Mo, 28. Mai 2018

Katia Wagner

30.08.2017 10:10

Plakate aus der Gruft: Das wird nix mehr, Grüne

Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, wofür denn eigentlich die Grünen stehen, haben Sie Glück - denn: Letzte Woche wurde die Plakatkampagne für die Nationalratswahlen mit dem vielversprechenden General-Slogan "Das ist Grün" vorgestellt. Zu den präsentierten Plakaten mit den durchaus passenden Titeln "Mitmenschen. Nicht dagegen" und "Europa beginnt in Österreich" reiht sich eine Plakatserie, die jedoch für Verwunderung sorgt. Zu sehen ist darauf Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek mit einem vielleicht sechs, sieben Jahre alten Buben, darunter der Spruch: "Sei ein Mann: Wähl eine Frau. Das ist Grün."

Robert Luschnik, der Bundesgeschäftsführer der Grünen, erklärt die Themensetzung wie folgt: "Wir wollen den Wählern erklären, was Grün ist und warum Grüne im nächsten Nationalrat stark vertreten sein sollten." Das ist also Grün. Eine Partei, die darauf setzt, dem Wähler zu erklären, was einen "echten" Mann ausmacht (nämlich Lunacek zu wählen) und was nicht (nämlich jemanden anderen zu wählen). Dass eine Partei, die sich zumindest in der Vergangenheit gegen präskriptive Geschlechterrollen eingesetzt hat, nun sogar öffentlich mit dem Geschlecht der Spitzenkandidatin auf Plakaten wirbt, ist an Absurdität wohl kaum zu überbieten.

Der Spruch wird auch der langjährigen Europaabgeordneten und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Ulrike Lunacek nicht gerecht. Er suggeriert, dass es außer dem Geschlecht keine anderen nennenswerten und plakatierbaren Qualifikationen der Spitzenkandidatin gibt, die ein X bei den Grünen am 15. Oktober begründen. Eine Partei, die sich der Gleichstellung von Geschlechtern verschrieben hat, reduziert nun ihre eigene Spitzenkandidatin auf ihr Geschlecht. Auch das ist Grün.

"Sei eine Frau: Wähle einen Mann"?
Kaum auszudenken wäre es, wenn beispielsweise die FPÖ "Sei eine Frau: Wähle einen Mann. Das ist die FPÖ." plakatieren würde. Eine (berechtigte) Welle der Entrüstung wäre gewiss und der Sexismus-Vorwurf nicht weit. Im umgekehrten Fall nennt man bei den Grünen einen solchen auf das Geschlecht reduzierenden Spruch dann aber großzügigerweise nicht Sexismus, sondern einen Aufruf zur "Chancengleichheit". Großzügigkeit bei sich selbst und nur bei sich selbst - auch das ist Grün.

Nur wenige Tage nach der Plakatpräsentation wurden auch aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Laut dem Nachrichtenmagazin "profil" stehen die Grünen derzeit bei mageren vier Prozent, selbst hinter dem Listen-Neuzugang Peter Pilz. Ob ein derartiger Plakatspruch Männer motiviert, nun doch Grün zu wählen, darf allerdings stark bezweifelt werden. In der Regel wählt der mündige Wähler, aber auch die mündige Wählerin, nämlich weniger Geschlechter, sondern vielmehr Inhalte und Programme.

Bis zur Nationalratswahl sind es heute noch 46 Tage. Zeit genug, sich in punkto Slogans und Wahlkampf noch ein wenig beraten zu lassen. Der Erfinder des qualitativ in etwa gleichwertigen Slogans "Hol dir, was dir zusteht" wäre zum Beispiel wieder zu haben.

Katja Wagner

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