind es ja meistens verruchte Rollen!
Nein, das nächste Mal wird es etwas anderes. Um das Verrucht-Verführerische auszuleben, habe ich meine Vorstadtlieder!

Nicht Ihren Mann?
(lacht) Natürlich den auch!

Wie steht der zu der ganzen #metoo-Debatte?
Mein Mann liebt und verehrt Frauen und fühlt sich durch sie niemals belästigt. Tatsächlich unterstützt er mich sehr in allem, was ich tue. Und wenn durch unterschiedliche Meinungen nun neue Männer- und Frauenbilder entstehen, dann war doch alles nicht umsonst.

Stefan Weinberger, Kronen Zeitung

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