Mi, 22. November 2017

Kurz gegen Kreisky

28.10.2017 14:07

Regieren in Zahlen: Polit-Rekorde in Österreich

Die Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ sind eröffnet - und könnten rasch zum Erfolg führen. Immerhin werden ÖVP-Chef Sebastian Kurz und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache nicht müde, das angenehme Gesprächsthema und inhaltliche Gemeinsamkeiten zu betonen. Doch damit es für einen Tempo-Rekord reicht, müssen sie sich beeilen und am 8. November zur Angelobung schreiten. Und das ist nicht der einzige Rekord, den es in der heimischen Politik zu brechen gilt.

Die jüngsten Umwälzungen in der heimischen Politik haben so oder so Rekordcharakter. Wird der 31-jährige Sebastian Kurz als Bundeskanzler angelobt, bekommt Österreich den jüngsten Regierungschef aller Zeiten - und höchstwahrscheinlich seine zweite schwarz-blaue Koalition.

Negativrekord: SPÖ-Chef Christian Kern wird nach der Angelobung seines Nachfolgers als Kanzler mit der bisher kürzesten Amtszeit in die Geschichte Österreichs eingehen.

Grasser wurde mit 31 Finanzminister
Einen Rekord holte sich Kurz schon 2013: Mit seinem Amtsantritt als Außenminister im Alter von 27 Jahren wurde er das jüngste Regierungsmitglied der Zweiten Republik - und überholte Karl-Heinz Grasser, der 31 war, als er 2000 Finanzminister wurde.

ÖVP und SPÖ verhandelten schon einmal 129 Tage
Wohl keine Rekorde brechen werden ÖVP und FPÖ bei den Koalitionsgesprächen: Es ist nicht zu erwarten, dass sie so lange brauchen wie ÖVP und SPÖ 1962/63, als die Regierung mehr als vier Monate (129 Tage) nach der Wahl angelobt wurde.

Auch bis zur ersten schwarz-blauen Einigung 1999/2000 dauerte es 124 Tage - weil da zunächst SPÖ und ÖVP lange verhandelten, aber nach dem Scheitern stand Schwarz-Blau sehr flott. Weit überdurchschnittliche 96 Tage dauerte es auch 2002/03: Wolfgang Schüssel redete erst mit der SPÖ, verhandelte dann mit den Grünen - und nachdem daraus nichts wurde, einigte er sich ebenfalls wieder flott mit den Blauen.

Die wichtigsten Polit-Rekorde der Zweiten Republik
Die Geschichte Österreichs seit 1945 hält aber nicht nur bei Koalitionsgesprächen Positiv- und Negativrekorde bereit, sondern auch bei anderen Polit-Fakten. Eine Zeitreise durch die bewegte Geschichte der Zweiten Republik:

Die längsten und die kürzesten Koalitionsverhandlungen:

  • Die schnellste Regierungsbildung fand 1945 statt. Damals einigten sich ÖVP, SPÖ und KPÖ unter Bundeskanzler Leopold Figl in nur 25 Tagen.
  • Die längsten Regierungsverhandlungen gab es 1962/63 zwischen ÖVP und SPÖ. Es dauerte 129 Tage, bis der damalige ÖVP-Bundeskanzler Alfons Gorbach sich mit den Sozialdemokraten geeinigt hatte.
  • Die durchschnittliche Dauer einer Regierungsbildung beläuft sich im historischen Vergleich auf 60 Tage. Die 2013 angelobte momentane Bundesregierung brauchte 78 Tage bis zu einer Einigung, den beiden schwarz-blauen Regierungen unter Wolfgang Schüssel gingen 124 und 96 Tage Verhandlungen voran.

Die Regierungen mit den größten Mehrheiten:

  • Die größte Regierungskoalition in der Geschichte der Zweiten Republik gab es von 1945 bis 1947: ÖVP, SPÖ und KPÖ stellten als Regierung 161 von damals 165 Nationalratsabgeordneten, bis die Kommunisten 1947 aus der Regierung ausschieden.
  • Als bisher kleinste Regierungskoalition gilt die schwarz-blaue Koalition, die 2002 unter Kanzler Wolfgang Schüssel angelobt wurde. Ihr gehörten nur 97 von 183 Nationalratsabgeordneten an. Knapp größer war die letzte rot-schwarze Regierung mit 99 von 183 Abgeordneten.


Die buntesten und einfärbigsten Regierungen Österreichs:

  • Als "bunteste" bisherige Regierung gilt die schwarz-rot-dunkelrote Konzentrationsregierung von 1945 bis 1947. Ihr gehörten mit ÖVP, SPÖ und KPÖ drei Parteien an.
  • Die "einfärbigsten" Regierungen der Zweiten Republik waren die Alleinregierungen der Volkspartei unter Bundeskanzler Josef Klaus (1966 - 1970) und die Alleinregierung der SPÖ unter Bundeskanzler Bruno Kreisky, der von 1970 bis 1983 - anfangs in von der FPÖ geduldeter Minderheitsregierung - herrschte.
  • Die bisher längste Regierungszusammenarbeit können SPÖ und ÖVP für sich verbuchen. Insgesamt 24,4 Jahre oder 8924 Tage arbeiteten die beiden Großparteien von 1986 bis 2000 und ab 2007 unter roten Bundeskanzlern zusammen, weitere 20,3 Jahre oder 7425 Tage (1945 - 1966) unter schwarzen Bundeskanzlern.
  • Als bisher kürzeste Koalition ist die von 1983 bis 1986 regierende rot-blaue Regierung unter SPÖ-Bundeskanzler Fred Sinowatz und FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger in die Geschichte eingegangen. Sie dauerte gerade einmal 1119 Tage.

Wer am längsten und wer am kürzesten regiert hat:

  • Am längsten in einer Regierungsverantwortung stand bisher die SPÖ. Sie war von 1945 bis 1966, 1970 bis 2000 und seit 2007 in der Regierung, was einem Zeitraum von satten 22.249 Tagen oder 61 Jahren entspricht.
  • Am längsten durchgehend in der Regierung ist die ÖVP: Sie ist seit 1986 mit wechselnden Koalitionspartnern an der Macht, das entspricht einem Zeitraum von 11.454 Tagen.
  • Die kürzeste Regierungsverantwortung hatte das BZÖ. Jörg Haiders FPÖ-Abspaltung hielt sich von 2005 bis 2007 623 Tage oder 1,7 Jahre in einer Koalition mit Wolfgang Schüssels Volkspartei.

Personal-Rekorde der österreichischen Regierungen:

  • Als bisher jüngster Minister der Zweiten Republik hat Sebastian Kurz Geschichte geschrieben, als er 2013 mit gerade einmal 27 Jahren Außenminister wurde. Er war vier Jahre jünger als Karl-Heinz Grasser, der mit 31 Finanzminister wurde.
  • Der Rekord für den jüngsten Bundeskanzler dürfte ebenfalls bald dem amtierenden Außenminister gehören: Den 1945 mit 43 Jahren als Bundeskanzler angelobten Leopold Figl unterbietet Kurz um zwölf Jahre.
  • Der bisher älteste Bundeskanzler der Republik Österreich war Bruno Kreisky. Er wurde 1970 mit 59 Kanzler und blieb es bis ins Alter von 72 Jahren.
  • Als erste Frau in einem Ministerposten ist die 1966 eingesetzte ÖVP-Sozialministerin Grete Rehor in die Geschichte eingegangen.
  • Als Kanzler, der sich am längsten an der Macht hielt, gilt SPÖ-"Sonnenkönig" Bruno Kreisky mit einer Regierungsdauer von 4781 Tagen.
  • Die kürzeste Bundeskanzlerschaft wurde bisher SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer zugeschrieben. Er hielt sich 2007 und 2008 für 691 Tage im Amt. Wenn die neue Regierung angelobt wurde, wird dieser undankbare Rekord wohl an Christian Kern weitergegeben.
  • Der längst dienende Minister ist der ehemalige SPÖ-Justizminister Christian Broda. Er blieb 6907 Tage im Amt - von 1960 bis 1966 und von 1970 bis 1983.
  • Mit nur 25 Tagen im Amt ist FPÖ-Justizminister Michael Krüger der Minister mit der kürzesten Amtszeit. Er hatte sein Ressort nur von 4. bis 29. Februar 2000 inne.

Diese Regierungen hielten am längsten und kürzesten:

  • Als Regierung mit der längsten zusammenhängenden Amtszeit gilt die Regierung Faymann, die - erstmals in einer fünf- statt vierjährigen Periode - von 2008 bis 2013 regierte.
  • Die Regierung mit der bisher kürzesten Amtszeit arbeitete nur 159 Tage lang: Bundeskanzler Julius Raab regierte in seiner letzten Amtszeit nur von 3. November 1960 bis 11. April 1961 gemeinsam mit der SPÖ, bevor 1961 sein ÖVP-Parteikollege Alfons Gorbach das Kanzleramt übernahm.

 krone.at
Redaktion
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